mein werter Albert, der HErr wirds versehen und unsere Sorgen stillen, ehe wirs vielleicht am wenigsten vermuten.
Und gewiss, der Himmel liess auch in diesem Stücke ihre Hoffnung und festes Vertrauen nicht zu schanden werden, denn etwa ein Jahr hernach, da ich am Tage der Reinigung Mariä 1664. mit meiner ganzen Familie Nachmittags am Meer-Ufer spatzieren ging, ersahen wir mit mässiger Verwunderung: dass nach einem daherigen hefftigen Sturme, die schäumenden Wellen, nachdem sie sich gegen andere unbarmhertzig erzeiget, uns abermals einige vermutlich gute Waaren zugeführet hatten. Zugleich aber fielen uns von ferne zwei Menschen in die Augen, welche auf einen grossen schiffes-Balcken sitzend, sich an statt der Ruder mit ihren blossen Händen äusserst bemüheten, eine, von den vor uns liegenden Sand-Bäncken zu erreichen, und ihr Leben darauff zu erretten. Indem nun ich, nur vor wenig Monaten, das kleine Boot, durch dessen Hülffe ich am allerersten mit Mons. van Leuven bei dieser Felsen-Insul angelanget war, aussgebessert hatte, so wagte ich nebst meinen beiden ältesten Söhnen, die nunmehr in ihr 16tes Jahr gingen, hinnein zu treten, und diesen Notleidenden zu Hülffe zu kommen, welche unserer aber nicht eher gewahr wurden, biss unser Boot von ohngefehr sehr hefftig an ihren Balcken stiess, so dass der eine aus Mattigkeit herunter ins wasser fiel. Doch da ihm meine Söhne das Seil, woran wir das Boot zu befestigen pflegten, hinaus wurffen, raffte er alle Kräffte zusammen, hielt sich feste dran, und ward also von uns ganz leichtlich ins Boot herein gezogen. Dieses war ein alter fast ganz grau gewordener Mann, der andere aber, dem dergleichen gefälligkeit von uns erzeigt wurde, schien ein Mann in seinen besten Jahren zu sein.
Man merckte sehr genau, wie die Todes-Angst auf ihren Gesichtern ganz eigentlich abgemahlet war, da sie zumal uns ganz starr ansahen, jedoch nicht ein eintziges Wort aussprechen konnten, endlich aber, da wir schon einen ziemlichen Strich auf der Zurückfart getan, fragt ich den Alten auf deutsch: Wie er sich befände, allein er schüttelte sein Haupt, und antwortete im Englischen, dass er zwar meine Sprache nicht verstünde, gleichwol aber merckte, wie es die teutsche Sprache sei. Ich fing hierauf sogleich an, mit ihm Englisch zu reden, weswegen er mir augenblicklich die hände küssete und mich seinen Engel nennete. Meine beiden Söhne klatschten deswegen in ihre hände, und fiengen ein Freuden-Geschrei an, gaben sich auch gleich mit dem jungen mann ins gespräche, welcher alle beide umarmete und küssete, auch ihnen auf ihre einfältigen fragen liebreiche Antwort gab. Doch da ich merckte, dass die beiden Verunglückten vor Mattigkeit kaum die Zunge heben und die Augen auftun konnten, liessen wir dieselben ungestöhrt, und brachten sie halb schlaffend an unsere Felsen-Insul.
Meine Concordia hatte binnen der Zeit beständig mit den übrigen Kindern auf den Knien gelegen, und GOTT um unsere glückliche Zurückkunft angerufft, weil sie dem sehr alten und geflickten Boote wenig zu getrauet, deswegen war alles desto frölicher, da wir in Gesellschafft zweier andern Menschen bei ihnen ankamen. Sie hatte etwas Vorrat von speisen und Geträncke vor unsere Kinder bei sich, welches den armen Frembdlingen gereicht wurde. So bald nun selbiges mit gröster Begierde in ihren Magen geschickt war, merckte man wohl, dass sie hertzlich gern weiter mit uns reden wolten, allein da sie bereits so viel zu verstehen gegeben, wie sie nunmehr 3. Nächte und 4. Tage ohne Schlaff und Ruhe in den Meeres Wellen zugebracht hätten, konnten wir ihnen nicht verargen, dass sie uns fast unter den Händen einschlieffen, brachten aber doch beide, wiewol mit grosser Mühe, durch den holen Weg hinauff in die Insul.
Daselbst suncken sie als recht ohnmächtige Menschen ins Grass nieder, und verfielen in den tieffsten Schlaff. Meine beiden ältesten Söhne mussten bei ihnen sitzen bleiben, ich aber ging mit meiner übrigen Familie nach haus, nahm zwei Rollwagen, spannete vor jeden 4. Affen, kehrete damit wieder um, legte die Schlaffenden ohne eintzige Empfindung drauff, und brachte dieselben mit einbrechender Nacht in unsere Behausung auf ein gutes Lager, welches ihnen mitlerweile meine haus-Frau bereitet hatte. Beide wachten fast zu gleicher Zeit nicht früher auf, als andern Tages ungefähr ein paar Stunden vor Untergang der Sonnen, und so bald ich dessen vergewissert war, ging ich zu ihnen in die kammer, legte vor jeden ein gut Kleid nebst weisser Wäsche hin, bat sie möchten solches anlegen, nachher zu uns heraus kommen.
Indessen hatte meine haus-Frau eine köstliche Mahlzeit zubereitet, den besten Wein und ander Geträncke zurechte gesetzt, auch sich nebst ihren Kindern ganz sauber angekleidet. Wie demnach unsere Gäste aus der kammer traten, fanden sie alles in der schönsten Ordnung, und blieben nach verrichteter Begrüssung als ein paar steinerne Bilder stehen. Meine Kinder mussten ihnen das Wasch-wasser reichen, welches sie annahmen und um erlaubnis baten, sich vor der Tür zu reinigen. Ich gab ihnen ohne eitle Ceremonien zu verstehen, wie sie allhier, als unfehlbar gute christliche Menschen, ihre beliebige gelegenheit brauchen könnten, weswegen sie sich ausserhalb des Hauses, in der freien Luft völlig ermunterten, nachher wieder zu uns kehreten, da denn der alte ungefähr 60. jährige Mann also zu reden anfieng: O du gütiger Himmel, welch ein schönes Paradiess ist dieses? saget uns doch, o ihr glückseeligen Einwohner desselben, ob wir uns