Erziehung vertreiben. Meine zwei ältesten Zwillinge hatte ich mit Göttlicher Hülffe schon so weit gebracht, dass sie den kleinern Geschwister das Lesen, Schreiben und Beten wiederum beibringen konnten, ich aber informirte selbst alle meine Kinder früh Morgens 2. Stunden, und Abends auch so lange. Ihre Mutter lösete mich hierinnen ordentlich ab, die übrige Zeit mussten sie mit nützlicher Arbeit, so viel ihre Kräffte vermochten, hinbringen, das Schiess-Gewehr brauchen lernen, Fische, Vogel, Ziegen und Wildpret einfangen, in Summa, sich in zeiten so gewöhnen, als ob sie so wohl als wir Zeit Lebens auf dieser Insul bleiben sollten.
Immittelst erzehlten wir Eltern unsern Kindern öffters von der Lebens-Art der Menschen in unsern Vaterländern und andern Welt-Teilen, auch von unsern eigenen Geschichten, so viel, als ihnen zu wissen nötig war: spüreten aber niemals, dass nur ein eintziges von ihnen Lust bezeigte, selbige Länder oder Oerter zu sehen, worüber sich meine Ehe-Frau hertzlich vergnügte, allein ich unterdrückte meinen, seit einiger Zeit wieder aufgewachten Kummer, biss eines Tages unsere ältesten zwei Söhne eiligst gelauffen kamen, und berichteten: Wie dass sich ganz weit in der offenbaren See 3. grosse Schiffe sehen liessen, worauff sich unfehlbar Menschen befinden würden. Ihre Mutter gab ihnen zur Antwort: Lasset sie fahren meine Kinder, weil wir nicht wissen, ob es gute oder böse Menschen sind. Ich aber wurde von meinen Gemüts-Bewegungen dergestalt übermeistert, dass mir die Augen voll Tränen lieffen, und solches zu verbergen, ging ich stillschweigend in die kammer, und legte mich mit Seuffzen aufs Lager. Meine Concordia folgte mir auf dem fuss nach, breitete sich über mich und sagte, nachdem sie meinen Mund zum öfftern liebreich geküsset hatte. Wie ist es, mein liebster Schatz, seid ihr der glückseeligen Lebens-Art, und eurer bisshero so hertzlich geliebten Concordia, vielleicht schon auch gänzlich überdrüssig, weil sich eure sehnsucht nach anderer Gesellschafft aufs neue so stark verrät? Ihr irret euch, meine Allerliebste gab ich zur Antwort, oder wollet etwa die erste probe machen mich zu kräncken. Glaubet aber sicherlich, zumahl wenn ich GOTT zum Zeugen anruffe, dass mir gar nicht in die gedanken kommen ist, von hier hinweg zu reisen, oder euch zum Verdruss mich nach anderer Gesellschafft zu sehnen, sondern ich wünsche von herzen, meine übrige Lebens-Zeit auf dieser glückseeligen Städte mit euch in Ruhe und Friede hin zu bringen, zumal da wir das schwerste nunmehr mit GOTTES Hülffe überwunden, und das gröste Vergnügen an unsern schönen Kindern, annoch in Hoffnung, vor uns haben. Allein saget mir um GOttes willen, warum sollen wir uns nicht nunmehr, da unsere Kinder ihre Mannbaren Jahre zu erreichen beginnen, nach andern Menschen umsehen, glaubet ihr etwa, GOTT werde sogleich 4. Männer und 5. Weiber vom Himmel herab fallen lassen, um unsere Kinder mit selbigen zu begatten? Oder wollet ihr, dass dieselben, so bald der natürliche Trieb die Vernunfft und Frömmigkeit übermeistert, Blut-Schande begehen, und einander selbst heiraten sollen? Da sei GOTT vor! Ihr aber, mein Schatz, saget mir nun, wie eure Meinung über meine höchst wichtigen Sorgen ist, ob wir nicht Sünde und Schande von unsern bisshero wohlerzogenen Kindern zu befürchten haben? und ob es Wohlgetan sei, wenn wir durch ein und andere Nachlässigkeit, GOttes Allmacht ferner versuchen wollen?
Meine Concordia fing hertzlich an zu weinen, da sie mich in so ungewöhnlichen Eifer reden hörete, jedoch die treue Seele umfassete meinen Halss, und sagte unter hundert Küssen: Ihr habt recht, mein allerliebster Mann, und sorget besser und vernünfftiger als ich. Verzeihet mir meine Fehler, und glaubet sicherlich, dass ich, dergleichen Blut-schändlich Ehen zu erlauben, niemals gesinnet gewesen, allein die Furcht vor bösen Menschen, die sich etwa unseres Landes und unserer Güter gelüsten lassen, euch ermorden, mich und meine Kinder schänden und zu Sclaven machen könnten, hat mich jederzeit angetrieben, zu wiederraten, dass wir uns frembden und unbekannten Leuten entdeckten, die vielleicht auch nicht einmal Christen sein möchten. Anbei habe mich beständig darauff verlassen, dass GOtt schon von ungefähr Menschen hersenden würde, die uns etwa abführeten, oder unser Geschlecht vermehren hülffen. Jedoch, mein allerliebster Julius, sagte sie weiter, ich bekenne, dass ihr eine stärckere Einsicht habt als ich, darum gehet hin mit unsern Söhnen, und versuchet, ob ihr die vorbeifahrenden Schiffe anhero ruffen könnet, GOTT gebe nur, dass es Christen, und redliche Leute sind.
Dieses war also der erste und letzte Zwietracht, den ich und meine liebe Ehe-Frau untereinander hatten, wo es anders ein Zwietracht zu nennen ist. So bald wir uns aber völlig verglichen, lieff ich mit meinen Söhnen, weil es noch hoch am Tage war, auf die Spitzen des Nord-Felsens, schossen unsere Gewehre loss, schryen wie törichte Leute, machten Feuer und Rauch auf der Höhe, und trieben solches die ganze Nacht hindurch, allein ausser etlichen Stückschüssen höreten wir weiter nichts, sahen auch bei aufgehender Sonne keines von den Schiffen mehr, wohl aber eine stürmische düstere See, woraus ich schloss, dass die Schiffe wegen widerwärtigen Windes unmöglich anländen können, wie gern sie vielleicht auch gewolt hätten.
Ich konte mich desswegen in etlichen Tagen nicht zufrieden geben, doch meine Ehe-Frau sprach mich endlich mit diesen Worten zufrieden: Bekümmert euch nicht allzusehr