ersehener gelegenheit die gedanken ein, euren seeligen Mann von der Klippe herunter zu stürtzen. – – – Concordia wolte bei Anhörung dieser beichte ohnmächtig werden, jedoch der wenige Rest einer bei sich habenden, balsamischen Artzenei, stärckte sie, nebst meinem zwar ängstlichen doch kräfftigen Zureden, dermassen, dass sie das Ende dieser jämmerlichen und erschrecklichen Geschicht, mit ziemlicher Gelassenheit vollends abwarten konte.
Lemelie fuhr demnach im reden also fort: Euer Ehe-Mann, Concordia! kam, indem er ein schönes Morgen-Lied sang, die Klippe hinauff gestiegen, und erblickte mich Seitwarts mit der Flinte im Anschlage liegen. Er erschrack hefftig, ungeachtet ich nicht auf ihn, sondern nach einem gegen mir über sitzenden Vogel zielete, dem er mit seiner Ankunfft verjagte. Wiewohl mir nun der Teuffel gleich in die Ohren bliess, diese schöne gelegenheit, ihn umzubringen, nicht vorbei streichen zu lassen, so war doch ich noch listiger, als hitzig, warff meine Flinte zur Erden, eilete und umarmete den van Leuven, und sagte: Mein edler Freund, ich spüre dass ihr vielleicht einen bösen Verdacht habt, als ob ich nach eurem Leben stünde; Allein entweder lasset selbigen fahren, oder erschiesset mich auf der Stelle, denn was ist mir mein verdriessliches Leben ohne eure Freundschafft auf dieser einsamen Insul sonsten nütze. Van Leuven umarmete und küssete mich hierauff gleichfalls, versicherte mich seiner aufrichtigen und getreuen Freundschafft, setzte auch viele gute Vermahnungen hinzu, vermöge deren ich mich in Zukunfft tugendhaffter und Gottesfürchtiger aufführen möchte. Ich schwur ihm alles zu, was er vermutlich gern von mir hören und haben wolte, weswegen wir dem äuserlichen Ansehen nach, auf einmal die allerbesten Freunde wurden, unter den vertraulichsten Gesprächen aber lockte ich ihn unvermerckt auf den obersten Gipffel des Felsens, und zwar unter dem Vorwande, als ob ich ein von ferne kommendes Schiff wahrnähme, da nun der höchsterfreute van Leuven, um selbiges zu sehen, auf die von mir angemerckte gefährlichste Stelle kam, stürtzte ich ihn mit einem eintzigen stosse, und zwar an einem solchen Orte hinab, wo ich wuste, dass er augenblicklich zerschmettern muste. Nachdem ich seines Todes völlig versichert war, ging ich mit zittern zurücke, weil mir die Worte seines gesungenen Morgen Liedes:
Nimmstu mich, GOTT in deine hände,
So muss gewiss mein Lebens Ende
Den Meinen auch zum Trost gedeihn,
Es mag gleich schnell und kläglich sein.
gar nicht aus den gedanken fallen wolten, biss der Teuffel und meine unzüchtigen Begierden mir von neuen einen Mut und, wegen meines künfftigen Verhaltens, ferner Lehren einbliesen. Jedoch, sprach er mit seufftzender und heiserer stimme: mein Gottesund Ehrvergessenes Aufführen kan euch alles dessen nachdrücklicher und besser überzeugen, als mein beschwerliches Reden. Und Mons. Albert, euch war der tot ebenfalls schon vorlangst geschworen, insoweit ihr euch als einen Verhinderer meines Vergnügens angeben, und mir nicht als einem Befehlshaber gehorchen würdet, jedoch das Verhängniss hat ein anders beschlossen, indem ihr mich wiewol wieder euren willen tödtlich verwundet habt. Ach machet deswegen meiner zeitlichen Marter ein Ende, rächet eure Freunde und euch selbst, und verschaffet mich durch den letzten Todes-Stich nur bald in das vor meine arme Seele bestimmte Quartier zu allen Teuffeln, denn bei GOTT ist vor dergleichen Sünder, wie ich bin, weder Gnade noch Barmhertzigkeit zu hoffen.
Hiermit blieb er stille liegen. Concordia aber und ich setzten allen unseren anderweitigen Jammer bei Seite, und suchten des Lemelie Seele durch die trostreichsten Sprüche aus des Teufels Rachen zu reissen. Allein, seine Ohren waren verstopfft, und ehe wir uns dessen versahen, stach er sich, mit einem bei sich annoch verborgen gehaltenen Messer, in etlichen Stichen das Hertze selbst vollends ab, und bliess unter grässlichen Brüllen seine unfehlbar ewig verdammte Seele aus. Concordia und ich wusten vor Furcht, Schrecken und überhäuffter Betrübniss nicht, was wir anfänglich reden oder tun sollten, doch, nachdem wir ein paar Stunden vorbei streichen lassen, und unsere Sinnen wieder in einige Ordnung gebracht hatten, schleppte ich den schändlichen körper bei den Beinen an seinen Ort, und begrub ihn als ein Vieh, weil er sich im Leben noch viel ärger als ein Vieh aufgeführet hatte.
Das war also eine zwar kurtze, doch mehr als Erstaunens-würdige Nachricht von dem schändlichen Leben, tod und Begräbniss eines solchen Menschen, der der Erden eine verfluchte unnütze Last, dem Teuffel aber eine desto nützlichere Creatur gewesen. Welcher Mensch, der nur ein Füncklein Tugend in seiner Seelen heget, wird nicht über dergleichen Abschaum aller Laster erstaunen, und dessen durchteuffeltes Gemüte verfluchen? Ich vor meine person hatte recht vom Glücke zu sagen, dass ich seinen Mord-Streichen, noch so zu sagen, mit blauen Augen entkommen war, wiewohl ich an meinen empfangenen Wunden, die, wegen der sauren Arbeit bei dem Begräbnisse dieses Höllenbrandes, stark erhitzt wurden, nachher Angst und Schmertzen genug auszustehen hatte.
Meine annoch eintzige Unglücks-Gefährtin, nämlich die Concordia, traff ich bei meiner Zurückkunfft sich fast in Tränen badend an, weil ich nun der eintzige Zeuge ihres Jammers war, und desselben Ursprung nur allzu wohl wuste, wegen ihrer besonderen Gottesfurcht und anderer Tugenden aber in meiner Seelen ein hefftiges Mitleiden über ihre unglückliches Verhängniss hegte, und mein selbst eigenes teil ziemlich dabei hatte, so war mir um so viel desto leichter, ihr im klagen und weinen Gesellschafft zu leisten, also vertiefften wir uns dermassen in unserer Betrübniss, dass wir den ganzen Tag biss zu