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, deswegen fing ich an, oben auf dem Hügel, neben der schönen Lauber-Hütte, ein bequemes Häusslein nebst einer kleinen Küche zu bauen, auch einen kleinen Keller zu graben, in welchen letzteren wir unser Geträncke, so wohl als das frische Fleisch und andere Sachen, vor der grossen Hitze verbergen könnten. Hiernechst machte ich vor die kleine Tochter zum Feierabende, an einem abgelegenen Orte, eine bequeme, wiewol nicht eben allzu zierliche Wiege, worüber meine Hausswirtin, da ich ihr dieselbe unverhofft brachte, eine ungemeine Freude bezeigte, und dieselbe um den allergrösten Gold-Klumpen nicht vertauscht hätte, denn das Wiegen gefiel den kleinen Mägdelein dermassen wohl, dass wir selbst unsere eintzige Freude daran sahen.

Unser ganzer Geträyde-Vorrat, welchen wir auf dieser Insul unter den wilden Gewächsen aufgesammlet hatten, bestund etwa in drei Hütten voll Europäischen Korns, 1. Hut voll Weitzen, 4. Hütten Gerste, und zwei ziemlich grossen Säcken voll Reiss, als von welchem letzteren wir Mehl stampften, solches durchsiebeten und das Kind damit nehreten, einen Sack Reiss aber, nebst dem andern Geträyde, zur Ausssaat spareten. Uber dieses alles, fanden sich auch bei nahe 2. Hüte voll Erbsen, sonsten aber nichts von bekandten Früchten, desto mehr aber von unbekandten, deren wir uns zwar nach und nach zur Leibes-Nahrung, in Ermangelung des Brodtes gebrauchen lerneten, doch ihre Nahmen als Plantains, James, Patates, Bananes und dergleichen mehr, nebst deren bessern und angenehmern Nutzung, erfuhren wir erstlich in vielen Jahren hernach von Robert Hŭlter, der kleinen Concordia nachherigem Ehe-mann.

Inzwischen wandte ich damaliger Zeit, jedes Morgens frühe 3. Stunden, und gegen Abend eben so viel, zu Bestellung meiner Aecker an, und zwar in der Gegend wo voritzo der grosse Garten ist, weil ich selbigen Platz, wegen seiner Nähe und Sicherheit vor dem Wilde, am geschicktesten dazu hielt. Die übrigen Tages-Stunden aber, ausser den Mittags-Stunden, in der grössten Hitze, welche ich zum Lesen und aufschreiben aller Dinge die uns begegneten, anwandte, machte ich mir andern Zeitvertreib, indem ich einige kleine Plätze stark verzäunete, und die auf listige Art gefangenen Ziegen, nebst andern jungen Wildpret hinein sperrete welches alles Concordia täglich mit gröster Lust speisete und tränckte, die Milchtragenden Ziegen aber, nach und nach, so zahm machte, dass sie sich ihre Milch gutwillig nehmen liessen, die wir nicht allein an sich selbst zur Speise vor klein und grosse gebrauchen, sondern auch bald einen ziemlichen Vorrat von Butter Käse bereiten konnten, indem ich biñen Monats-Frist etliche 20. Stück melkkende, halb so viel andere, und 9. Stück jung Wildpret eingefangen hatte.

Wir ergötzten uns ganz besonders, wenn wir an unsere zukünfftige Saat und Erndte gedachten, weil der Appetit nach ordentlichen Brodte ganz ungemein war, gebrauchten aber mittlerweile an dessen statt öffters die gekochten Wildprets-Lebern, als worzu wir unsere Käse und Butter vortrefflich geniessen konnten.

Solchergestalt wurden die heissesten Sommer-Monate ziemlich vergnügt hingebracht, ausgenommen, wenn uns die erlittenen Trauer-Fälle ein betrübtes Zurückdencken erweckten, welches wir aber immer eines dem andern zu gefallen, so viel möglich, verbargen, um unsere in etwas verharrschten Hertzens-Wunden nicht von neuen aufzureissen, mitin das ohne dem einsame Leben zu verbittern, oder solche Leute zu heissen, die wider das Verhängniss und Straff-Gerichte GOttes murren wolten.

Der gütige Himmel schenckte uns mittler Zeit einen angenehmen Zeit-Vertreib mit der Wein-Erndte, indem wir ohne die Trauben, deren wir täglich viel verzehreten, wider alles Vermuten ungefähr 200. Kannen Most ausdrücken, und 2. ziemlich grosse Säcke voll aufgetrocknete Trauben samlen konnten, welches gewiss eine herrliche Sache zu unserer Wirtschafft war. Unsere Untertanen, die Affen, schienen hierüber sehr verdrüsslich zu sein, indem sie vielleicht selbst grosse Liebhaber dieser edlen Frucht waren, hatten auch aus Leichtfertigkeit viel zu Schanden gemacht, doch, da ich mit der Flinte etliche mahl blind Feuer gegeben, gerieten sie in ziemlichen Gehorsam und Furcht.

Ich weiss nicht, wie es kommen war, dass Concordia eines Tages einen mittelmässigen Affen, unter einem Baum liegend, angetroffen, welcher das rechte Hinterbein zerbrochen, und sich jämmerlich geberdet hatte. Ihr gewöhnliches weichhertziges Gemüt treibt sie so weit, dass, ungeachtet dergleichen Tiere ihre Gnade sonsten eben nicht sonderlich hatten, sie diesen verunglückten allerhand Liebkosungen machet, sein zerbrochenes Bein mit einem Tuche umwindet, ja so gar den armen Patienten in ihren Schooss nimmt, und so lange sitzen bleibt, biss ich dazu kam, und die ganze Begebenheit vernahm. Wir trugen also denselben in unser Wohn-haus, verbunden sein Bein mit Pflastern, Schindeln und Binden, und legten ihn hin auf ein bequemes Lager, deckten auch eins von unsern Haupt-Küssen über seinen körper, und gingen wieder an unsere Arbeit. Gegen Mittag aber, da wir zurück kamen, erschrack ich anfänglich einiger massen, da sich 2. alte Affen, welche ohne Zweiffel des Patienten Eltern sein mochten, bei demselben aufhielten. Ich wuste anfänglich nicht, ob ich trauen durffte oder nicht? Doch da sie sich ungemein betrübt und demütig stelleten, nahete ich mich hinzu, strich den Patienten sanfft auf das Haupt, sah nach seinem Beine, und befand, dass er unverrückt liegen geblieben war, weswegen er noch ferner von mir gestreichelt und mit etlichen guten Früchten gespeiset wurde. Die 2. Alten so