Not leiden, sondern mich so gut und besser als andere Ober-Officiers aufführen konte. Immittelst verzögerte sich aber die Wiedereinsetzung in meine Güter dermassen, biss Cromwell endlich darüber verstarb, sein wunderlicher Sohn Richard verworffen, und der neue König, Carl der andere, wiederum ins Land geruffen wurde. Bei welcher gelegenheit sich meine Feinde aufs neue wider mich empöreten, und es dahin brachten, dass ich meine KriegsBedienung verliess, und mit 400. Pfund Sterl. baaren Gelde nach Holland überging, des festen Vorsatzes, mein, mir und meinen Vorfahren so widerwärtiges Vaterland nimmermehr wieder mit einem fuss zu betreten.
Ich hatte gleich mein zwanzigstes Jahr erreicht, da mich das Glücke nach Holland überbrachte, wo ich binnen einem halben Jahre viele schöne Städte besahe, doch in keiner derselben einen andern Trost vor mich fand, als mein künfftiges Glück oder Unglück auf der See zu suchen. Weil aber meine Sinnen hierzu noch keine vollkommene Lust hatten, so setzte meine Reise nach Teutschland fort, um selbiges als das Hertz von ganz Europa wohl zu betrachten. Mein Haupt-Absehen aber war entweder unter den Kayserl. oder Chur-Brandenburgl. Völckern krieges-Dienste zu suchen, jedoch zu meinem grössten Verdrusse wurde eben Friede, und mir zu gefallen wolte keinem einzigen wiederum Lust ankommen, Krieg anzufangen.
Inzwischen passirete mir auf dem Wege durch den beruffenen Türinger Wald, ein verzweiffelter Streich, denn als ich eines Abends von einem grausamen Donner-Wetter und Platz-Regen überfallen war, so sah mich bei hereinbrechender Nacht genötiget, vom Pferde abzusteigen und selbiges zu führen, biss endlich, da ich mich schon weit verirret und etwa gegen Mitternacht mit selbigen meine Ruhe unter einem grossen Eichbaume suchen wolte, der Schein eines von ferne brennenden Lichts, durch die Sträucher in meine Augen fiel, der mich bewegte meinen Gaul aufs neue zu beunruhigen, um dieses Licht zu erreichen. Nach verfliessung einer halben Stunde war ich ganz nahe dabei, und fand selbiges in einem haus, wo alles herrlich und in Freuden zuging, indem ich von aussen eine wunderlich schnarrende Music hörete, und durch das Fenster 5. oder 6. paar Menschen im Tantze erblickte. Mein vom vielen Regen ziemlich erkälteter Leib, sehnete sich nach einer warmen stube, deswegen pochte an, bat die heraus guckenden Leute um ein Nacht-Quartier, und wurde von ihnen aufs freundlichste empfangen. Der sich angebende Wirt führte mein Pferd in einen Stall, brachte meinen blauen Mantel-Sack in die stube, liess dieselbe warm machen, dass ich meine nassen Kleider trocknen möchte, und setzte mir einige, eben nicht unappetitliche speisen für, die mein hungeriger Magen mit gröster Begierde zu sich nahm. nachher hätte mich zwar gern mit drei anwesenden ansehnlichen Manns-Personen ins gespräche gegeben, da sie aber weder Engel- noch Holländisch, vielweniger mein weniges Latein verstehen konnten, und mit zerstückten Deutschen nicht zufrieden sein wolten, legte ich mich auf die Streu nieder, und zwar an die Seite eines Menschen, welchen der Wirt vor einen bettlenden Studenten ausgab, blieb auch bei ihm liegen, ungeachtet mir der gute Wirt nachher unter dem Vorwande, dass ich allhier voller Ungeziefer werden würde, eine andere Stelle anwiese.
Ich hatte die Torheit begangen, verschiedene Gold-Stücke aus meinem Beutel sehen zu lassen, jedoch selbige nachher so wohl als mein übriges Geld um den Leib herum wohl verwahret, meinen MantelSack unter den Kopf, Pistolen und Degen aber neben mich gelegt. Allein dergleichen Vorsicht war in so weit vergeblich, da ich in einen solch tiefen Schlaf verfalle, der, wo es GOTT nicht sonderlich verhütet, mich in den Todes-Schlaf versenckt hätte. Denn kaum zwei Stunden nach meinem niederliegen, machten die drei ansehnlichen Manns-Personen, welches in der Tat Spitzbuben waren, einen Anschlag auf mein Leben, hätten mich auch mit leichter Mühe ermorden können, wenn nicht der ehrliche neben mir liegende studiosus, welches der nunmehr seelige Simon Heinrich Schimmer war, im verstellten Schlafe alles angehöret, und mich errettet hätte.
Die Mörder nehmen vorher einen kurtzen Abtritt aus der stube, deswegen wendet Schimmer allen Fleiss an, mich zu ermuntern, da aber solches unmöglich ist, nimmt er meine zum Häupten liegenden Pistolen und Degen unter seinen Rock, welcher ihm zur Decke dienete, vermerkt aber bald, dass alle drei wieder zurück kommen, und dass einer mit einem grossen Messer in der Hand, mir die Kehle abzuschneiden, miene macht.
Es haben sich kaum ihrer zwei auf die Knie gesetzt, einer nämlich, mir den tödlichen Schnitt zu geben, der andere aber Schimmers-Bewegung in acht zu nehmen, als dieser Letztere plötzlich aufspringet, und fast in einem tempo alle beide zugleich darnieder schiesset, weil er noch vor meinem niederliegen wahr genommen, dass ich die Pistolen ausgezogen und jede mit 2. Kugeln frisch geladen hatte. Indem ich durch diesen gedoppelten Knall plötzlich auffuhr, erblickte ich, dass der dritte Haupt-Spitz-Bube von Schimmern mit dem Degen darnieder gestochen wurde. Dem ungeachtet hatten sich noch 3. Mannes- und 4. Weibs-Personen vom Lager erhoben, welche uns mit Höltzernen Gewehren darnieder zuschlagen vermeineten, allein da ich unter Schimmers Rocke meinen Degen fand und zum zug kam, wurde in kurtzen reine Arbeit gemacht, so, dass diese 7. Personen elendiglich zugerichtet, auf ihr voriges Lager niederfallen mussten. Am lächerlichsten war dieses bei dem ganzen Streite, dass mich eine Weibs-person, mit einer ziemlich stark