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so viel, dass sich die streitigen Parteien des Schiffes auf gewisse Puncte ziemlich wieder vereinigten, um den gemeinschafftlichen Feinden desto bessern Widerstand zu tun, worunter aber der Haupt-Punkt war, dass man uns 3. Frauenzimmer nicht im geringsten kräncken, sondern mit geziemenden Respect alle selbst beliebige Freiheit lassen sollte. Demnach lebten wir in einigen Stücken ziemlich vergnügt, kamen aber mit keinem fuss an Land, ungeachtet schon 3. mal unterwegs frisch wasser und Victualien von den herum liegenden Insuln eingenommen worden. Gallus und Alexander, die nach etlichen Wochen von ihren gefährlichen Wunden völlig hergestellet waren, scheuen sich uns unter Augen zu treten, William und Henry redeten ebenfalls so wenig, als ihre Huren mit uns, und kurz zu sagen: Es war eine recht wunderliche Wirtschafft auf diesem Schiffe, biss uns ein Ætiopischer See-Räuber dermassen nahe kam, dass sich die Unserigen genötiget sahen, mit möglichster Tapferkeit entgegen zu gehen.

Es entstunde daher ein heftiges Treffen, worin endlich gegen Abend der Mohr überwunden wurde, und sich mit allen, auf seinem Raub-Schiffe befindlichen, zur Beute übergeben muste. Hierbei wurden 13. Christen-Sclaven in Freiheit, hergegen 29. Mohren in unsere Sclaverei gebracht, anbei verschiedene kostbare Waaren und Kleinodien unter die Siegenden verteilet, welche nicht mehr als 5. tote und etwa 12. oder 16. Verwundete zehleten. nachher entstund ein grosser Streit, ob das eroberte Schiff versenckt, oder beibehalten werden sollte. Gallus und sein Anhang verlangten das Versencken, Schimmer aber setzte sich mit seiner Partei dermassen stark darwider, biss er in so weit durchdrunge, dass alles Volk auf die zwei Schiffe ordentlich geteilet wurde. Also kam Schimmer mit seinem Anhange, worunter auch ich, Philippine und Sabina begriffen waren, auf das Mohrische Schiff, konte aber dennoch nicht verwehren, dass Gallus und Alexander auf selbigem das Commando überkamen, dahingegen William und Henry nebst ihren Schand-Metzen auf dem ersten Schiffe blieben, und aus besonderer Güte eine erbeutete Schand-Hure, die zwar dem gesicht nach eine weisse Christin, aber ihrer Aufführung nach ein von allen Sünden geschwärztes Luder war, an Alexandern und Gallus zur Notelfferin überliessen. Dieser Schand Balg, deren Geilheit unaussprechlich, und die, so wohl mit dem einem als dem andern, das verfluchteste Leben führte, ist nebst uns noch biss hieher auf diese Insul gekommen, doch aber gleich in den ersten Tagen verreckt.

Jedoch behöriger Ordnung wegen, muss in meiner Erzehlung melden, dass damahls unsere beiden Schiffe ihren Lauff eiffrigst nach dem Vorgebürge der guten Hoffnung richteten, aber durch einen lange anhaltenden Sturm davon abgetrieben wurden. Das Middelburgische Schiff verlohr sich von dem Unsern, kam aber am fünfften Tage unverhofft wieder zu uns, und zwar bei solcher Zeit, da es schiene, als ob alles Ungewitter vorbei wäre, und das schönste Wetter zum Vorscheine kommen wolte. Wir ruderten ihm mit möglichsten Kräfften entgegen, weil unsern Commandeurs, die, nebst ihren wenigen Getreuen, wenig oder gar nichts von der künstlichen Seefahrt verstunden, an dessen Gesellschafft nur allzu viel gelegen war. Allein, nach meinen gedanken hatte die AllmachtsHand des Allerhöchsten dieses Schiff keiner andern Ursache wegen wieder so nahe zu uns geführt, als, uns allen an demselben ein Zeichen seiner strengen Gerechtigkeit sehen zu lassen, denn wir waren kaum noch eines Büchsen-Schusses weit von einander, als es mit einem entsetzlichen Krachen plötzlich zerschmetterte, und teils in die Lufft gesprengt, teils Stück- weise auf dem wasser aus einander getrieben wurde, so, dass hiervon auch unser Schiff sich grausamer Weise erschütterte, und mit Pfeil-mässiger Geschwindigkeit eines kanonen-Schusses weit zurück geschleudert wurde. Dennoch richteten wir unsern Weg wieder nach der unglückseeligen Stelle, um vielleicht noch einige im Meere zapplende Menschen zu erretten, allein, es war hieselbst keine lebendige Seele, auch sonsten nichts als noch einige zerstückte Balcken und Breter anzutreffen.

Was dieser unverhoffte Streich in unsern und der übrigen Gesellschafft Gemütern vor verschiedene Bewegungen mag verursachet haben, ist leichtlich zu erachten. Wir Schwestern beweineten nichts, als unsers in seinen Sünden hingerafften Bruders arme Seele, erkühneten uns aber nicht, über die Straff-Gerichte des Allerhöchsten Beschwerde zu führen. Wie Alexandern und Gallus zu Mute war, liess sich leichtlich schliessen, indem sie von selbigem Tage an keine fröliche Miene mehr machen, auch sich um nichts bekümmern konnten, sondern das Commando an Mons. Schimmern gutwillig überliessen, der, gegen den nochmahls entstehenden Sturm, die besten und klügsten Verfassungen machte. Selbiger hielt abermals biss auf den 6ten Tag, und hatte alle unsere Leute dermassen abgemattet, dass sie wie die Fliegen dahin fielen, und nach gehaltener Ruhe im Essen und Trincken die verlohrnen Kräffte wieder suchten, ob schon kein eintziger eigentlich wissen konte, um welche Gegend der Welt wir uns befänden.

Fünff Wochen lieffen wir also in der Irre herum, und hatten binnen der Zeit nicht allein viele Beschädigungen an Schiffe erlitten, sondern auch alle Ancker, Mast und besten Seegel verlohren, und zum allergrösten Unglücke ging mit der 6ten Woche nicht allein das süsse wasser, sondern auch fast aller Proviant zum Ende, doch hatte der ehrliche Schimmer die Vorsicht gebraucht, in unsere kammer nach und nach heimlich so viel einzutragen, worvon wir und seine Freunde noch einige Wochen länger als die andern gut zu leben hatten; dahingegen Alexander, Gallus und andere allbereit anfangen mussten, Leder und andere noch eckelere Sachen zu ihrer Speise zu suchen.

Endlich mochte ein schändlicher Bube unsere liebe