wurden.
Philippine und ich erstauneten über dergleichen
Anblick, wusten aber noch nicht, ob es ein Schertz heissen sollte, oder ob wir im Ernst verraten oder verkaufft wären. Jedennoch verliessen wir die unkeusche Gesellschafft, rufften Gegenwärtige meine Schwägerin, des edlen Stephani noch itzige Ehe-Gemahlin, damahls aber, als unsere getreue Dienerin herbei, und setzten uns, in lauter verwirrten gedanken, bei einer auf dem Oberlof des schiffes brennend stehenden Laterne nieder.
Der verfluchte Wohltäter, nämlich unser vermeintlicher Wirt, welcher sich als ein Vieh besoffen hatte, kam hinauff und sagte mit stammlender Zunge: Sorget nicht ihr schönen Kinder! ehe es noch einmal Nacht wird, werdet ihr in euren Braut-Bette liegen. Wir wolten weiter mit ihm reden; Allein das überflüssig eingeschlungene Geträncke suchte seinen Aussgang bei ihm überall, auf so gewaltsame Art, dass er auf einmal als ein Ochse darnieder stürtzte, und uns, den grässlichen Gestank zu vermeiden, eine andere Stelle zu suchen zwunge.
Philippine und ich waren bei dergleichen schändlichen spectacul fast ausser Sinnen gekommen, und fielen in noch stärckere Verzweiffelung, als gegenwärtige unsere getreue Sabina plötzlich in die hände schlug, und mit ängstlichen Seuffzen schrye: Ach meine liebsten Jungfrauen! Wir sind, allem Ansehen nach, schändlich verraten und verkaufft, werden auch ohne ein besonderes Wunderwerk des himmels, weder eure Eltern, noch die Stadt Middelburg jemals wieder zu sehen kriegen. deswegen lasset uns nur den festen Entschluss fassen, lieber unser Leben, als die Keuschheit und Ehre zu verlieren. Auf ferneres Befragen gab sie zu verstehen; Dass ein ehrliebender auf diesem Schiffe befindlicher Reisender ihr mit wenig Worten so viel gesagt: Dass sie an unsern bevorstehenden Unglücke nicht den geringsten Zweifel tragen könne.
Wie gesagt, wir hätten solchergestalt verzweiffeln mögen, und mussten unter uns Dreien alle Mittel anwenden, der bevorstehenden Ohnmacht zu entgehen; als ein resoluter Teutscher, Nahmens Simon Heinrich Schimmer, Jacob Larson ein Schwede, und gegenwärtiger David Rawkin ein Engelländer, (welche alle drei nachher allhier meine werten Schwäger worden sind,) nebst noch 2. andern redlichen Leuten, zu unserm Troste bei uns erschienen. Schimmer führte das Wort in aller stille, und sagte: Glaubet sicherlich, schönsten Kinder, dass ihr durch eure eigenen Anverwandten und Liebhaber verraten worden. Zum Unglück haben ich und diese redlichen Leute solches jetzt erst vor einer Stunde von einem getreuen BootsKnechte erfahren, da wir schon sehr weit vom festen land entfernet sind, sonsten wolten wir euch gar bald in Freiheit gesetzt haben; Allein nunmehr ist es unmöglich, wir hätten denn das Glück uns in künfftigen Tagen einen stärckern Anhang zu verschaffen. sollte euch aber immittelst Gewalt angetan werden, so ruffet um Hülffe, und seid völlig versichert, dass zum wenigsten wir 5. wehrhafften Leute, ehe unser Leben dran setzen, als euch schänden lassen wollen.
Wir hatten kaum Zeit, drei Worte, zu bezeugung unserer erkänntlichen Danckbarkeit, gegen diese 5. vom Himmel zugesandten redlichen Leute, vorzubringen; als unser leichtfertiger Bruder, von de la Mark und Witt begleitet, herzu kamen, uns hinunter zu holen. Witt stolperte über den in seinem Unflat liegenden Wirt her, und balsamierte sich und seine Kleider so, dass er sich als eine Bestie hinweg schleppen lassen muste, William sank gleichfalls, da er die freie Lufft empfand, zu Boden, de la Mark aber war noch bei ziemlichen verstand, und brachte es durch viele scheinheilige Reden und Liebkosungen endlich dahin, daa Philippine, ich und unsere Sabina, uns endlich betäuben liessen, wieder hinunter in die Cajute zu steigen.
Aber, o welch ein schändlicher Spectacul fiel uns allhier in die Augen. Der saubere Frantzösische von Adel sass, zwischen den zweien verfluchten SchandHuren, Mutternackend vor dem Camine, und zwar in einer solchen ärgerlichen Stellung, dass wir mit lauten Geschrei zurück fuhren, und uns in einen besonderen Winckel mit verhülleten Angesichtern versteckten.
De la Mark kam hinter uns her, und wolte aus der Sache einen Schertz machen, allein Philippine sagte: Bleibet uns vom Halse ihr vermaledeiten Verräter, oder der erste, der uns angreifft, soll auf der Stelle mit dem Brod-Messer erstochen werden. Weiln nun de la Mark spürete, dass wenig zu tun sei, erwartete er so wohl, als wir, in einem andern Winckel des Tages. Dieser war kaum angebrochen, als wir uns in die Höhe machten und nach dem land umsahen, allein es wolte sich unsern begierigen Augen, ausser dem Schiffe, sonsten nichts zeigen, als wasser und Himmel. Die Sonne ging ungemein hell und klar auf, fand alle andern im festen schlafe liegen, uns drei Elenden aber in schmertzlichen Klagen und heissen Tränen, die wir anderer Menschen Bossheit wegen zu vergiessen ursache hatten.
Kaum hatten die vollen Sauen den Rausch ausgeschlafen, da die ganze ehrbare Zunfft zum Vorscheine kam, und uns, mit ihnen Caffee zu trinken nötigte. An statt des Morgen-Grusses aber, lasen wir unserm gottlosen Bruder ein solches Capitel, worüber einem etwas weniger ruchlosen Menschen hätten die Haare zu Berge stehen mögen. Doch dieser SchandFleck der natur verlachte unsern Eifer anfänglich, nahm aber hernach eine etwas ernstafftere miene an, und hielt folgende Rede: Lieben Schwestern, seid versichert, dass, ausser meiner Liebsten Margareta, mir auf der Welt niemand lieber ist als ihr, und meine drei besten Freunde, nämlich: Gallus, Alexander und Henry. Der erste, welcher dich Judit aufs allerheftigste liebt, ist zur gnüge