, diese Erbarmens-würdigen StandesPersonen mit verdammen zu helffen, ungeachtet ihre Vorfahren seit hundert Jahren her meines Geschlechts tot-Feinde gewesen sind.
Mit allen diesen Vorstellungen aber konte der ehrliche Eduard nichts mehr ausrichten, als dass meinen Eltern alle ihre verarrestirten Sachen wiedergegeben, und sie in einer, ihrem stand nach, leidlichern Verwahrung gehalten wurden, weil der Ober-Richter zu vernehmen gab, dass er sie, seiner Pflicht gemäss, nicht eher völlig loss geben könne, biss er die ganze Sache nach Londen berichtet, und von da her Befehl empfangen hätte, was er mit ihnen machen sollte. Hiermit mussten wir vor dieses mahl alle zu frieden sein, ich wurde von ihnen viele hundert mahl geküsset, und muste mit meinem gütigen Pflege-Vater wieder auf sein Schloss reisen, der mich von nun an so wohl als seine leiblichen Kinder zu verpflegen Anstalt machte, auch meine Eltern mit hundert Pfund Sterlings, ingleichen mit allerhand Standes-mässigen Kleidern und andern Sachen beschenckte.
Allein, das Unglück war noch lange nicht ermüdet, meine armen Eltern zu verfolgen, denn nach etlichen Wochen lieff bei dem Ober-Richter ein Königlicher Befehl ein, welcher also lautete: Dass ungeachtet wider meine Eltern nichts erhebliches vorhanden wäre, welches sie des Verbrechens ihrer Verwandten, mitschuldig erklären könne, so sollten sie dem ungeachtet, verschiedener Mutmassungen wegen, in das staates-gefängnis nach London geliefert werden.
Diesemnach wurden dieselben unvermutet dahin geschafft, und mussten im Tour, obgleich als höchstunschuldig befundene, dennoch ihren Feinden zu Liebe, die ihre Güter unter sich geteilet, so lange schwitzen, biss sie etliche Monate nach des Königs Entauptung, ihre Freiheit nebst der Hoffnung zu ihren Erb-Gütern, wieder bekamen; allein der Gram und Kummer hatte seit etlichen Jahren beide dermassen entkräfftet, dass sie sich in ihren besten Jahren fast zugleich aufs Krancken-Bette legten, und binnen 3. Tagen einander im tod folgeten.
Ich hatte vor dem mir höchst-schmerzlichen Abschiede noch das Glück, den Väterlichen und Mütterlichen letzten Seegen zu empfangen, ihnen die Augen zuzudrücken, anbei ein Erbe ihres ganzen Vermögens, das sich etwa auf 150. Pfund Sterl. nebst einem grossen Sacke voll Hoffnung belieff, zu werden.
Eduard liess meine Eltern Standes-mässig zur Erden bestatten, und nahm sich nachher meiner als ein getreuer Vater an, allein, ich weiss nicht, weswegen er hernach im Jahre 1653. mit dem Protector Cromwel zerfiel, weswegen er ermordet, und sein Weib und Kinder in ebenso elenden Zustand gesetzt wurden, als der meinige war.
Mit diesem Pfeiler fiel das ganze Gebäude meiner Hoffnung, wiederum in den Stand meiner Vor-Eltern zu kommen, gänzlich darnieder, weil ich als ein 13. Knabe keinen eintzigen Freund zu suchen wuste, der sich meiner mit Nachdruck annehmen möchte. deswegen begab ich mich zu einem Kauffmanne, welchen Eduard meinetwegen 200. Pfund Sterlings auf Wucher gegeben hatte, und verzehrete bei ihm das Interesse. Dieser wolte mich zwar zu seiner Handtierung bereden, weil ich aber durchaus keine Lust dazu hatte, hergegen entweder ein Gelehrter oder ein Soldat werden wolte, muste er mich einem guten Meister der Sprachen übergeben, bei dem ich mich dergestalt angriff, dass ich binnen Jahres Frist mehr gefasset, als andere, die mich an Jahren weit übertraffen.
Eines Tages, da ich auf denjenigen Platz spatzieren ging, wo ein neues Regiment Soldaten gemustert werden sollte, fiel mir ein Mann in die Augen, der von allen andern Menschen sonderbar respectieret wurde. Ich fragte einen bei mir stehenden alten Mann: Wer dieser Herr sei? und bekam zur Antwort: Dass dieses derjenige Mann sei, welcher der ganzen Nation Freiheit und Glückseeligkeit wieder hergestellet hätte, der auch einem jeden Unterdrückten sein rechtes Recht verschaffte. Wie heisst er mit Nahmen? war meine weitere Frage, worauf mir der Alte zur Antwort gab: Er heisst Oliverius Cromwell, und ist nunmehr des ganzen Landes Protector.
Ich stunde eine kleine Weile in gedanken, und fragte meinen Alten nochmals: sollte denn dieser Oliverius Cromwell im Ernste so ein redlicher Mann sein?
Indem kehrete sich Cromwell selbst gegen mich, und sah mir starr unter die Augen. Ich sah ihn nicht weniger starr an, und brach plötzlich mit unerschrokkenem Mute in folgende Worte aus: Mein Herr, verzeihet mir! ich höre, dass ihr derjenige Mann sein sollet, der einem jeden, er sei auch wer er sei, sein rechtes Recht verschaffe, deswegen liegt es nur an euch, dieserwegen eine probe an mir abzulegen, weil schwerlich ein geborner vornehmer Engelländer härter und unschuldiger gedrückt ist als eben ich.
Cromwell liess seine Bestürzung über meine Freimütigkeit deutlich genug spüren, fassete aber meine Hand, und führte mich abseits, wo er meinen Nahmen, Stand und Not auf einmal in kurtzen Worten erfuhr. Er sagte weiter nichts dazu, als dieses: Habt kurze Zeit Gedult, mein Sohn! ich werde nicht ruhen, biss euch geholffen ist, und damit ihr glaubet, dass es mein rechter Ernst sei, will ich euch gleich auf der Stelle ein Zeichen davon geben. Hiermit führte er mich mitten unter einen Troupp Soldaten, nahm einem Fähndrich die Fahne aus der Hand, übergab selbige an mich, machte also auf der Stätte aus mir einen Fähndrich, und aus dem vorigen einen Lieutenant.
Mein Monatlicher Sold belieff sich zwar nicht höher als auf 8. Pfund Sterlings, doch Cromwells Freigebigkeit brachte mir desto mehr ein, so, dass nicht allein keine