angefüllten Katze voll Geld, über den Kopf schlug, so dass mir fast hören und sehen vergangen wäre, da aber diese Amazonin durch einen gewaltigen Hieb über den Kopff in Ohnmacht gebracht, hatte ich Zeit genug, mich ihres kostbaren Gewehrs zu bemächtigen, und selbiges in meinem Busen zu verbergen.
Mittlerweile da Schimmer, mit dem von mir geforderten Kraut und Lot, die Pistolen aufs neue pfefferte, kam der Wirt mit noch zwei Handfesten Kerln hertzu, und fragte: Was es gäbe? Schimmer antwortete: Es gibt allhier Schelme und Spitzbuben zu ermorden, und derjenige so die geringste miene macht uns anzugreiffen, soll ihnen im tod Gesellschafft leisten. Demnach stelleten sich der Wirt nebst seinen Beiständen, als die ehrlichsten Leute von der Welt, schlugen die hände zusammen und schryen: O welch ein Anblick? Was hat uns das Unglück heute vor Gäste zugeführet? Allein Schimmer stellte sich als ein anderer Hercules an, und befahl, dass der Wirt sogleich mein Pferd gesattelt hervor führen sollte, mittlerweile sich seine zwei Beistände als ein paar Hunde vor der Stuben-Tür niederlegen mussten. Wir beide kleideten uns inzwischen völlig an, liessen mein Pferd heraus führen, die Tür eröffnen, und durch den Wirt den Mantel-Sack aufbinden, reiseten also noch vor Tages Anbruch hinweg, und bedachten hernach erstlich, dass der Wirt vor grosser Angst nicht ein mahl die Zehrungs-Kosten gefordert hatte, vor welche ihm allen Ansehen nach 3. oder 4. tote, und 6. sehr Verwundete hinterlassen waren.
Wir leiteten das Pferd hinter uns her, und folgeten Schritt vor Schritt, ohne ein Wort miteinander zu reden, dem gebähnten Wege, auch unwissend, wo uns selbiger hinführete, biss endlich der helle Tag anbrach, der mir dieses mal mehr als sonsten, mit ganz besonderer Schätzbarkeit in die Augen leuchtete. Doch da ich mein Pferd betrachtete, befand sich's, dass mir der Wirt, statt meines blauen Mantel-Sacks, einen grünen aufgebunden hatte. Ich gab solches dem redlichen Schimmer, mit dem ich auf dem Wege in Erwegung unserer beiderseits Bestürzung noch kein Wort gesprochen hatte, so gut zu verstehen, als mir die Lateinische Sprache aus dem mund fliessen wolte, und dieser war so neugierig als ich, zu wissen, was wir vor Raritäten darinnen antreffen würden. deswegen führeten wir das Pferd seitwärts ins Gebüsche, packten den Mantel-Sack ab, und fanden darinnen 5. verguldete silberne Kelche, 2. silberne Oblaten-Schachteln, vielerlei Beschläge so von Büchern abgebrochen war, nebst andern kostbarn und mit Perlen gestickten Kirchen-Ornaten, ganz zuletzt aber kam uns in einem Bündel zusammen gewickelter schwartzer Wäsche, ein lederner Beutel in die hände, worin sich 600. Stück species dukaten befanden.
Schimmern überfiel bei diesem Funde so wohl als mich, ein grausamer Schrecken, so dass der AngstSchweiss über unsere Gesichter lieff, und wir beiderseits nicht wusten was mit diesen mobilien anzufangen sei. Endlich da wir einander lange genug angesehen, sagte mein Gefährte: Wehrter Frembdling, ich mercke aus allen Umständen dass ihr so ein redliches Hertze im leib habt als ich, deswegen wollen wir gelegenheit suchen, die, zu GOttes Ehre geweiheten Sachen und Heiligtümer, von uns ab- und an einen solchen Ort zu schaffen, von wannen sie wiederum an ihre Eigentümer geliefert werden können, denn diejenigen, welche vergangene Nacht von uns getödtet und verwundet worden, sind unfehlbar KirchenDiebe gewesen. Was aber diese 600 spec. dukaten anbelanget, so halte darvor dass wir dieselben zur recreation vor unsere ausgestandene Gefahr und Mühe wohl behalten können. Saget, sprach er, mir deswegen euer Gutachten.
Ich gab zu verstehen dass meine gedanken mit den Seinigen vollkommen überein stimmeten, also packten wir wiederum auf, und setzten unsern Weg so eilig, als es möglich war, weiter fort, da mir denn Schimmer unterweges sagte: Ich sollte mich nur um nichts bekümmern, denn weil ich ohne dem der deutschen Sprache unkundig wäre, wolte er schon alles so einzurichten trachten, dass wir ohne fernere Weitläufigkeit und Gefahr weit genug fortkommen könnten, wohin es uns beliebte.
Es kam uns zwar überaus Beschwerlich vor den ganzen Tag durch den fürchterlichen Wald, und zwar ohne Speise und Tranck zu reisen, jedoch endlich mit Untergang der Sonnen erreichten wir einen ziemlich grossen Flecken, wo Schimmer sogleich nach des Priesters wohnung fragte, und nebst mir, vor derselben halten blieb.
Der Ehrwürdige, etwa 60. jährige Priester kam gar bald vor die Tür, welchen Schimmer in Lateinischer Sprache ohngefehr also anredete: Mein Herr! Es möchte uns vielleicht vor eine Unhöfflichkeit ausgelegt werden, bei euch um ein Nacht-Quartier zu bitten, indem wir als ganz frembde Leute in das ordentliche Wirtshaus gehören, allein es zwinget uns eine ganz besondere Begebenheit, in Betrachtung eures heiligen Amts, bei euch Rat und Hülffe zu suchen. deswegen schlaget uns keins von beiden ab, und glaubet gewiss, dass in uns beiden keine Bossheit, sondern zwei redliche herzen befindlich. Habt ihr aber dieser Versicherung ungeachtet ein Misstrauen, welches man euch in Erwegung der vielen herum schweiffenden Mörder, Spitzbuben und Diebe zu gute halten muss, so brauchet zwar alle erdenckliche Vorsicht, lasset euch aber immittelst erbitten unser geheimnis anzuhören.
Der gute ehrliche Geistliche machte nicht die geringste Einwendung, sondern befahl unser Pferd in den Stall zu führen, uns selbst aber nötigte er sehr treuhertzig in seine stube, wo wir von seiner Haussfrau, und bereits erwachsenen Kindern, wohl empfangen