wurden. Nachdem wir, auf ihr hefftiges Bitten, die Abend-Mahlzeit bei ihnen eingenommen, führte uns der ehrwürdige Pfarrer auf seine Studier-stube, und hörete nicht allein die in vergangener Nacht vorgefallene Mord-Geschicht mit Erstaunen an, sondern entsetzte sich noch mehr, da wir ihm das auf wunderbare Weise erhaltene Kirchen-Geschmeide und Geräte aufzeigeten, denn er erkannte sogleich an gewissen Zeichnungen, dass es unfehlbar aus der Kirche einer etwa 3 Meilen von seinem Dorffe liegenden Stadt sein müsse, und hofte, dessfalls sichere Nachricht von einem vornehmen Beamten selbiger Stadt zu erhalten, welcher Morgendes Tages unfehlbar zu ihm kommen und mit einer seiner Töchter Verlöbniss halten würde.
Schimmer fragte ihn hierauff, ob wir als ehrliche Leute genug täten, wenn wir alle diese Sachen seiner Verwahrung und sorge überliessen, selbige wiederum an gehörigen Ort zu liefern, uns aber, da wir uns nicht gern in fernere Weitläufftigkeiten verwickelt sähen, auf die weitere Reise machten. Der Priester besonne sich ein wenig, und sagte endlich: Was massen er derjenig nicht sei, der uns etwa Verdriesslichkeiten in den Weg zu legen oder gar aufzuhalten gesonnen, sondern uns vielmehr auf mögliche Art fortelffen, und die Kirchen-Güter so bald es tunlich, wieder an ihren gehörigen Ort bringen wolte. Allein meine Herrn, setzte er hinzu, da euch allen beiden die Redlichkeit aus den Augen leuchtet, eure Begebenheit sehr wichtig, und die Auslieferung solcher kostbaren Sachen höchst rühmlich und merckwürdig ist; warum lasset ihr euch einen kleinen Auffentalt oder wenige Versäumniss abschrecken, GOTT zu Ehren und der Weltlichen Obrigkeit zum Vergnügen, diese geschichte öffentlich kund zu machen? Schimmer versetzte hierauff: Mein Ehrwürdiger Herr! ich nehme mir kein Bedencken, euch mein ganzes Herz zu offenbaren. Wisset demnach, dass ich aus der Lippischen Grafschafft gebürtig bin, und vor etlichen Jahren auf der berühmten Universität Jena dem studieren obgelegen habe, im Jahr 1655. aber hatte das Unglück, an einem nicht gar zu weit von hier liegenden Fürstlichen hof, wo ich etwas zu suchen hatte, mit einem jungen Cavalier in Händel zu geraten, und denselben im ordentlichen Duell zu erlegen, weswegen ich flüchtig werden, und endlich unter Kayserlichen krieges-Völckern mit Gewalt Dienste nehmen muste. Weil mich nun dabei wohl hielt, und über dieses ein ziemlich Stück Geld anzuwenden hatte, gab mir mein Obrister gleich im andern Jahre den besten Unter-Officiers Platz, nebst der Hoffnung, dass, wenn ich fortführe mich wohl zu halten, mir mit ehesten eine Fahne in die Hand gegeben werden sollte. Allein vor etwa 4. Monaten, da wir in Oesterreichischen Landen die Winter-Quartiere genossen, machte mich mein Obrister über alles vermuten zum Lieutenant bei seiner Leib-Compagnie, welches plötzliche Verfahren mir den bittersten Hass aller andern, denen ich solchergestalt vorgezogen worden, über den Hals zohe, und da zumalen ein Luteraner bin, so wurde zum öfftern hinter dem rücken vor einen verfluchten Ketzer gescholten, der des Obristen Hertz unfehlbar bezaubert hätte. Mitin verschworen sich etliche, mir bei ehester gelegenheit das Lebens-Licht auszublasen, wolten auch solches einesmahls, da ich in ihre Gesellschafft geriet, zu Wercke richten, allein das Blat wendete sich, indem ich noch bei zeiten mein Seiten-Gewehr ergriff, zwei darnieder stiess, 3. sehr stark verwundete, und nachher ebenfalls sehr verwundete in Arrest kam.
Es wurde mir viel von harquibousieren vorgeschwatzt, deswegen stellte mich, ungeachtet meine Wunden bei nahe gänzlich curieret waren, dennoch immer sehr kranck an, biss ich endlich des Nachts gelegenheit nahm zu entfliehen, meine Kleider bei Regensburg mit einem armen Studioso zu verwechseln, und unter dessen schwarzer Kleidung in ärmlicher Gestalt glücklich durch, und biss in diejenige MordGrube des Türinger Waldes zu kommen, wo ich diesen jungen Engelländer aus seiner Mörder-Händen befreien zu helffen das Gluck hatte. Sehet also mein werter Herr, verfolgte Schimmer seine Rede, bei dergleichen Umständen will es sich nicht wohl tun lassen, dass ich mich um hiesige Gegend lange aufhalte, oder meinen Nahmen kund mache, weil ich gar leicht, den vor 5. Jahren erzürneten Fürsten, der seinen erstochenen Cavalier wohl noch nicht vergessen hat, in die hände fallen könnte. In Detmold aber, wo meine Eltern sein, will ich mich finden lassen, und bemühet leben meine Sachen an erwehnten Fürstlichen hof auszumachen.
Habt ihr sonsten keine Furcht versetzte hierauff der Priester, so will ich euch bei GOTT versichern, dass ihr um diese Gegend vor dergleichen Gefahr so sicher leben könnet, als in eurem vaterland. Da er auch über dieses versprach, mit seinem zukünfftigen Schwieger-Sohne alles zu unsern weit grösseren Vorteil und Nutzen einzurichten, beschlossen wir, uns diesem redlichen mann völlig anzuvertrauen, die 600. spec. dukaten aber, biss auf fernern Bescheid, zu verschweigen, als welche ich nebst der im Streit eroberten Geld-Katze, in welcher sich vor fast drittalb hundert teutscher Taler Silber-Müntze befand, in meine Reit-Taschen verbarg, und Schimmern versprach, so wohl eins als das andre, redlich mit ihm zu teilen.
Mittlerweile schrieb der Priester die ganze Begebenheit an seinen zukünfftigen Eidam, und schickte noch selbige Nacht einen reitenden Boten zu selbigem in die Stadt, von wannen denn der hurtige und redliche Beamte folgenden Morgen bei guter Zeit ankam, und die Kirchen-Güter, welche nur erstlich vor drei Tagen aus dasiger Stadt-Kirchen gestohlen worden, mit grössten Freuden in Empfang nahm. Schimmer und ich