harte Verfahren sinken zu lassen und ihr ihre volle Freiheit zu gönnen.
Ich hätte vor heimlichen Gelächter immer platzen mögen, und es ist leicht zu gedenken, wie sich mein Herr gebärdet hat, da ich ihm alles dieses wiedererzählete. Damit ich aber mich bei dieser geschichte nicht über die Gebühr aufhalte, so will nur noch kürzlich melden, dass unsere Frau Wirtin täglich geputzt mit zu Tische kam. Bald liess sie mein Herr zu sich auf sein Zimmer bitten, da sie sich denn sogleich einfand, bald liess er sich bei ihr melden und blieb gemeiniglich bis zehn Uhr des Nachts bei ihr, denn Oegneck ging fast alle Tage aus, entweder zu seinen Patienten oder in eine Spielcompagnie. Solchergestalt verging fast kein Tag, da mein Herr, wie er mir offenherzig gestund, seine Wollust mit Bellianen nicht in grösster Vollkommenheit und auf allerlei Art und Weise gepfleget, denn es war diese Frau in Wahrheit ein wunderschönes Bild, weswegen mein Herr sich auch kein Geld dauren liess und binnen neun Monaten, denn so lange sind wir in Oegnecks haus gewesen, beinahe 1000 Reichstaler, meiner Rechnung nach, verschwendet hatte. Oegneck inzwischen war aus einem der allereifersüchtigsten Italiäner ein ganz anderer Mensch worden; über alles Vorgemeldte erlaubte er meinem Herrn von freien Stücken, dass er mit Bellianen spazierengehen und fahren durfte, wohin er wollte, ja ich glaube, er wäre nicht jaloux worden, wenn er auch gleich beide in einem Bette beisammen angetroffen hätte.
Endlich aber, da die Zeit immer näher heranrückte, dass Belliana sich nach dem Kindbette umzusehen Ursache hatte, begonnte bei meinem Herrn die Liebe gegen sie zu erkalten, zumalen da ihm eine andere Venus in die Augen gefallen war. Er gab demnach vor, dass er Briefe aus Deutschland bekommen hätte und seine Heimreise antreten wollte, nahm deswegen, nachdem er den Herrn von Oegneck und dessen Liebste wohl kontentiert, jedoch auf zweideutige Art, von beiden Abschied und reisete wirklich mit Sack und Pack fort, jedoch nicht weiter [als] bis nach C.
Wollte Gott, er wäre wirklich nach haus gereiset, so lebte er vielleicht noch, so aber war dieses seine Meinung noch im geringsten nicht. In C. wollte es ihm auch nicht gefallen, deswegen blieb er nicht länger als einen monat daselbst, sondern kehrete wieder nach N. zurück, wo er die vorigen Compagnien wieder aufsuchte, um den Herrn von Oegneck und dessen Frau aber sich gar nichts mehr bekümmerte, an deren Statt aber eine Dame von vornehmen stand aufs eifrigste bedienete und sich vielen Gefährlichkeiten exponierte. Allein da wir noch nicht einmal zwei volle Monate aufs neue in N. gewesen, wurde mein guter Herr eines Morgens früh auf der freien Strasse mit sechs Dolchstichen ermordet und aller seiner bei sich habenden Kostbarkeiten beraubt gefunden. Ich selbsten glaubte anfänglich nicht anders, als dass ihn die Banditen dieserwegen ermordet, indem er jederzeit eine starke Goldbeurse, goldene Tabatière, goldene Uhr, kostbare Ringe und dergleichen bei sich führte; allein wenige Tage hernach erfuhr ich zu meiner allergrössten Bestürzung, dass Oegneck seine Frau und Kind mit Gifte hingerichtet, sich mit seinen besten Sachen unsichtbar gemacht und einen Brief zurückgelassen hätte, worin er gemeldet, dass, weil ihn mein Herr auf eine so verzweifelt listige Art hintergangen und zum Hahnrei gemacht, sich dessen noch dazu gegen verschiedene Offiziers und Kavaliers berühmt, die ganze Geschicht von Anfang bis zu Ende erzählet und also ihn, den Oegneck, zum Spott aller Leute gemacht, als habe er seine Rache dergestalt ausgeübt, dass er meinen Herrn mit Beihülfe zwei[er] Banditen nachts auf der Strasse ermordet, seiner Frauen, nachdem er ihr ein starkes Gift beigebracht, eröffnet, dass er sich auf solcher Art seines Schwagers entlediget und dass sie ihn vor Verlauf einer Stunde ins Reich der Toten nachfolgen würde. Hierauf habe er auch dem Hurenkinde, wie er solches in seinem Briefe genennet, etliche Löffel voll mit starken Gifte vermischte Milch eingeflösset und sich aus dem Staube gemacht. Auf solche Art mussten diese Unglückseligen ihr Leben jämmerlich einbüssen, mein Herr aber hätte solches alles verhüten können, wenn er nur nicht die Torheit begangen hätte, sich mit dieser Geschicht breit zu machen, denn er konnte ja leicht voraussehen, dass es immer einer dem andern wiedererzählen würde, wusste auch mehr als zu wohl, was die Welschen sonderlich in diesem Punkte vor rachgierige Leute sind, oder wenigstens hätte er diese sonderbaren Streiche so lange verschweigen sollen, als er sich in N. aufzuhalten Lust gehabt.
Ich meines Orts trauete dem Landfrieden daselbst gar nicht länger, sondern sobald ein kaiserl. Minister, der sich daselbst aufhält, meines Herrn Mobilien in seine Verwahrung genommen, ich auch noch ein ziemlich Stück Geld herausbekommen, reisete ich mit der geschwindesten Post auf und darvon und bin endlich bis an diesen Ort gekommen. Ich hätte, weil ich in diesen Landen ziemlich bekannt, bei verschiedenen deutschen Herrn in Dienste gelangen können, allein ich habe einen rechten Abscheu vor diesem land, suche deswegen nur einen Herrn, der nach Deutschland zurückzugehen gesonnen, da ich auch wenig oder gar nichts von ihm bekommen sollte, so wäre ich dennoch zufrieden, wenn ich nur in dessen Suite mit auf den deutschen Boden kommen könnte, wo ich schon anderweitige Dienste zu erlangen verhoffe, indem mir jetzt gedachter kaiserl. Minister ein gutes Attestat unter seiner eigenen Hand gegeben hat."
Hiermit endigte der Kammerdiener seine Erzählung, Elbenstein aber sagte: "Mein Freund, ich bin sehr obligiert vor seine Bemühung in Referierung dessen, was sich