Gottesdienst mit eiffrigster Andacht abwarteten, wobei Herr Mag. Schmelzer in einer vortrefflichen Predigt, die, den Frommen erfreuliche, den Gottlosen aber erschröckliche Zukunfft Christi zum Gerichte, dermassen beweglich vorstellete, dass sich Alt und Jung ungemein darüber vergnügten. Nachmittags wurde Catechismus-Examen gehalten, in welchen Hr. Mag. Schmelzer sonderlich den Articul vom heil. Abendmahl Christi durchnahm, und diejenigen Menschen, welche selbiges zu geniessen zwar niemals das Glück gehabt, dennoch von dessen heiliger Würde und Nutzbarkeit dermassen wohl unterrichtet befand, dass er nach einem gehaltenen weitläufftigen Sermon über diese hochheilige Handelung, denen beiden Gemeinden in Alberts- und Davids-Raum ankündigte, wie er sich diese ganze Woche hindurch alle Tage ohngefehr zwei oder drei Stunden vor Untergang der Sonnen, in der Alleé auf ihrer GräntzScheidung einstellen wolte, deswegen möchten sich alle diejenigen, welche beiderlei Geschlechts über 14. Jahr alt wären, zu ihm versammlen, damit er sie insgesammt und jeden besonders vornehmen, und erforschen könnte, welche mit guten Gewissen künfftigen Sonnabend zur beichte, und Sonntags darauf zum heil. Abendmahle zu lassen wären, indem es billig, dass man das neue Kirchen-Jahr mit solcher höchst wichtigen Handlung anfinge. Es entstund hierüber eine allgemeine Freude, zumahlen da er versprach, in folgenden Wochen mit den übrigen Gemeinden auf gleiche Art zu verfahren, und immer 2. oder 3. auf einmal zu nehmen, biss er sie ingesamt dieser un schätzbaren Glückseeligkeit teilhafftig gemacht. Hierauf wurden die anwesenden kleinen Kinder von Mons. Wolffgangen mit allerhand Zuckerwerck und Spiel-Sachen beschenckt, nach einigen wichtigen Unterredungen mit den Stam-Vätern aber kehrete ein jeder vergnügt in seine Behausung.
Der anbrechende Montag erinnerte unsern AltVater Albertum nebst uns die Reise nach Christophs-Raum vorzunehmen, als wir deswegen unsern Weg durch den grossen Garten genommen, gelangeten wir in der Gegend an, welche derselbe zum GOttes-Acker und Begräbniss vor die, auf dieser Insel verstorbenen ausersehen hatte. Er führte uns so fort zu des Don Cyrillo de Valaro aufgerichteten Gedächtniss-Säule, die unten mit einem runden Mauerwerck umgeben, und woran eine Zinnerne Tafel geschlagen war, die folgende Zeilen zu lesen gab:
Hier liegen die Gebeine
eines vermutlich seelig verstorbenen Christen
und vornehmen Spanischen Edelmanns,
Nahmens
Don Cyrillo de Valaro,
welcher, dessen Uhrkunden gemäss,
den 9. auge. 1475. gebohren,
Auf dem Wege aus West-Indien nebst 8. andern
Manns-Personen den 14. Nov. 1514 in dieser
Insel angelanget,
In Ermangelung eines tüchtigen schiffes allhier
bleiben müssen,
Seine gefährten, die ihm in der Sterblichkeit
vorgegangen, ehrlich begraben,
und ihnen endlich
ao. 1606. ohne Zweiffel in den ersten Tagen
des Monats Julii gefolget;
Nachdem er auf dieser Insel
weder recht vergnügt noch gänzlich unvergnügt
gelebt 92. Jahr,
Sein ganzes Alter aber gebracht
über 130. Jahr und 10. Monate.
Den Rest seines entseelten Cörpers haben erstlich
nach 40. Jahren gefunden, und auf dieser
Stätte aus christl. Liebe begraben
Carl Franz van Leuven und Albertus Julius.
Von dieser, des Don Cyrillio Gedächtniss-Säule, stunde etwa 4. Schritt Ost-wärts eine ungefähr 6. Elen hohe mit ausgehauenen Steinen aufgeführte Pyramide, auf der eingemauerten grossen Kupffernen Platte aber folgende Schrifft:
Unter diesem Grabmahle
erwartet der frölichen Auferstehung zum ewigen
Leben
eine Königin dieses Landes,
eine Crone ihres hinterlassenen Mannes,
und eine glückseelige Stamm-Mutter
vieler Lebendigen,
nämlich
CONCORDIA, gebohrne PLÜRS,
die wegen ihrer Gottesfurcht, seltsamen Tugenden
und wunderbaren Schicksals,
eines unsterblichen Ruhms würdig ist.
Sie ward gebohren zu Londen in Engelland
den 4. Apr. 1627.
Vermählete sich zum ersten mahle mit Herrn
Carl Franz van Leuven den 9. Mart. 1646.
Gebahr nach dessen kläglichen tod, am 11. Dec.
selbigen Jahres, von ihm eine Tochter.
Verknüpffte das durch Mörders-Hand zerrissene
adeliche Ehe-Band nachher mit
Albert Julio
am 8. Januar. 1648.
Zeugete demselben 5. Söhne, 3. lebendige und
eine tote Tochter.
Ersahe also in ihrer ersten, und andern 68. jährigen
weniger 11. tägigen Ehe 9. lebendige und
1. todes Kind.
87. Kindes-Kinder, 151. Kindes-Kindes-Kinder,
und 5. Kindes-Kindes-Kindes-Kinder.
Starb auf den allein seeligmachenden Glauben an
Christum, ohne Schmertzen, sanfft und seelig
den 28. Dec. 1715
Ihres Alters 88. Jahr, 8. monat und 2. Wochen.
Und ward von ihrem zurückgelassenen getreuen
Ehe-mann und allen Angehörigen unter
tausend Tränen allhier in ihre
Grufft gesenckt.
Gleich neben dieser Pyramide stunde an des van Leuvens Gedächtniss-Säule diese Schrifft:
***
Bei dieser Gedächtniss-Säule
hoffet auf die ewige glückseelige Vereinigung
getrenneten Seele
der unglückliche körper
Herrn CARL FRANZ van LEUVENS,
eines frommen, tugendhafften und tapffern
Edel-Manns aus Holland.
Der mit seiner hertzlich-geliebten Gemahlin
Concordia, geb. Plürs,
nach Ceilon zu seegeln gedachte,
und nicht bedachte,
wie ungetreu das Meer zuweilen an denjenigen
handele, die sich darauf wagen.
Er entkam zwar dem entsetzlichen Sturme 1646.
im monat Augusto glücklich, und setzte seinen
Fuss den 10. Sept. mit Freuden auf diese Insel,
hätte auch unfehlbar dem Verhängnisse
allhier mit ziemlichen Vergnügen
stille gehalten;
Allein, sein vermaledeiter Gefährte Lemelie, der
seine gegen die keusche Concordia loderenden
geilen Flammen, nach dessen tod, gewiss
zu kühlen vermeinte,
stürtzte diesen redlichen Cavalier
am Tage Martini