kam uns sehr seltsam vor, dass zu Ende des Monats Junii 1649. auf unserer Insel ein ziemlich kalter Winter einfiel, indem wir damahls binnen 3. Jahren das erste Eis und Schnee-Flocken, auch eine ziemliche kalte Lufft verspüreten, doch da ich noch im Begriff war, unsere wohnung gegen dieses Ungemach besser, als sonsten, zu verwahren, wurde es schon wieder gelinde Wetter, und dieser harte Winter hatte in allen kaum 16. oder 17. Tage gedauret.
Im Jahr 1650. den 16. Mart. beschenckte uns der Himmel wiederum mit einer jungen Tochter, welche in der heil. Tauffe den Nahmen Maria bekam, und im folgenden 1651ten Jahre wurden wir abermals am 14. Dec. mit einem jungen Sohne erfreuet, welcher den Nahmen Johannes empfing. Dieses Jahr war wegen ungemeiner Hitze sehr unfruchtbar an Getreide und andern Früchten, gab aber einen vortrefflichen Wein-Seegen, und weil von vorigen Jahren noch starcker Getreide-Vorrat vorhanden, wusten wir dennoch von keinen Mangel zu sagen.
Das 1652te Jahr schenckte einen desto reichlichern Getreide-Vorrat, hergegen wenig Wein. Mitten in der Weinlese starben unsere 2. ältesten Affen, binnen wenig Tagen kurz auf einander, wir bedaureten diese 2. klügsten Tiere, hatten aber doch noch 4. Paar zu unserer Bedienung, weil sich die ersten 3. Paar stark vermehret, wovon ich aber nur 2. paar junge Affen leben liess, und die übrigen heimlich ersäuffte, damit die Gesellschafft nicht zu mächtig und mutwillig werden möchte.
Im Jahr 1653. den 13. May kam meine werte EheGattin abermals mit einer gesunden und wohlgestallten Tochter ins Wochen-Bette, die in der Heil. Tauffe den Nahmen Elisabet empfieng. Also hatten wir nunmehr 3. Söhne und 3. Töchter, welche der fleissigen Mutter Arbeit und Zeitvertreib genug machen konnten. Selbigen Winters fing ich an mit Concordien, Albert u. Stephano, täglich etliche Stunden Schule zu halten, indem ich ihnen die Buchstaben vormahlete und kennen lehrete, fand auch dieselben so gelehrig, dass sie, mit Aussgang des Winters, schon ziemlich gut Teutsch und Englisch buchstabiren konnten, ausser dem wurden ihnen von der Mutter die nützlichsten Gebeter und Sprüche aus der Bibel gelehret, so dass wir sie mit grössten Vergnügen bald Teutsch, bald Englisch, die Morgen- Abend- und Tisch-Gebeter, vor dem Tische, konnten beten hören und sehen. Meine liebe Frau durffte mir nunmehr bei der Feld- und andern sauren Arbeit wenig mehr helffen, sondern muste sich schonen, um die Kinder desto besser und geduldiger zu warten, ich hergegen, liess es mir mit Beihülffe der Affen, desto angelegener sein, die nötigsten Nahrungs-Mittel von einer Zeit zur andern zu besorgen.
Am ersten Heil. Christ-Tage anno 1655. brachte meine angenehme Ehe-Liebste zum andern mahle ein paar Zwillings-Söhne zur Welt, die ich zum Gedächtniss ihres schönen Geburts-Tages, den ersten Christoph, und den andern Christian tauffte, die arme Mutter befand sich hierbei sehr übel, doch die Krafft des Allmächtigen halff ihr in etlichen Wochen wiederum zu völliger Gesundheit.
Das 1656te Jahr liess uns einen ziemlich verdriesslichen Herbst und Winter verspüren, indem der Erstere ungemein viel Regen, der Letztere aber etwas starcke Kälte und vielen Schnee mit sich brachte, es war deswegen so wohl die darauff folgende Erndte, als auch die Wein-Lese kaum des vierdten Teils so reichlich als im vorigen Jahren, und dennoch war vor uns, unsere Kinder, Affen und ander Vieh, alles im Uberflusse vorhanden.
Im 1657ten Jahre den 22. Septembr. gebahr meine fruchtbare Ehe-Liebste noch eine Tochter, welche Christina genennet wurde, und im 1660ten Jahre befand sich dieselbe zum letzten mahle schwangeres Leibes, denn weil sie eines Tages, da wir am Ufer des Flusses hinwandelten, unversehens strauchelte, einen schweren Fall tat, und unfehlbar im Flusse ertruncken wäre, woferne ich sie nicht mit selbst eigener Lebens-Gefahr gerettet hätte; war sie dermassen erschreckt und innerlich beschädigt worden, dass sie zu unser beiderseits grössten Leidwesen am 9. Jul. eine unzeitige tote Tochter zur Welt, nachher aber über zwei ganzer Jahr zubrachte, ehe die vorige Gesundheit wieder zu erlangen war.
Nach Verlauf selbiger Zeit, befand sich mein werter Ehe-Schatz zwar wiederum bei völligen Kräften, und sah in ihrem 35ten Jahre noch so schön und frisch aus als eine Jungfrau, hat aber doch niemals wiedrum ins Wochen-Bette kommen können. Gleichwol wurden wir darüber nicht ungeduldig, sondern danckten GOTT dass sich unsere 9. lieben Kinder bei völliger Leibes-Gesundheit befanden, und in Gottesfurcht und Zucht heran wuchsen, wie ich denn nicht sagen kan, dass wir ursache gehabt hätten, uns über eins oder anderes zu ärgern, oder die Schärffe zu gebrauchen, sondern muss gestehen, dass sie, bloss auf einen Winck und Wort ihrer Eltern alles taten, was von ihnen verlanget wurde, und eben dieses schrieben wir nicht schlechter dings unserer klugen Auferziehung, sondern einer besonderen Gnade GOttes zu.
Meine Stief-Tochter Concordia, die nunmehr ihre Mannbaren Jahre erreichte, war gewiss ein Mägdlein von aussbündiger Schönheit, Tugend, Klugheit und Gottesfurcht, und wuste die Hausshaltung dermassen wohl zu führen, dass ich und ihre Mutter sonderlich eine grosse Erleichterung unserer daher gehabten Mühe und Arbeit verspüreten. Selbige meine liebe Ehe-Gattin muste sich also mit Gewalt gute Tage machen, und ihre Zeit bloss mit der kleinsten Kinder Lehrung und guter