. Wie nun bei derselben kein Wiederraten verfangen wolte, (um sich diesen grimmigen und reissenden Tieren nicht entgegen zu stellen) so stunden vielen unter uns die Haare zu Berge, da wir dieselbe in den Vorhoff des Löwen-Hauses eintreten sahen; Allein der alte Löwe kam ihr sogleich entgegen gelauffen, warff sich zu ihren Füssen, küssete ihr die hände, weltzerte sich aus Freuden zu vielen mahlen auf dem platz herum, ja! er war so verwegen, sich auf die Hinter-Pfoten zu setzen, mit den Vorder-Pfoten aber die Prinzessin auf das allerfreundlichste zu umarmen, und ihr das Angesicht zu belecken.
Kaum hatte die Löwin dergleichen Complimente gesehen, als sie dieselben auf eben die Art und Weise recht possierlich und liebreich nachmachte, worüber allen Zuschauern ein Grauen und Schrecken ankam; allein, nachdem sich die Prinzessin in dem Gehäuse und Vorhofe über 2. Stunden lang mit beiden Löwen ergötzt, der schönen jungen Löwin aber etliche Stükke Confect zur Speise dargereicht (als welches dieselbe mit besonderm Appetite zu sich nahm) so kam unsere Prinzessin Christiana vergnügt und unbeschädiget zurück auf die Burg.
Nachdem auf diese besondere Begebenheit etwa 6. oder 8. Wochen verflossen, höreten wir in einer stockfinstern Nacht ein entsetzliches Brüllen beider Löwen, welches fast bis zum Aufgange der Sonne immer abwechselend fort wühtete. Die Behertztesten unter uns gingen mit Ober- und Unter-Gewehr hin, um zu erfahren, ob etwa eine Verräterei unter Handen, oder was den Löwen allen beiden sonsten zugestossen wäre; allein wir höreten weiter nichts, als in dem Löwen-haus zu etlichen mahlen ein Winseln und Wehklagen mit untermischten Brüllen, weswegen wir denn auf die gedanken gerieten, dass diese beiden Ehe-Gatten, die vielleicht nicht recht mit einander zufrieden sein möchten, sich wohl etwa gar umbringen wolten, mitin uns denn nicht weiter um sie bekümmerten, sondern ihnen ihre Sache zu eigener Ausmachung überliessen.
Es befand sich aber diese ganze Sache weit anders, als wir uns dieselbe eingebildet hatten: denn da die Prinzessin Christiana gleich, nachdem sie gefrühstückt hatte, sich in das Löwen-haus begab, traf sie darinnen 3. neugebohrne junge Löwen, nämlich 1. Männlein und 2. fräulein darinnen an, die mit sich umgehen liessen, so, wie man sonsten mit jungen Hunden und Katzen umzugehen pflegt. Wie wir nun auch über diese Vermehrung der Tiere zum teil eine ganz besondere Freude empfanden, als wurden den alten so wohl, wie den jungen Löwen die besten Lecker-speisen zugebracht, wobei wir dieses bemerckten, dass ihnen der Wein besser zu Halse ging, als das klare Quell-wasser. Es sind die kleinen Löwgen rechte Liebens-würdige Tiere, wir aber sind dennoch gesonnen, so bald als sie der Mutter-Milch entbehren können, dieselben auf die Insul Klein-Felsenburg hinüber zu schaffen, wo sie sich denn zugleich auf eine Zeitlang ferner vermehren können, zumahlen, da es uns eine kleine Mühe kostet, solche Tiere nach unserm Gefallen zu vertilgen.
nunmehr aber, mein wertester Freund und Bruder, Herr kapitän Horn! werde ich hoffentlich, als euer aufrichtiger Eberhard Julius, nach eurem Begehren, euch das, was seit eurem Wegsein hauptsächliches vorgegangen, getreulich zu erzehlen, ein ziemliches Genüge geleistet haben: denn die Kleinigkeiten werden euch nach und nach schon von unserm Frauenzimmer berichtet werden, deren einige, ein weit besseres Gedächtnis, als ich haben.
Wie nun kapitän Horn vor diessmahl mit mir vollkommen zufrieden war, und sich vielfältig gegen mich bedanckt hatte, so taten wir erstlich noch einige Reisen nach Klein-Felsenburg hinüber, nahmen jedesmahl viele Metallen und Mineralien mit zurück, hatten auch das schiffes-Volck in vollkommene Ordnung und Verfassung zur Rück-Reise nach Europa gebracht; da denn ein jeder vom grössten bis zum Kleinesten, dergestalt reichlich mit Gold, Silber und Kleider-Werck beschenckt wurde, dass alle insgesammt ihr vollkommenes Vergnügen darüber bezeugten, absonderlich aber die 5. Portugiesen, welche alles gedoppelt und 3. fach bekamen, indem sie sich unter einander beredet, die Rück-Reise nach ihrem vaterland mit dem kapitän Horn Jun. auch mit anzutreten, woran wir ihnen denn eben nicht verhinderlich sein wolten, sondern vielmehr ganz gerne sahen, dass wir sie mit guter Art loss wurden, jedoch schwuren sie uns bei dem Abschiednehmen, ohne unser Verlangen, ein jeder einen leiblichen Eid, unserer allezeit im besten zu gedencken, und weder hie, noch da etwas auszuplaudern, welches etwa zu unserm Schaden und Nachteil gereichen könnte.
Demnach wurde des kapitän Horns Jun. Schiff mit Reiss Rosinen und andern Lebens-Mitteln, (die Kostbarkeiten und Felsenburgischen Raritäten ausgenomen) dergestalt voll geladen, so, dass es kein Wun der gewesen, wenn dasselbe so gleich auf der Stelle versuncken wäre; ja, ich glaube sicher und gewiss, dass um selbige Zeit schwerlich ein reicherer SchiffsCapitain weit und breit auf der offenbaren See anzutreffen gewesen, als unser kapitän Horn Jun. indem der allermeiste teil der Ladung sein Eigentum ist, so dass er damit schalten und walten kan, wie er nur immer will, jedoch haben wir alle das Vertrauen zu seiner Redlichkeit, dass er nicht allein diesen meinen 4ten teil des Berichts von den Felsenburgischen Geschichten, sondern auch alle ihm anvertraute Briefe und Geschencke, an gehörige Orte bestellen wird.
Es ging demnach derselbe um die bestimmte Zeit, da sich ein geneigter Wind vor seine Seegel erhub, ohne fernern Aufentalt mit allem seinen Volcke in vollen