mit seinem ehemaligen Herrn zugetragen. Ich vor meine person habe zwar in diesen Landen meinen Staat nicht darnach eingerichtet, einen Kammerdiener zu halten, sondern mich bishero nur mit einem Bedienten, den ich bei den Pferden brauchen kann, beholfen. Ich werde auch, sobald es nur immer möglich, dieses Land verlassen und bin willens, sobald ich den Hof erreicht, wo ich bei dem Fürsten als Kammerjunker in Diensten stehe, meine Dimission zu fordern und in mein Vaterland zurückzugehen, denn es gefällt mir selbst nicht mehr in Italien. Will Er nun solange bei mir bleiben, auf meine Sachen indessen gute Acht mit haben und hernach einen Reisegefährten abgeben, so will ich Ihm wöchentlich drei Kaisergulden und die freie Reise geben bis nach Frankfurt am Main, sodann wird Er schon bessere Dienste zu finden wissen."
Der Kammerdiener wurde hierüber höchst erfreuet, küssete Elbenstein die Hand und versprach, solange demselben annoch in Italien zu bleiben beliebte, auch auf der Reise nach Deutschland, sich gegen einen solchen généreusen Kavalier dergsetalt aufwartsam aufzuführen, als man nur von einem rechtschaffenen Kammerdiener verlangen könnte. Hierauf erteilete ihm Elbenstein den ersten Befehl, wie er nämlich eine Extrapost auf morgen mit dem allerfrühesten bestellen möchte, worauf Elbenstein mit seinen Sachen abfahren wollte, er, der Kammerdiener aber, sollte auf Elbensteins Pferde beiher reuten.
Nach diesem, da es Abend zu werden begunnte, begab sich Elbenstein auf sein Zimmer, speisete die Abendmahlzeit, liess sich bald hernach von dem Kammerdiener, welcher die Post wohl bestellet hatte, auskleiden und legte sich zur Ruhe, konnte aber nicht so bald einschlafen, weil ihm die von dem Kammerdiener erzählte Geschicht immer noch in den Gedanken lag. 'Dieses ist', sprach er zu sich selbst, 'eine neue Bussglocke vor dich! Ach Elbenstein, bekehre dich einmal im rechten Ernste, verlasse dieses Sodom so bald als möglich und fange ein anderes, gottgefälliges Leben an, sonsten wird dir's noch ebenso und vielleicht noch jämmerlicher ergehen als diesem unglückseligen Kavaliere.' Er fing nunmehr wiederum an, andächtig zu beten, schlief darauf etliche Stunden ganz süsse, setzte hierauf seine Reise mit lauter Extraposten sehr schnell fort und gelangte endlich glücklich in der Residenzstadt seines Fürsten an.
Es war schon ziemlich spät, als er vor seinem ordentlichen Logis stillehalten liess, jedoch wurde ihm sogleich aufgemacht, und sein Bedienter war augenblicklich zur Stelle, half die Sachen abpacken und in seine stube tragen, meldete anbei, dass er alles, was sie vor etlichen Monaten von Venedig mitgebracht, richtig an den Fürsten überliefert, welcher eins sowohl als das andere in Verwahrung nehmen lassen, ihm, dem Diener, befohlen, dass er alle Tage bei hof zu Tische kommen, auch wöchentlich ein gewisses Geld zu Extraausgaben empfangen sollte, welches er denn auch jederzeit richtig erhalten, die im Quartiere zurückgelassenen Meublen aber hätte der Fürst des Wirts Besorgung anvertraut und sich darvon eine genaue Spezifikation einhändigen lassen.
Elbenstein fand in seiner stube und kammer noch alles so, wie er es verlassen hatte, nahm deswegen diesen Abend mit kalter Küche und einer Bouteille Wein vorlieb, legte sich hierauf alsobald zur Ruhe, stunde aber morgens desto früher auf, ging zu hof und liess sich, sobald der Fürst aufgestanden war, bei demselben melden.
Sr. Durchl. verwunderten sich ungemein über Elbensteins unvermutete Ankunft, liessen ihn sogleich vor sich kommen und fragten ihn, jedoch mit einer besonders gnädigen und lächlenden Miene, wo er solange gesteckt hätte. Dieser nun, weil er bei dem Fürsten ganz alleine war, erzählete demselben eine wunderseltsame Historie, so wie er von seiner geliebten Fürstin instruiert war, benebst dem, was er selbsten noch dazu erdichtet hatte. Der Fürst musste unter Elbensteins Erzählung des Lachens wegen zum öftern seinen Bauch halten; endlich aber sagte derselbe: "Es ist nur gut, dass Er wieder hier ist, ein andermal nehme Er sich im Courtoisieren besser in acht. In Venedig hat Er meine Angelegenheiten wohl expediert, ich habe alles richtig empfangen, und das, was ihm zugehöret, ist uneröffnet geblieben, Er kann es sogleich aus dem roten Gewölbe, wo es verwahret ist, in Sein Logis schaffen lassen. drei Tage will ich Ihm Zeit lassen, von der Reise auszuruhen, nachher aber werde ich Ihm etwas zu tun geben, woran mir viel gelegen ist." Sobald sich nun der Fürst in sein Cabinet begeben, liess Elbenstein gleich seine Sachen in Logis tragen, begab sich auch selbst dahin, und um seines Leibes recht zu pflegen, setzte er sich vor, in drei Tagen nicht auszugehen. Mittlerweile hörete er nicht nur von seinem Diener, sondern auch von dem Wirte und der Wirtin, dass in der ganzen Stadt nicht weniger als bei hof über sein langes Aussenbleiben verschiedentlich wäre geurteilet worden, wie man ihm denn ein und andere Specialia erzählete, allein Elbenstein lachte darüber und sagte: "Es ist mir lieb, dass sich die Leute auf Konto meines Namens etwas mit ihren Gedanken und Mäulern zu schaffen gemacht haben. Wenn derjenige zu mir käme, welcher das Rätsel am nächsten getroffen, wollte ich ihm ein Fass Wein vor seine Mühe geben." Allein er bekam bald ein ander Gedankenspiel, denn des zweiten Abends, da es dämmerich zu werden begunnte, wurde ihm ein Brief von seiner Kloster-Amour, der Marinalba, eingehändiget, worin sie ihm erstlich zu seiner glücklichen Zurückkunft gratulierte, anbei aufs wehmütigste und inständigste bat, ihr nur eine einzige Visite zu geben, widrigenfalls