dass mich dieses gewaltig verdross, indem ich solche Freveler mit Steinen und Prügeln verfolgte, waren sie täglich auf guter Hut, und unterstunden sich, ihre eigenen Anverwandten und Cameraden mit Steinwerffen zu verjagen. Diese wichen zwar anfänglich etliche mahl, kamen aber eines Tages etliche 20. stark wieder, und fingen mit unsern getreuen haus-Bedienten einen ordentlichen Krieg an. Ich ersahe dieses von ferne, lieff geschwinde zurück, und langete aus unserer wohnung zwei geladene Flinten, kehrete mich etwas näher zum Kampff-platz, und wurde gewahr, dass einer von den unsern, die mit roten Halss-Bändern gezeichnet waren, stark verwundet zu Boden lag, gab deswegen 2. mahl auf einander Feuer, und legte darmit 3. Feinde darnieder, weswegen sich die ganze feindliche Partei auf die Flucht begab, meine 4. unbeschädigten siegend zurück kehreten, und den beschädigten Alten mit traurigen Gebärden mir entgegen getragen brachten, der aber, noch ehe wir unsere wohnung erreichten, an seiner tödlichen Haupt-Wunde starb.
Es war das Weiblein von den 2. Aeltesten, und ich kan nicht sagen, wie sehr der Wittber und die vermutlichen Kinder sich über diesen Todes-Fall betrübt bezeugten. Ich ging nach unserer Behausung, erzehlete der Concordia, was vorgegangen war, und diese ergriff nebst mir ein Werckzeug, um ein Loch zu machen, worein wir die auf dem Helden-Bette verstorbene Aeffin begraben wolten; allein, wir traffen bei unserer Dahinkunfft niemand an, sondern erblickten von ferne, dass die Leiche von den 4. Leidtragenden in den West-Fluss geworffen wurde, kehreten deswegen zurück, und sahen bald hernach unsere noch übrigen 4. Bedienten ganz betrübt in ihren Stall gehen, worin sie bei nahe zweimahl 24. Stunden ohne Essen und Trincken stille liegen blieben, nachher aber ganz freudig wieder heraus kamen, und nachdem sie tapffer gefressen und gesoffen, ihre vorige Arbeit verrichteten. Mich ärgerte diese Begebenheit dermassen, dass ich alle frembden Affen täglich mit Feuer und Schwerdt verfolgte, und dieselben binnen Monats-Frist in die Waldung hinter der grossen See vertrieb, so, dass sich gar kein eintziger mehr in unserer Gegend sehen liess, mitin konnten wir nebst unsern haus-Dienern in guter Ruh leben, wiewohl der alte Wittber sich in wenig Tagen verlohr, doch aber nebst einer jungen Gemahlin nach 6. Wochen wiederum bei uns einkehrete, und den lächerlichsten Fleiss anwandte, biss er dieselbe nach und nach in unsere Hausshaltung ordentlich gewöhnete, so, dass wir sie mit der Zeit so aufrichtig als die verstorbene erkandten, und ihr, das besondere Gnaden-Zeichen eines roten Halss-Bandes umzulegen, kein Bedencken trugen.
Mittlerzeit war nunmehr ein ganzes Jahr verflossen, welches wir auf dieser Insul zugebracht, deswegen auch der erste fest-Bet- und Fast-Tag gefeiret wurde, der andere, als unser besonderer Trauer-Tag, lieff ebenfalls vorbei, und ich muss gestehen, dass, da wir wenig oder nichts zu arbeiten hatten, unsere Sinnen wegen der erneuerten Betrübniss ganz niedergeschlagen waren. Dieselben, um wiederum in etwas aufzumuntern, ging ich fast täglich mit der Concordia, die ihr Kind im Mantel trug, durch den FelsenGang an die See spatziren, wohin wir seit etlichen Monaten nicht gekommen, erblickten aber mit nicht geringer Verwunderung, dass uns die Wellen einen starcken Vorrat von allerhand eingepackten Waaren und zerscheiterten schiffes-Stücken zugeführet hatten. Ich fassete so gleich den Vorsatz, alles auf unsere Insul zu schaffen, allein, da mir ohnverhofft ein in ziemlicher Weite vorbei fahrendes Schiff in die Augen kam, geriet ich auf einmal ganz ausser mir selbst, so bald aber mein Geist sich wieder erholte, fing ich an zu schreien, zu schiessen, und mit einem Tuche zu wincken, trieb auch solche mühsame, wiewohl vergebliche Bemühung so lange, biss sich gegen Abend so wohl das vorbei fahrende Schiff als die Sonne aus unsern gesicht verlohr, da ich denn meines Teils ganz verdrüsslich und betrübt zurück kehrete, in lauter verwirrten gedanken aber unterweges mit Concordien kein Wort redete, biss wir wieder in unserer Behausung anlangten, wo sich die 5. Affen als Wächter vor die Tür gelagert hatten.
Concordia bereitete die Abend-Mahlzeit, wir speiseten, und hielten hierauf zusammen ein Gespräch, in welchem ich vermerckte, dass sich dieselbe wenig oder nichts um das vorbei gefahrne Schiff bekümmerte, auch grössere Lust auf dieser Insul zu sterben bezeugte, als sich in den Schutz frembder und vielleicht barbarischer Leute zu begeben. Ich hielte ihr zwar dergleichen gedanken, als einer furchtsamen und schwachen Weibs-person, die zumahlen ihres unglücklichen Schicksals halber einen Eckel gegen fernere Lust gefasset, zu gute, aber mit mir hatte es eine ganz andere Beschaffenheit. Und was habe ich eben ursache, meine damahligen natürlichen Affecten zu verleugnen: Ich war ein junger, starcker, und fast 20. jähriger Mensch, der Geld, Gold, Edelgesteine und andere Güter im grössten Uberfluss besass, also gar wohl eine Frau ernehren konte, allein, der Concordia hatte ich einen würcklichen Eid geschworen, ihr mit Vorstellung meiner verliebten Begierden keinen Verdruss zu erwecken, verspürete über dieses die stärcksten Merckmahle, dass sie ihren seel. Ehe-Mann noch nach dessen tod hertzlich liebte, auf die kleine Concordia aber zu warten, schien mir gar zu langweilig, obgleich dieselbe ihrer schönen Mutter vollkommenes Ebenbild vorstellete. Wer kan mich also verdencken, dass meine sehnsucht so hefftig nach der Gesellschafft anderer ehrlichen Leute anckerte, um mich unter