. Weil ich aber schon damahls 3. leichte Stück-Geschützes auf die Insul geschafft hatte, pflantzte ich dieselben gegen diejenigen Oerter, wo meine Feinde öffters zu zwanzig biss funfzigen beisammen hin zu kommen pflegten, und richtete mit offt wiederholten Ladungen von auserlesenen runden Steinen starcke Niederlagen an, so, dass zuweilen 8. 10. 12. biss 16. tote und verwundete auf dem platz liegen blieben. Am allerwundersamsten kam mir hierbei dieses vor, dass unsere haus- und ZuchtAffen nicht das allergeringste Mitleiden über das Unglück ihrer Anverwandten, im Gegenteil ein besonderes Vergnügen bezeugten, wenn sie die Verwundten vollends tot schlagen, und die sämtlichen Leichen in den nächsten Fluss tragen konnten. Ich habe solchergestalt und auf noch andere listige Art in den ersten 6. Jahren fast über 500. Affen getödtet, und dieselben auf der Insul zu ganz raren Tieren gemacht, wie sie denn auch nachher von den Meinigen zwar aufs hefftigste verfolgt, doch wegen ihrer Possierlichkeit und Nutzung in vielen Stücken nicht gar vertilget worden.
Nach glücklich beigelegten Affen-Kriege und zu gut gemachter Trauben-Frucht, auch abermahliger Bestellung der Weinberge und Saat-Felder, war meine tägliche Arbeit, diejenigen Waaren, welche uns Wind und See von den in verschiedenen Stürmen zerscheiterten Schiffen zugeführet hatte, durch den hohlen Felsen-Weg herauf in unsere Verwahrung zu schaffen. Hilff Himmel! was bekamen wir nicht solcher Gestalt noch vor Reichtümer in unser Gewalt? Gold, Silber, edle Steine, schöne Zeuge, Böckel- und geräuchert Fleisch nebst andern Victualien war dasjenige, was am wenigsten geachtet wurde, hergegen Coffeé, Teé, Chocolade, Gewürtze, ausgepichte Kisten mit Zukker, Pech, Schwefel, Oehl, Talg, Butter, Pulver, allerhand eisern, zinnern, kupffern und messingen HaussGeräte, dicke und dünne Seile, höltzerne Gefässe u.d. gl. ergötzte uns am allermeisten.
Unser haus-Gesinde, das nunmehr, da sich der ehemahlige Patient auch eine Frau geholet, aus 6. Personen bestund, tat hierbei ungemeine Dienste, und meine liebe Ehe-Frau brachte in der unterirrdischen Höle alles, was uns nützlich, an gehörigen Ort und Stelle, was aber von dem See-wasser verdorben war, mussten ein paar Affen auf einen dazu gemachten Roll-Wagen so gleich fortschaffen, und in den nächstgelegenen Fluss werffen. Nach diesem, da eine grosse Menge zugeschnittener Bretter und Balcken von den zertrümmerten Schiffen vorhanden, erweiterte ich unsere wohnung auf dem Hügel noch um ein grosses, bauete auch der Affen Behausung geräumlicher, und brachte, kurz zu sagen, alles in solchen Stand, dass wir bevorstehenden Winter wenig zu schaffen hatten, sondern in vergnügter Ruhe beisammen leben konnten.
Unser Zeitvertreib war im Winter der allervergnügteste von der Welt, denn wenn wir unsers Leibes mit den besten speisen und Geträncke wohl gepflegt, und nach Belieben ein und andere leichte Arbeit getrieben hatten, konnten wir zuweilen etliche Stunden einander in die arme schliessen und mit untermengten Küssen allerhand artige geschichte erzehlen, worüber denn ein jedes seine besondere Meinung eröffnete, so, dass es öffters zu einem starcken Wort-Streite kam, allein, wir vertrugen uns letztlich immer in der Güte, zumahlen, wenn die Sachen ins geheime kammer-Gerichte gespielet wurden.
Im Frühlinge, nämlich am 19. Octobr. des Jahres unserer Verehligung, wurde so wohl ich als meine allerliebste Ehe-Gattin nach ausgestandenen 4. stündigen ängstlichen Sorgen mit inniglichen Vergnügen überschüttet, indem sie eben in der Mittags-Stunde ein paar kurz auf einander folgende Zwillings-Söhne zur Welt brachte. Sie und ich hatten uns zeitero, so viel als erdencklich, darauf geschickt gemacht, deswegen befand sich, unter Göttlichen Beistande, meine zarte Schöne bei dieser gedoppelten Kinder-Not dennoch weit stärcker und kräfftiger als das erste mahl. Ich gab meinen hertzlich geliebten Söhnen gleich in der ersten Stunde die heil. Tauffe, und nennete den ersten nach mir, Albertus, den andern aber nach meinem seel. Vater Stephanus, tat anbei alles, was einem getreuen Vater und Ehe-Gatten gegen seine lieben Kinder und werteste Ehe-Gemahlin bei solchen Zustande zu tun oblieget, war im übrigen höchst glücklich und vergnügt, dass sich weder bei der Mutter noch bei den Kindern einige besorgliche Zufälle ereigneten.
Ich kan nicht sagen, wie frölich sich die kleine Concordia, so allbereit wohl umher lauffen, und ziemlich vernehmlich plaudern konte, über die Anwesenheit ihrer kleinen Stieff-Brüder anstellete, denn sie war fast gar nicht von ihnen hinweg zu bringen, unsere Affen aber machten vor übermässigen Freuden ein solches wunderliches Geschrei, dergleichen ich von ihnen sonst niemals gehöret, als da sie bei dem ersten Kriege siegend zurück kamen, erzeigten sich nachher auch dermassen geschäfftig, dienstfertig und liebkosend um uns und die Kinder herum, dass wir ihnen kaum genug zu verrichten geben konnten.
So weit war unser Alt-Vater Albertus selbigen Abend in seiner Erzehlung kommen, als er die Zeit beobachtete, sich zur Ruhe zu legen, worin wir andern ihm Gesellschafft leisteten. Des darauf folgenden Sonnabends wurde keine Reise vorgenommen, indem Herr Mag. Schmelzer auf seine Predigt studirte, wir übrigen aber denselben Tag auch nicht müssig, sondern mit Einrichtung allerhand nötiger Sachen zubrachten, und uns des Abends auf die morgende Sabbats-Feier præparirten. Selbiges war der 26. Sonntag p. Trinit. an welchem sich etwa eine Stunde nach geschehenen kanonen-Schusse fast alle gesunde Einwohner der Insel unter der Alberts-Burg versammleten, und den