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solcher Winter einfiel, welchen man mit gutem Recht einen warmen und angenehmen Herbst nennen konte, offtermahls fiel zwar ein ziemlicher Nebel und Regen-Wetter ein, allein von durchdringender Kälte, Schnee oder Eis, spüreten wir so wenig als gar nichts, der grasigte Boden blieb immer grün, und der guten Concordia zusammen getragene grosse Heu-Hauffen dieneten zu nichts, als dass wir sie hernach den Affen zum Lust-Spiele Preiss gaben, da sie doch nebst vielen aufgetrockneten Baum-Blättern unserem eingestalleten Viehe zur Winter-Nahrung bestimmt waren. Unsere Saat war nach hertzens-Lust aufgegangen, und die meisten Bäume veränderten sich fast nicht, diejenigen aber, so ihre Blätter verlohren, waren noch nicht einmal völlig entblösset, da sie schon frische Blätter und Blüten austrieben. Solchergestalt wurde es wieder Frühling, da wir noch immer auf den Winter hofften, weswegen wir die Wunder-Hand GOttes in diesem schönen Revier mit erstaunender Verwunderung erkandten und verehreten.

Es war uns aber in der Tat ein wunderbarer Wechsel gewesen, da wir das heilige Weihnachts-fest fast mitten im Sommer, Ostern im Herbst, wenig Wochen nach der Weinlese, und Pfingsten in dem so genannten Winter gefeiert hatten. Doch weil ich in meinen Schul-Jahren etwas weniges in den Land-Charten und auf dem Globo gelernet, auch unter Mons. van Leuvens hinterlassenen wenigen Land-Charten und Büchern eins fand, welches mir meinen natürlichen Verstand ziemlicher massen schärffte, so konte ich mich nicht allein bald in diese Veränderung schicken, sondern auch die Concordia dessen belehren, und meine Tage-Bücher oder Calender auf viele Jahre in Voraus machen, damit wir doch wissen möchten, wie wir uns in die Zeit schicken, und unsern Gottesdienst gleich andern Christen in der weiten Welt anstellen sollten.

Hierbei kan unberühret nicht lassen, dass ich nach der, mit der Concordia genommenen Abrede, gleich in meinen zu erst verfertigten Calender auf das Jahr 1647. drei besondere fest-Bet- und Fast-Tage anzeichnete, als erstlich den 10. Sept. an welchen wir zusammen in diese schöne Insul eingestiegen waren, und deswegen GOtt, vor die sonderbare Lebens-Erhaltung, so wohl im Sturme als Kranckheit und andern Unglücks-Fällen, den schuldigen Danck abstatten wolten. Zum andern den 11. Novembr. an welchen wir jährlich den erbärmlichen Verlust unsers lieben van Leuvens zu beklagen verbunden. Und drittens den 11. Dec. der Concordiens glücklicher Entbindung, hiernächst der Errettung von des Lemelie Schand- und Mord-Streichen, auch unser beiderseits wieder erlangter Gesundheit wegen angestellet war. Diese drei fest-Bet- und Fast-Tage, nebst andern besonderen Feiertagen, die ich Gedächtnisses wegen noch ferner hinzu gefüget, sind biss auf gegenwärtige Zeit von mir und den Meinen allezeit unverbrüchlich gefeiert worden, und werdet ihr, meine Lieben, kommenden Dienstag über 14. Tage, da der 11. Dec. einfällt, dessen Zeugen sein.

Jedoch, fuhr unser Alt-Vater Albertus fort, ich kehre wieder zu den Geschichten des 1647. Jahres, und erinnere mich noch immer, dass wir mit dem neuen Früh-Jahre, so zu sagen, fast von neuen anfingen lebhafft zu werden, da wir uns nämlich der verdrüsslichen Winters-Not allhier auf dieser Insul entübriget sahen.

Wiewohl nun bei uns nicht der geringste Mangel, weder an Lebens-Mitteln, noch andern Bedürffnissen und Bequemlichkeiten vorhanden war, so konte doch ich nicht müssig sitzen, sondern legte einen geraumlichen Küchen-Garten an, und versetzte verschiedene Pflantzen und Wurtzeln hinein, die wir teils aus des Don Cyrillo Beschreibung, teils aus eigener Erfahrung vor die annehmlichsten und nützlichsten befunden hatten, um selbige nach unsern Verlangen gleich bei der Hand zu haben. Hiernächst legte ich mich stark auf das Pfropffen und Fortsetzen junger Bäume, brachte die Wein-Reben in bessere Ordnung, machte etliche fisch-Kästen, setzte allerhand Arten von Fischen hinein, um selbige, so offt wir Lust dazu hatten, gleich heraus zu nehmen, bauete Schuppen und Ställe vor das eingefangene Wildpret und Ziegen, zimmerte Fress-Tröge, wasser-Rinnen und Saltz-Lekken vor selbige Tiere, und mit wenig Worten zu sagen, ich führte mich auf als ein solcher guter haus-Wirt, der Zeit Lebens auf dieser Insul zu verbleiben sich vorgesetzet hätte.

Inzwischen, ob gleich bei diesem allen Concordia mir wenig helffen durffte, so sass sie doch in dem haus niemals müssig, sondern nehete vor sich, die kleine Tochter und mich allerhand nötige KleidungsStücke, denn wir hatten in denen, auf den Sand-Bäncken angeländeten Ballen, vieles Tuch, Seiden-Zeug und Leinwand gefunden, so, dass wir vor unsere und wohl noch 20. Personen auf Lebens-Zeit notdürfftige Kleider daraus verfertigen konnten. Es war zwar an vielen Tüchern und seidenen Zeugen durch das eingedrungene See-wasser die Farbe ziemlich verändert worden, jedoch weil wir alles in der Sonne zeitlich abgetrocknet hatten, ging ihm an der Haltbarkeit ein weniges ab, und um die Zierlichkeit bekümmerten wir uns noch weniger, weil Concordia das schlimste zu erst verarbeitete, und das beste biss auf künfftige zeiten versparen wolte, wir aber der Mode wegen einander nichts vor übel hielten.

Unsere Saat-Felder stunden zu gehöriger Zeit in erwünschter Blüte, so, dass wir unsere besondere Freude daran sahen, allein, die frembden Affen gewöhneten sich stark dahin, rammelten darinnen herum, und machten vieles zu schanden, da nun unsere HaussAffen merckten,