person eines Tages unverhofft, und zwar in meiner Schwester Zimmer, ansichtig wurde. Ich wäre ihm gerne entwischt, allein, er verrannte mir den Pass, so, dass ich mich recht gezwungen sah, seine Complimenten anzuhören und zu beantworten. Aber! welch ein Unglück entstunde nicht hieraus? Denn der törichte Mensch, welcher nicht einmal eine völlige Stunde mit mir umgangen war, veränderte so fort sein ganzes Vorhaben, und wirfft alle Liebe, die er bishero eintzig und allein zu meiner Schwester getragen hatte, nunmehr auf mich, liess auch gleich folgendes Tages offenhertzig bei den Eltern um meine person anhalten. Dieses machte eine ziemliche Verwirrung in unserm haus. Unsere Eltern wolten diese herrliche Partie durchaus nicht fahren lassen, es möchte auch unter ihren beiden Töchtern betreffen, welche es wolte. Meine Schwester stellte sich über ihren ungetreuen Liebhaber halb rasend an, und ungeachtet ich hoch und teuer schwur, einem solchen Wetterhahne nimmer mehr die ehlige Hand zu geben, so wolte sich doch dadurch keines von allen Interessenten befriedigen lassen. Meine Schwester hätte mich gern mit den Augen ermordet, die Eltern wandten allen Fleiss an, uns zu versöhnen, und versuchten, bald den wankelmütigen Liebhaber auf vorige Wege zu bringen, bald mich zu bereden, dass ich ihm mein Hertz schenken sollte; Allein, es war so wohl eines als das andere vergeblich, indem ich bei meinem einmal getanen Schwure beständig zu verharren beschloss, und wenn es auch mein Leben kosten sollte.
Wie demnach der Wetterhahn sah, dass bei mir durchaus nichts zu erhalten war, fing er wiederum an, bei meiner Schwester gelinde Sayten aufzuziehen, und diese spielete ihre person dermassen schalckhafft, biss er sich aus eigenem Antriebe bequemete, sie auf den Knien um Vergebung seines begangenen Fehlers, und um die vormahlige Gegen-Liebe anzusprechen. Allein, diese vermeinete nunmehr erstlich sich völlige Genugtuung vor ihre beleidigte Ehre zu verschaffen, sagte deswegen, so bald sie ihn von der Erde aufgehoben hatte: Mein Herr! ich glaube, dass ihr mich vor einiger Zeit vollkommen geliebt, auch so viel Merckmahle einer hertzlichen Gegen-Liebe von mir empfangen habt, als ein rechtschaffener Mensch von einem honetten Frauenzimmer verlangen kan. Dem ungeachtet habt ihr euer veränderliches Gemüte unmöglich verbergen können. Jedoch es ist vorbei, und es soll euch Seiten meiner alles hertzlich vergeben sein. Ich schwere auch zu GOTT, dass ich dieser wegen nimmermehr die geringste Feindschafft gegen eure person hegen, anbei aber auch nimmermehr eure Ehe-Gattin werden will, weil die Furcht wegen der zukünfftigen Unbeständigkeit so wohl euch als mir bloss zur beständigen Marter und Quaal gereichen würde.
Alle Anwesenden stutzten gewaltig hierüber, wandten auch so wohl als der neu-Verliebte allen Fleiss und Beredsamkeit an, meine Schwester auf bessern Sinn zu bringen, jedoch es halff alles nichts, sondern der unbeständige Liebhaber muste wohlverdienter Weise nunmehr bei beiden Schwestern durch den Korb zu fallen sich belieben lassen.
Solcher Gestalt nun wurden wir beiden Schwestern wiederum ziemlich einig, wiewohl die Eltern mit unsern eigensinnigen Köpffen nicht allerdings zufrieden waren, indem sich bei uns nicht die geringste Lust zu heiraten, oder wenigstens mit Manns-Personen umzugehen zeigen wolte.
Endlich, da nach erwehnten unglücklichen Heirats-Tractaten fast andertalbes Jahr verstrichen war, fand ein junger, etwa 28. Cavalier allerhand artige Mittel, sich bei meiner Schwester einzuschmeicheln. Er hielt starcke Freundschafft mit meinen Brüdern, nennete sich Alexander de la Marck, und war seinem Vorgeben nach von dem Geschlecht des Grafens Lumay de la Marck, der sich vor fast 100. Jahren durch die Eroberung der Stadt Briel in Diensten des Printzen von Oranien einen unsterblichen Ruhm erworben, und so zu sagen, den Grund zur Holländischen Republic gelegt hatte. Unsere Eltern waren mit seiner Anwerbung wohl zufrieden, weil er ein wohlgestalter, bescheidener und kluger Mensch war, der sein grosses Vermögen bei allen Gelegenheiten sattsam hervor blicken liess. Doch wolten sie ihm das Jawort nicht eher geben, biss er sich dessfalls mit Philippinen völlig verglichen hätte. Ob nun diese gleich ihre Resolution immer von einer Zeit zur andern verschob, so wurde Alexander dennoch nicht verdrüsslich, indem er sich allzuwohl vorstellete, dass es aus keiner andern Ursache geschähe, als seine Beständigkeit auf die probe zu setzen, und gegenteils wuste ihn Philippine jederzeit mit der holdseeligsten, doch ehrbarsten Freundlichkeit zu begegnen, wodurch seine Gedult und langes Warten sehr versüsset zu werden schien.
Meiner Schwester, Brüdern und ihm zu Gefallen, liess ich mich gar öffters mit bei ihren angestellten Lustbarkeiten finden; doch aber durchaus von keinem Liebhaber ins Netz bringen, ob sich schon viele desswegen ziemliche Mühe gaben. Gallus van Witt, unser ehemaliger Liebster, gesellete sich nach und nach auch wieder zu uns, liess aber nicht den geringsten Unmut mehr, wegen des empfangenen Korbes, spüren, sondern zeigte ein beständiges freies Wesen, und sagte ausdrücklich, dass, da es ihm im Lieben auf doppelte Art unglücklich ergangen, er nunmehr fest beschlossen hätte, nimmermehr zu heiraten. Meine Schwester wünschte ihn also einsmahls, dass er dergleichen Sinnen ändern, hergegen uns alle fein bald auf sein Hochzeit-fest zu seiner vollkommen schönen Liebste, einladen möchte. Da er aber hierbei mit dem Kopffe schüttelte, sagte ich: So recht Mons. de Witt, nunmehr bin ich euch vor meine person desto günstiger, weil ihr so wenig Lust als ich zum Heiraten bezeiget. Er errötete hierüber und versetzte: Mademoiselle, ich wäre glücklich genug, wenn ich nur den geringsten teil eurer beider