, die folgende Zeilen zu lesen gab:
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Auf dieser unglückseeligen Stelle
ist im Jahre Christi 1646.
am 11. Novembr.
der fromme Carl Franz van Leuven,
von dem gottlosen Schand-Buben Lemelie
meuchelmörderischer Weise
zum Felsen hinab gestürtzt und
elendiglich zerschmettert worden.
Doch seine Seele
wird ohne Zweiffel bei GOtt
in Gnaden sein.
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Unser guter Alt-Vater Albertus hatte sich mit grosser Mühe auch an diesen Ort bringen lassen, und zeigete uns die Stelle, wo er nunmehr vor 79. Jahren und etlichen Tagen den körper seines Vorwirts, zerschmettert liegend, angetroffen. Wir mussten erstaunen, da wir die Gefahr betrachteten, in welche er sich gesetzt, denselben in die Höhe zu bringen. Voritzo aber war daselbst ein zwar sehr enger, doch bequemer Weg biss an die See gemacht, welchen wir hinunter stiegen, und in der Bucht, Sud-Westwärts, ein ziemlich starckes Fahrzeug antraffen, womit die Unserigen öffters nach einer kleinern Insul zu fahren pflegten, indem dieselbe nur etwa 2. Meilen von der FelsenInsul entlegen war, in Umfange aber nicht vielmehr als 5. oder 6tehalb deutsche Meilen haben mochte.
Es wurde beschlossen, dass wir nächstens das Fahrzeug ausbessern, und eine Spatzier-Fahrt nach besagter kleinen Insul, welche Albertus klein Felsen-Burg benennet hatte, vornehmen wolten. Vor diessmal aber nahmen wir unsern Rückweg durch Johannis-Raum, reichten den Einwohnern die gewöhnlichen Geschencke, wurden dagegen von ihnen mit einer vollkommenen guten Mahlzeit bewirtet, die uns, weil die Mittags-Mahlzeit nicht ordentlich gehalten worden, trefflich zu statten kam, nahmen hierauff danckbarlichen Abschied, und kamen diesen Abend etwas später als sonsten auf der Albertus-Burg an.
Dem ungeachtet, und da zumalen niemand weiter etwas zu speisen verlangete, sondern wir uns mit etlichen Schaalen Coffeé, nebst einer Pfeiffe Toback zu behelffen beredet, setzte bei solcher gelegenheit unser Altvater seine Geschichts-Erzehlung dergestalt fort:
Ich habe gestern gemeldet, wie wir damahligen beiden Patienten die Mahlzeit mit guten Appetit verzehret, jedoch Concordia befand sich sehr übel drauff, indem sie gegen Abend ein würckliches Fieber bekam, da denn der abwechselende Frost und Hitze die ganze Nacht hindurch währete, weswegen mir von herzen angst und bange wurde, so dass ich meine eigenen Schmertzen noch lange nicht so hefftig, als der Concordiæ Zufall empfand.
Von Artzeneien war zwar annoch ein sehr weniges vorhanden, allein wie konte ich wagen ihr selbiges einzugeben? da ich nicht den geringsten Verstand oder Nachricht hatte, ob ich meiner Patientin damit helffen oder schaden könnte. Gewiss es war ein starckes versehen von Mons. van Leuven gewesen, dass er sich nicht mit einem bessern Vorrat von Artzeneien versorgt hatte, doch es kan auch sein, dass selbige mit verdorben waren, genug, ich wuste die ganze Nacht nichts zu tun, als auf den Knien bei der Concordia zu sitzen, ihr den kalten Schweiss von Gesicht und Händen zu wischen, dann und wañ kühlende Blätter auf ihre Stirn und arme zu binden, nächst dem den allerhöchsten Artzt um unmittelbare kräfftige Hülffe anzuflehen. Gegen Morgen hatte sie zwar, so wohl als ich, etwa 3. Stunden schlaff, allein die vorige Hitze stellte sich Vormittags desto hefftiger wieder ein. Die arme kleine Concordia fing nunmehr auch, wie ich glaube, vor Hunger und Durst, erbärmlich an zu schreien, verdoppelte also unser Hertzeleid auf jämmerliche Art, indem sie von ihrer Mutter nicht einen Tropffen Nahrungs-Safft erhalten konte. Es war mir allbereit in die gedanken kommen, ein paar melkkende Ziegen einzufangen, allein auch diese Tiere waren durch das öfftere schiessen dermassen wild worden, dass sie sich allezeit auf 20. biss 50. Schritt von mir entfernt hielten, also meine 3. stündige Mühe vergeblich machten, also traf ich meine beiden Concordien, bei meiner Zurückkunfft, in noch weit elendern Zustande an, indem sie vor Mattigkeit kaum noch lechzen konnten. Solchergestallt wuste ich kein ander Mittel, als allen beiden etwas von dem mit reinen wasser vermischten Palm-Saffte einzuflössen, indem sie sich nun damit ein wenig erquickten, gab mir der Himmel einen noch glücklichern Einfall. Denn ich lieff alsobald wieder fort, und trug ein Körblein voll von der den Europäischen Apricosen oder Morellen gleichförmigen, doch weit grösseren Frucht ein, schlug die harten Kernen entzwei, und bereitete aus den inwendigen, welche an Annehmlichund Süssigkeit die süssen Mandeln bei weiten übertreffen, auch noch viel gesünder sein, eine unvergleichlich schöne Milch, so wohl auch ein herrliches Gemüse, mit welchen beiden ich das kleine Würmlein ungemein kräfftig stärcken und ernehren konte.
Concordia vergoss teils vor Schmertzen und Jammer, teils vor Freuden, dass sich einige Nahrung vor ihr Kind gefunden, die heissesten Tränen. Sie kostete auf mein Zureden die schöne Milch, und labete sich selbst recht hertzlich daran, ich aber, so bald ich dieses merckte: setzte alle unwichtige Arbeit bei seite, und tat weiter fast nichts anders als dergleichen Früchte in grosser Menge einzutragen, und Kernen aufzuschlagen, jedoch durffte nicht mehr als auf einen Tag und Nacht Milch zubereiten, weil die Übernächtige ihre schmackhaffte Krafft allezeit verlohr.
Solchergestalt befand sich nun nicht allein das Kind vollkommen befriediget, sondern die Mutter konte 4. Tage hernach selbiges, zu aller Freude, aus ihrer Brust stillen, und am 6ten Tage frisch und gesund das Bette verlassen, auch, wiewol wider meinen Rat, allerhand Arbeit mit verrichten. Wir danckten dem Allmächtigen hertzlich mit beten und singen vor dessen augenscheinliche Hülffe, und meineten nunmehr