1731_Schnabel_088_61.txt

begierig hinein, und hub mit matter stimme zu sagen an: Was habt ihr vor Vergnügen Mons. Albert, mich ferner zu quälen, da ich nicht die allergeringste Macht habe euch fernern Schaden zu tun, erzeiget mir deswegen die Barmhertzigkeit, meine hände und Füsse von den schmertzlichen Banden zu erlösen, ich will euch so dann ein offenhertziges Bekänntniss meiner abscheulichen Missetaten tun, nach diesem aber werdet ihr mich meiner Bitte gewähren, und mir mit einem tödtlichem Stosse den wohlverdienten Lohn der Bossheit geben, mitin meiner Leibes- und Gewissens-Quaal ein Ende machen, denn ihr seid dessen, eurer Rache wegen wohl berechtiget, ich aber will solches annoch vor eine besondere Gnade der Menschen erkennen, weil ich doch bei GOTT keine Gnade und Barmhertzigkeit zu hoffen habe, sondern gewiss weiss, dass ich in dem Reiche des Teuffels, welchem ich mich schon seit vielen Jahren ergeben, auf ewig verbleiben werde.

Es stunden uns bei diesen seinen letzten Worten die Haare zu Berge, doch nachdem ich alle, mir verdächtig vorkommende Sachen, auf die Seite geschafft und versteckt hatte, wurden seine hände und Füsse der beschwerlichen Bande entlediget, und der tödtlich verwundete körper auf eine Matratze gelegt. Er empfand einige Linderung der Schmertzen, wolte aber seine empfangene Wunde weder anrühren noch besichtigen lassen, hielt im gegenteil an die Concordia und mich ohngefehr folgende Rede.

Wisset sagte er, dass ich aus einem der allervornehmsten Geschlechte in Franckreich entsprossen bin, welches ich, indem es mich als einen rechten Greuel der Tugenden erzeuget, nicht einmal nahmhafft machen will. Ich habe in meinem 18den Jahre meine leibliche Schwester genotzüchtiget, und nachher, da es ihr gefiel, in die 3. Jahr Blut-Schande mit derselben getrieben. Zwei Huren-Kinder, die binnen der Zeit von ihr kamen, habe ich ermordet, und in Schmeltz-Tiegeln als eine besondere kostbare Massam zu Asche verbrannt. Mein Vater und Mutter entdeckten mit der Zeit unsere abscheuliche Blutschande, liessen sich auch angelegen sein, eine fernere Untersuchung unsers Lebens anzustellen, doch weil ich alles bei zeiten erfuhr, wurden sie beide in einer Nacht durch beigebrachtes Gifft in die andere Welt geschickt. Hierauff wolten meine Schwester und ich als Ehe-Leute, unter verwechselten Nahmen, nach Spanien oder Engelland gehen, allein eine andere wollüstige Hure zohe meine gestilleten Begierden vollends von der Schwester ab, und auf sich, weswegen meine um Ehre, Gut und Gewissen betrogene Schwester, sich nebst ihrer dritten von mir tragenden LeibesFrucht selbst ermordete, denen Gerichten aber ein offenhertziges Bekänntniss, meiner und ihrer Schand und Mordtaten, schrifftlich hinterliess, ich aber hatte kaum Zeit, mich, nebst meiner neu erwehlten Hure, und etlichen kostbaren Sachen, unter verstellter Kleidung und Nahmen, aus dem land zu machen. – – Hier wolte dem Bösewicht auch seine eigene schändliche Zunge den Dienst versagen, weswegen ich, selbige zu stärcken, ihm noch einen Becher Palmen-Safft reichen muste, worauff er seine Rede also fortsetzte:

Ich weiss und mercke sagte er, dass ich nicht eher sterben kan, biss ich auch den sterblichen Menschen den meisten teil meiner schändlichen Lebens-Geschicht offenbaret habe, wisset demnach, dass ich in Engelland, als wohin ich mit meiner Hure geflüchtet war, nicht allein diese, wegen ihrer Untreue, sondern nebst derselben 19. Seelen allein durch Gifft hingerichtet habe.

Indessen aber hatte mich doch am Englischen hof, auf eine ziemliche Stuffe der Glückseligkeit gebracht, allein mein Ehrgeitz und ausschweiffende Wollust stürtzten den auf üblen grund ruhenden Bau, meiner zeitlichen Wohlfart gar bald darnieder, so dass ich unter abermals verwechselten Nahmen und in verstelleter Kleidung, als ein Boots-Knecht, sehr arm und elend aus Engelland abseegeln muste.

Ein ganz besonderes Glücke führte mich endlich auf ein Holländisches Caper-Schiff, und machte nach und nach aus mir einen ziemlich erfahrnen See-Mann, allein wie ich mich durch Gifft-mischen, MeuchelMord, Verräterei und andere Rancke mit der Zeit biss zu dem Posten eines Capitains erhoben, ist wegen der kurtzen Frist, die ich noch zu leben habe, unmöglich zu erzehlen. Der letztere Sturm, dergleichen ich noch niemals, ihr aber nebst mir ausgestanden, hätte mich bei nahe zur Erkäntniss meiner Sünden gebracht, allein der Satan, dem ich mich bereits vor etlichen Jahren mit Leib und Seele verschrieben, hat mich durchaus nicht dahin gelangen lassen, im Gegenteil mein Hertze mit immerwährenden Bossheiten angefüllet. – – Er forderte hierbei nochmals einen Trunck Palmen-Safft, tranck, sah hierauff die Concordia mit starren Augen an, und sagte: Bejammerns-würdige Concordia! Nehmet den Himmel zu einem Artzte an, indem ich eure noch nicht einmal verblutete HertzensWunde von neuen aufreisse, und bekenne: dass ich gleich in der ersten Minute, da eure Schönheit mir in die Augen gefallen, die verzweiffeltesten Anschläge gefasset, eurer person und Liebe teilhafftig zu werden. Mehr als 8. mal habe ich noch auf dem Schiffe gelegenheit gesucht, euren seeligen Gemahl mit Giffte hinzurichten: doch da er ohne eure Gesellschafft selten gegessen oder getruncken hat, euer Leben aber, mir allzukostbar war, sind meine Anstalten jederzeit vergeblich gewesen. Oeffentlich habe niemals mit ihm anzubinden getrauet, weil ich wohl gemerckt, dass er mir an Hertzhafftigkeit überlegen, und ihn hinterlistiger Weise zu ermorden, wolte auch lange Zeit nicht angehen, da ich befürchten muste, dass ihr desswegen einen tödtlichen Hass auf mich werffen möchtet. Endlich aber gab mir der Teuffel und meine verfluchte Begierde, bei