Gewogenheit wieder erlangen könnte, und euch zum wenigsten als ein Freund oder Bruder lieben dürfte, ob ihr gleich beiderseits mich zu lieben, und ich gleichfalls das Heiraten überhaupt verredet und verschworen. Es wird euch, sagte hierauff Philippine, mit solchen Bedingungen jederzeit erlaubt, uns zu lieben und zu küssen.
Auf dieses Wort unterstund sich van Witt die probe mit küssen zu machen, welches wir ihm als einen Schertz nicht verweigern konnten, nachher führte er sich aber bei allen Gelegenheiten desto bescheidener auf.
Eines Tages brachten de la Marck, und meine Brüder, nicht allein den Gallus de Witt, sondern auch einen unbekannten vornehmen See-Fahrer mit sich, der erst neulich von den Bantamischen und Moluccischen Insuln, in Middelburg angelanget war; und wie er sagte, ehester Tages wieder dahin seegeln wolte. Mein Vater hatte so wohl als wir andern alle, ein grosses Vergnügen, dessen wundersame Zufälle und den glückseeligen Zustand selbiger Insuln, die der Republic so Vorteilhafftig wären, anzuhören, schien sich auch kein Bedencken zu nehmen, mit der Zeit, einen von seinen Söhnen auf einem Schiffe dahin auszurüsten, worzu denn der Jüngere mehr Lust bezeigte, als der Aeltere. Damit er aber mit diesem erfahrnen See-mann in desto genauere Kundschafft kommen möchte, wurde derselbe in unserm haus 3. Tage nach einander aufs beste bewirtet. Nach deren Verlauff bat sich der See-Fahrer bei meinem Vater aus: derselbe möchte seinen vier Kindern erlauben, dass sie nebst Alexander de la Mark und Gallus van Witt, auf seinem Schiffe, selbiges zu besehen, einsprechen dürfften, wo er dieselben zur Danckbarkeit vor genossene Ehren-Bezeugung so gut als möglich bewirten, und mit einigen ausländischen geringen Sachen beschencken wolte.
Unsere Eltern liessen sich hierzu leichtlich bereden, also wurden wir gleich folgenden Tages um MittagsZeit, von unsern aufgeworffenen Wohltäter abgeholet und auf sein Schiff geführt, wiewohl mein jüngster Bruder, der sich vergangene Nacht etwas übel befunden hatte, zu haus bleiben muste. Auf diesem Schiffe fanden wir solche Zubereitungen, deren wir uns nimmermehr versehen hatten, denn die Segel waren alle vom schönsten seidenen Zeuge gemacht, und die Tauen mit vielerlei farbigen Bändern umwunden, Ruder und anderes Holzwerk gemahlet und verguldet, und das Schiff inwendig mit den schönsten Tapeten ausgeschlagen, wie denn auch die BootsLeute in solche Liberei gekleidet waren, dergleichen de la Mark und Witt ihren Bedienten zu geben pflegten. Ehe wir uns hierüber sattsam verwundern konnten, wurde die Gesellschafft durch Ankunfft noch zweier Damen, und eines wohlgekleideten jungen Menschen verstärkt, welchen mein Bruder William, auf geheimes Befragen, vor einen französischen jungen Edelmann Nahmens Henry de Frontignan, das eine Frauenzimmer aber, vor seine Schwester Margarite, und die andere vor dessen Liebste, Antonia de Beziers ausgab. Meine Schwester und ich hatten gar kein ursache, an unsers Bruders Bericht zu zweiffeln, liessen uns deswegen gar bald mit diesen schönen Damen ins gespräche ein, und fanden dieselben so wohl, als den vermeinten Frantzösischen Edelmann, von ganz besonderer Klugheit und Beredsamkeit.
Es war angestellet, dass wir auf dem Ober-Deck des schiffes in freier Lufft speisen sollten, da aber ein in Seeland nicht ungewöhnlicher Regen einfiel, muste dieses unter dem Verdeck geschehen. Mein Bruder tat den Vorschlag, was massen es uns allen zu weit grösseren Vergnügen gereichen würde, wenn uns unser Wirt bei so guten Winde eine Meile oder etwas weiter in die See, und gegen Abend wieder zurück führen liesse, welches denn niemanden von der Gesellschafft zuwider war, vielmehr empfanden wir so wohl hiebei, als an den herrlichen Tractamenten, wohlklingender Music, und nachher an allerhand ehrbaren LustSpielen einen besonderen Wohlgefallen. Weil aber unser Wirt, Wetters- und Windes wegen, alle SchauLöcher hatte zu nageln, und bei hellem Tage WachsLichter anzünden lassen, so kunten wir bei so vielen Lustreichen Zeitvertreibungen nicht gewahr werden, ob es Tag oder Nacht sei, biss die Sonne allbereit vor 2. oder 3. Stunden untergegangen war. Mir kam es endlich sehr bedencklich vor, dass unsere Manns-Personen einander den Wein ungewöhnlich stark zutranken, auch dass die beiden Frantzösischen Damen fast so gut mit sauffen konnten als das Manns-Volk. deswegen gab ich meiner Schwester einen Winck, welche sogleich folgte, und mit mir auf das Oberdeck hinauff stieg, da wir denn, zu unser beider grössten Missvergnügen, einen schwartz gewölckten Himmel, nebst annoch anhaltenden starcken Regen, um unser Schiff herum lauter schäumende Wellen entsetzlich, von ferne aber, den Glantz eines kleinen Lichts gewahr wurden.
Es wurde gleich verabredet unsern Verdruss zu ver
bergen, deswegen fing meine Schwester, so bald wir wieder zur andern Gesellschafft kamen, nur dieses zu sagen an: Hilff Himmel meine Freunde! es ist allbereits Mitternacht. Wenn wollen wir wieder nach Middelburg kommen? und was werden unsere Eltern sagen? Gebet euch zufrieden meine Schwestern, antwortete unser Bruder William, ich will bei den Eltern alles verantworten, folget nur meinem Beispiele, und lasset euch von euren Liebhabern also umarmen, wie ich diesen meinen Hertzens-Schatz umarme. Zu gleicher Zeit nahm er die Margarite vom stuhl, und setzte sie auf seinen Schooss, welche alles geduldig litte, und als die ärgste Schand-Metze mit sich umgehen liess. Der vermeinte Edelmann, Henry, tat mit seiner Buhlerin ein gleiches, jedoch Alexander und Gallus scheueten sich dem Ansehen nach noch in etwas, mit uns beiden Schwestern auf eben diese Art zu verfahren, ungeachtet sie von unsern leiblichen Bruder hierzu trefflich angefrischet