fort, stehet es zu verantworten, dass wir allhier auf der faulen Bank liegen, und uns eine kleine Mühe und Gefahr abschrecken lassen, zum wenigsten noch so viel Menschen beiderlei Geschlechts hieher zu verschaffen, als zur Beheiratung eurer Kinder von nöten sein, welche ihren mannbaren Alter entgegen gehen, und ohne grosse Sünde und Schande einander nicht selbst eheligen können? Auf deswegen! Lasset uns den behertzten Entschluss fassen, ein Schiff zu bauen, und unter starcken Vertrauen zu Göttlichem Beistande an das nächst-gelegenste Land oder Insul anfahren, wo sich Christen aufhalten, um vor eure Kinder Männer und Weiber daselbst auszusuchen. Meine gedanken sind auf die Insul S. Helena gerichtet, wo sich Portugiesen niedergelassen haben, und wenn ich nebst der Land- und See-Charte, die ich bei euch gesehen, alle andern Umstände in Betrachtung ziehe, so versichert mich ein geheimer Trieb, dass selbige Insul unsern Wunsch nicht allein erfüllen, sondern auch nicht allzu weit von hier entlegen sein kan.
Meine haus-Frau und ich stutzten ziemlich über des Amias etwas allzu gefährlich scheinenden Anschlag, ehe wir ihm gehörig darauf antworten, und gar behutsame Einwürffe machen konnten, da er aber alle dieselben sehr vernünfftig widerlegte, und diese Sache immer leichter machte; gab endlich meine Concordia den Ausschlag, indem sie sagte: Lieben Freunde, wir wollen uns dieserwegen den Kopff vor der Zeit nicht zerbrechen, versuchet erstlich, wie weit es mit eurem Schiffbau zu bringen ist, wird dasselbe fertig, und in solchen Zustand gebracht, dass man sich vernunfftmässig darauf wagen, und dergleichen gefährliche Reise vornehmen kan, und der Himmel zeiget uns binnen solcher Zeit keine andere Mittel und Wege, unserer Sorgen loss zu werden, so haben wir nachher noch Zeit genug, Rat zu halten, wie es anzufangen, auch wer, und wie viel von uns mit reisen sollen.
Nachdem diese Meinung von einem jeden gebilliget worden, fingen wir gleich des folgenden Tages an, Bäume zu fällen, und nachher zu behauen, woraus Balken, Bohlen und Breter gehauen werden konnten. Auch wurde dasjenige Holz, welches uns die See von zerscheiterten Schiffen zugeführet hatte, fleissig zusammen gesucht, doch ein bald darauf einfallendes Regen-Wetter nebst dem nötigen Acker- und WeinBau verursachten, dass wir den schiffes-Bau biss zu gelegener und besserer Zeit aufschieben mussten.
Im August-monat aber anno 1667. da des Roberts Ehe-Frau allbereit mit der zweiten Tochter ins Wochen-Bette gekommen war, setzten unsere fleissigen hände die schiffes-Arbeit aufs neue eifferig fort, so, dass wir mit den vornehmsten Holz Stücken im April des 1668ten Jahres nach des Amias Abrisse fast völlig fertig wurden. Dem zu Folge wurde unter seiner Anweisung auch eine Schmiede Werk-Stätte zu bauen angefangen, in welcher die Nägel und anderes zu Schiff-Bau gehöriges Eisenwerk geschmiedet und zubereitet werden sollte, hatten selbige auch allbereit in ziemlich guten stand, als eines Tages meine 3. jüngsten Söhne, welche bestellet waren, die leichtesten Holz-Stücke mit Hülffe der Affen ans Ufer zu schaffen, gelauffen kamen, und berichteten, dass sich nahe an unserer Insul ein Schiff mit Menschen besetzt sehen liesse; weswegen wir ingesamt zwischen Furcht und guter Hoffnung hinab zum Meer lieffen, und ersahen, wie bemeldtes Schiff auf eine der vor uns liegenden Sand-Bänke aufgelauffen war, und nicht weiter von der Stelle kommen konte. Zwei darauf befindliche Männer schienen uns mit ängstlichen Winken zu sich zu nötigen, deswegen sich Robert mit meinen beiden ältesten Söhnen in unser kleines Boot setzte, und zu ihnen hinüber fuhr, ein langes Gespräch hielt, und endlich mit 9. frembden Gästen, als 3. Weibsund 6. Manns-Personen wieder zu uns kam. Allein, diese Elenden schienen allesamt den toten ähnlicher als den Lebendigen zu sein, wie denn auch nur ein Weibs-Bild und zwei Männer noch so viel Kräffte hatten, mit uns hinauf in die Insul zu steigen, die übrigen sechs, welche fast nicht auf die matten Füsse treten konnten, mussten hinauf getragen werden.
Der alte hocherfahrene Amias erkannte so gleich, was sie selbsten gestehen mussten, nämlich, dass sie nicht allein vom Hunger, sondern auch durch eine schlimme See Kranckheit, welche der Schaarbock genennet würde, in solchen kläglichen Zustand geraten wären, deswegen wurde ihnen so gleich Roberts Wohnhaus zum Krancken-haus eingeräumet, anbei von stunde an zur besten Verpflegung alle Anstalt gemacht.
Wir bekümmerten uns in den ersten Tagen so wenig um ihren Stand und Wesen, als sie sich um das unserige, doch konte man mehr als zu wohl spüren, wie vergnügt und erkenntlich ihre herzen wegen der guten Bewirtung wären, dem allen ungeachtet aber sturben so gleich, noch ehe 8. Tage verlieffen, eine Weibs- und zwei Manns-Personen, und in folgender Woche folgte die 3te Manns-person; weil das Ubel vermutlich allzu stark bei ihnen eingerissen, oder auch wohl keine Maasse im Essen und Trinken gehalten war. Die toten wurden von uns mit grossen Leidwesen ehrlich begraben, und die annoch übrigen sehr schwachen desto fleissiger gepflegt. Amias machte ihnen Artzeneien von unsern annoch grünenden Kräutern und Wurtzeln, gab auch keinem auf einmal mehr Speise und Trank, als er vor ratsam hielt, woher es nebst Göttlicher Hülffe endlich kam, dass sich die noch übrigen 5. Gäste binnen wenig Wochen völlig erholeten, und nicht die geringsten Merckmale einer Kranckheit mehr verspüreten.
Nun sollte ich zwar, meine Lieben, sagte hiermit