Werckzeug zuweilen gar leicht übereilen kan.
Unter diesen ihren klugen Reden küssete ich zum öfftern dero schönen hände, und nahm mir endlich die Kühnheit, einen feurigen Kuss auf ihre Rosen-Lippen zu drücken, welchen sie mit einem andern ersetzte. nachher stunden wir auf, um zu unsern heutigen Hochzeit-Feste Anstalten zu machen. Ich schlachtete ein jung Reh, eine junge Ziege, schoss ein paar Rebhüner, schaffte Fische herbei, steckte die Braten an die Spiesse, welche unsere Affen wenden mussten, setzte das Koch-Fleisch zum Feuer, und lass das Beste frische Obst aus, mittlerweile meine Braut, Kuchen, Brod und allerlei Gebackens zurichtete, und unsere Wohnstube aufs herrlichste auszierete, so dass gegen Abend alles in schönster Ordnung war.
Demnach führeten wir, genommener Abrede nach, einander in meine Schlaf-kammer, wo auf einen reinlich gedeckten Tische ein Crucifix stunde, welches wir mit unter des Don Cyrillo Schätzen gefunden hatten. Vor selbigen lag eine aufgeschlagene Bibel. Wir knieten beide vor diesem kleinen Altare nieder, und ich verlass die 3. ersten Capitel aus dem 1. Buch Mose. Hierauff redete ich meine Braut also an: Liebste Concordia, ich frage euch allhier vor dem Angesicht GOTTES und seiner Heil. Engel, ob ihr mich Albert Julium zu einem ehelichen Gemahl haben wollet? gleich wie ich euch zu meiner ehelichen Gemahlin nach Göttlicher Ordnung, aus reinem und keuschen herzen innigst begehre? Concordia antwortete nicht allein mit einem lauten Ja, sondern reichte mir auch ihre rechte Hand, welche ich nach verwechselten Trau-Ringen in die meinige fügte, und also betete: "Du heiliger wunderbarer GOTT, wir glauben ganz gewiss, dass deine Vorsicht an diesem, von aller andern menschlichen Gesellschafft entlegenen Orte, unsere Seelen vereiniget hat, und in dieser Stunde auch die Leiber mit dem heiligen Bande der Ehe zusammen füget, darum soll unter deinem Schutze nichts als der Tod vermögend sein dieses Band zu brechen, und sollte ja auf dein Zulassen ein oder anderer UnglücksFall die Leiber von einander scheiden, so sollen doch unsere Seelen in beständiger Treue mit einander vereinigt bleiben. Concordia sprach hierzu: Amen." Ich aber schlug das 8. Cap. im Buch Tobiä auf, und betete des jungen Tobiä Gebet vom 7. biss zu ende des 9ten Verses; wiewol ich etliche Worte nach unserm Zustande veränderte, auch so viel zusetzte als mir meines Hertzens heilige Andacht eingab. Concordia machte aus den Worten der jungen Sara, die im folgenden 10ten Vers stehen, ein schönes Hertz-brechendes und kräfftiges Gebet. Nach diesem beteten wir einstimmig das Vater Unser und den gewöhnlichen Seegen der Christlichen Kirche über uns, sungen das Lied: Es woll uns GOTT genädig sein, etc. küsseten uns etliche mahl, und führeten einander wieder zurück, bereiteten die Mahlzeit, setzten uns mit unserer kleinen Concordia, die unter währenden Trau-Actu so stille als ein Lamm gelegen hatte, zu Tische, und nahmen unsere speisen nebst dem köstlichen Geträncke in solcher Vergnüglichkeit ein, als wohl jemahls ein Braut-Paar in der ganzen Welt getan haben mag.
Es schien, als ob aller vorher ausgestandener Kummer und Verdruss solchergestalt auf einmal verjagt wäre, wir vereinigten uns von nun an, einander in vollkommener Treue dergestalt hülffliche Hand zu leisten, und unsere Anstalten auf solchen Fuss zu setzen, als ob wir gar keine Hoffnung, von hier hinweg zu kommen, hätten, hergegen aus blosser Lust, Zeit-Lebens auf dieser Insul bleiben, im übrigen alles der Vorsehung des himmels anbefehlen, und alle ängstlichen Sorgen wegen des Zukünfftigen einstellen wolten.
Indem aber die Zeit zum Schlaffen-gehen herbei kam, sagte meine Braut mit liebreichen Gebärden zu mir: Mein allerliebster Ehe-Schatz, ich habe heute mit Vergnügen wahrgenommen, dass ihr in vielen Stücken des jungen Tobiä Sitten nachgefolget seid, deswegen halte vor löblich, züchtig und andächtig, dass wir diesen jungen Ehe-Leuten noch in dem Stücke nachahmen, und die 3. ersten Nachte mit Beten zubringen, ehe wir uns ehelich zusammen halten. Ich glaube ganz gewiss, dass GOTT unsern Ehestand um so viel desto mehr segnen und beglückt machen wird.
Ihr redet, mein Engel, gab ich zur Antwort, als eine vollkommen tugendhaffte, gottesfürchtige und keusche Frau, und ich bin eurer Meinung vollkommen, deswegen geschehe, was euch und mir gefällig ist. Solchergestalt sassen wir alle drei Nachte beisamen, und vertrieben dieselben mit andächtigen Beten, Singen und Bibel-Lesen, schlieffen auch nur des Morgens einige Stunden, in der vierdten Nacht aber opfferte ich meiner rechtmässigen Ehe-Liebste die erste Krafft meiner Jugend, und fand in ihren liebes-vollen Umarmungen ein solches entzückendes Vergnügen, dessen unvergleichliche Vollkommenheit ich mir vor der Zeit nimmermehr vorstellen können.
Wenige Tage hierauf verspürete sie die Zeichen ihrer Schwangerschafft, und die kleine Concordia gewehnete sich von sich selbst, von der Brust gänzlich ab, zu andern speisen und Geträncke. Mittlerweile bescherete uns der Himmel eine abermahlige und viel reichere Wein-Erndte als die vorige, denn wir presseten über 500. Kannen Most aus, truckneten biss 6. Scheffel Trauben auf, ohne was von uns und den Affen die ganze Weinlese hindurch gegessen, auch von den frembden diebischen Affen gestohlen und verderbt wurde. Denn dieses lose Gesindel war wiederum so dreuste worden, dass es sich nicht allein Schaaren-weise in unsern Weinbergen und Saat-Feldern, sondern so gar ganz nahe um unsere wohnung herum sehen und spüren liess