in so weit ausser aller Gefahr zu sein; Allein die Reihe des kranckliegens war nun an mir, denn weil ich meine Haupt-Wunde nicht so wohl als die auf der Schulter warten können, geriet dieselbe erstlich nach 12. Tagen dermassen schlimm, dass mir der Kopf hefftig auffschwoll, und die innerliche grosse Hitze den ganzen körper aufs grausamste überfiel.
War mein Bezeugen bei Concordiens Unpässlichkeit ängstlich und sorgfältig gewesen, so muss ich im gegenteil bekennen, dass ihre Bekümmerniss die meinige zu übertreffen schien, indem sie mich besser als sich und ihr Kind selbst pflegte und wartete. Meine Wunden wurden mit ihrer Milch ausgewaschen, und mit darein getauchten Tüchleins bedeckt, mein ganzes gesicht, Hande und Füsse aber belegte sie mit dergleichen Blättern, welche ihr so gute Dienste getan hatten, suchte mich anbei mit den kräfftigsten speisen und Geträncke, so nur zu erfinden war, zu erquicken. Allein es wolte binnen 10. Tagen nicht das geringste anschlagen, sondern meine Kranckheit schien immer mehr zu, als ab zu nehmen, welches Concordia, ungeachtet ich mich stärcker stellte, als ich in der Tat war, dennoch merckte, und deswegen vor Hertzeleid fast vergehen wolte. Ich bat sie instandig, ihr Betrübniss zu mässigen, weil ich das feste Vertrauen zu GOTT hätte, und fast ganz gewiss versichert wäre, dass er mich nicht so früh würde sterben lassen; Allein sie konte ihrem Klagen, Seufzen u. Tränen, durchaus keinen Einhalt tun, wolte ich also haben, dass sie des Nachts nur etwas ruhen sollte, so muste mich zwingen, stille zu liegen, und tun als ob ich feste schlieffe, obgleich offters der grossen Schmertzen wegen in 2. mal 24. Stunden kein rechter Schlaf in meine Augen kam. Da ich aber einsmals gegen Morgen sehr sanfft eingeschlummert war, träumte mich, als ob Don Cyrillo de Valaro vor meinem Bette sässe, mich mit freundlichen Gebärden bei der rechten Hand anfassete und spräche: Ehrlicher Albert! sage mir doch, warum du meine hinterlassenen Schrifften zu deinem eigenen Wohlsein nicht besser untersuchest. Gebrauche doch den Safft von diesem Kraut und Wurtzel, welches ich dir hiermit im Traume zeige, und welches häuffig vor dem Aussgange der Höle wächset, glaube dabei sicher, dass dich GOtt erhalten und deine Wunden heilen wird, im übrigen aber erwege meine Schrifften in Zukunfft etwas genauer, weil sie dir und deinen Nachkommen ein herrliches Licht geben.
Ich fuhr vor grossen Freuden im Schlafe auf, und streckte meine Hand nach der Pflantze aus, welche mir, meinen gedanken nach, von Don Cyrillo vorgehalten wurde, merckte aber sogleich, dass es ein Traum gewesen. Concordia fragte mit weinenden Augen nach meinem Zustande. Ich bat, sie sollte einen frischen Mut fassen, weil mir GOTT bald helffen würde, nahm mir auch kein Bedencken, ihr meinen nachdencklichen Traum völlig zu erzehlen. Hierauff wischete sie augenblicklich ihre Tränen ab, und sagte: Mein Freund, dieses ist gewiss kein blosser Traum, sondern unfehlbar ein Göttliches gesicht, hier habt ihr des Don Cyrillo Schriften, durchsuchet dieselben aufs fleissigste, ich will inzwischen hingehen und vielerlei Kräuter abpflücken, findet ihr dasjenige darunter, welches ihr im schlafe gesehen zu haben euch erinnern könnet, so wollen wir solches in GOTTES Nahmen zu euerer Artzenei gebrauchen.
Mein Zustand war ziemlich erleidlich, nachdem sie mir also des Don Cyrillo Schrifften, nebst einer brennenden Lampe vor mein Lager gebracht, und eilig fortgegangen war, fand ich ohne mühsames suchen diejenigen Blätter, welche van Leuven und ich wenig geachtet, in Lateinischer Sprache unter folgenden Titul: "Verzeichniss, wie, und womit ich die, mir in meinen mühseeligen Leben gar öffters zugestossenen Leibes-Gebrechen und Schäden geheilet habe." Ich lief dasselbe so hurtig durch, als es meine nicht allzuvollkommene Wissenschafft der Lateinischen Sprache zuliess, und fand die Gestalt, Tugend und Nutzbarkeit eines gewissen Wund-Krauts, so wohl bei der gelegenheit, da dem Don Cyrillo ein Stück Holtz auf dem Kopf gefallen war, als auch da er sich mit dem Beile eine gefährliche Wunde ins Bein versetzt, nicht weniger bei andern Beschädigungen, dermassen eigentlich und ausführlich beschrieben, dass fast nicht zweiffeln konte, es müste eben selbiges Kraut und Wurtzel sein, welches er mir im Traume vorgehalten. Unter diesem meinen Nachsinnen, kam Cordia mit einer ganzen Schürtze voll Kräuter von verschiedenen Arten und Gestallten herbei, ich erblickte hierunter nach wenigen herum werffen gar bald dasjenige, was mir Don Cyrillo so wohl schrifftlich bezeichnet, als im Traume vorgehalten hatte. deswegen richteten wir selbiges nebst der Wurtzel nach seiner Vorschrifft zu, machten anbei von etwas Wachs, Schiff-Pech und Hirsch-Unschlit ein Pflaster, verbanden damit meine Wunden, und legten das zerquetschte Kraut und Wurtzel nicht allein auf mein Gesicht, sondern fast über den ganzen Leib, worvon sich die schlimmen Zufälle binnen 4. oder 5. Tagen gänzlich verlohren, und ich nach Verlauff zweier Wochen vollkommen heil und gesund wurde.
nunmehr hatte so wohl ich als Concordia recht erkennen lernen, was es vor ein edles tun um die Gesundheit sei. Als wir deswegen unser Te Deum laudamus abgesungen und gebetet hatten, wurde Rat gehalten, was wir in Zukunfft täglich vor Arbeit vornehmen müsten, um unsere kleine Wirtschafft in guten Stand zu setzen, damit wir im fall der Not sogleich alles, was wir brauchten, bei der Hand haben könnten. Tag und Nacht in der unterirrdischen, ob zwar sehr bequemen Höle zu wohnen, wolte Concordien durchaus nicht gefallen