gutem stand ist, nur dieses ist der eintzige Possen hierbei, dass es dann und wann an Lumpen fehlen will. Nächst derselben sind hie, und da noch 6. bis 8. neue Mahl- oder Geträyde-Mühlen erbauet worden, um einen und andern Einwohnern die müssigen und sauern Wege zu ersparen. Bei andern Handwercks-Leuten, die ihr alle wohl kennet, werdet ihr einen solchen Vorrat von ihren gemachten Waaren antreffen, worüber ihr vermutlich erstaunen müsset; wie diese Leute bei ihrer sauern Haus- und Feld-Arbeit in denen abgebrochenen Stunden ein so vieles zu Wege bringen können; eben als wenn sie sich gemüssiget sähen, mit ihren Waaren, so wie die Handwercks-Leute in Deutschland und anderer Orten, zu Marckte zu ziehen. Jedoch dieser Vorrat ist sehr gut, indem wir gesonnen sind, von jeder Art unsern Europæischen Freunden und Brüdern etwas zuzuschicken, welche sich aus diesen Kleinigkeiten doch wohl eine Rarität machen, und einiges Vergnügen darüber empfinden werden.
Der kapitän Horn sagte also: Ich habe vor dieses mahl genug gehöret, mein wertester Bruder und Freund! allein ich werde mir ausbitten, gleich morgendes Tages, und zwar gewisser Ursachen wegen, in Begleitung meines Bruders, die Pflantzstädte zu durchstreichen, und sonderlich die Künstler und Handwerker zu besuchen.
Wie ihm nun dieses so gleich von dem Regenten frei gestellet wurde, liessen wir der Beqvemlichkeit wegen, alsobald etliche mit Hirschen bespannete leichte Wagen herbei rücken, und fiengen in AlbertsRaum an, Herrn Cramern zu besuchen, den wir in gutem Vergnügen antraffen, und ihn deswegen vollends recht lustig machten. Er bewirtete uns, obgleich unsere Compagnie ziemlich stark war, recht herrlich, bewegte uns auch dahin, über Nacht bei ihm zu bleiben, und Morgens früh seine angelegte Pferde- und Esels-Stuterei benebst seinen andern Anstalten wegen der Vieh-Zucht, in Augenschein zu nehmen. Wir fanden dessfalls alles solcher gestalt klug und künstlich eingerichtet, dass sich die beiden Capitains Horn nicht gnugsam darüber verwundern konnten, denn er hatte in einem ziemlich weitläufftigen Bezirck, an Pferden, Eseln, Maul-Tieren, Rind-Rieh und dergleichen alles in eine solche Ordnung gebracht, dass von jeder Art, Jung und Alt ein jedes sein besonderes Behältnis hatte.
Von dar reiseten wir nach Davids-Raum, und traffen unsern lieben Bruder Töpffer eben in der Arbeit an, dass er mit seinen Gehülffen auf einmal 4 TöpferOefen geheitzt und angezündet hatte. Wir wolten ihn nicht verschmähen, weiln er uns nach der Felsenburgischen Art aufs beste bewirtete, liessen uns also auch bewegen, eine Nacht bei ihm zu bleiben, da denn früh Morgens unsere fernere Reise, auf Stephans-Jacobsund Johannis-Raum zuging, auf welcher Reise denn den jungen kapitän Horn nichts mehr ergötzte, als die unterwegs angetroffene Glas-Hütte, in welcher wir uns 2. Tage aufhielten; hernach unsern Weg um die grosse See herum weiter auf Christophs-RobertsChristians- und Simons-Raum fortsetzten, mitin also nach Verlauf 14. Tagen, da wir das ganze Land durchstrichen, wieder glücklich auf der Alberts-Burg anlangten, und vielerlei gute und böse begebenheiten, aber auch viele besondere Curiositæten in Erfahrung gebracht hatten.
Nachdem nun diese Reise geschehen war, regte sich kapitän Horn Sen. in geheim am ersten, mit der Bitte: dass wir seinen Bruder, so bald als es nur immer möglich, wieder fortschaffen sollten, worauf er denn ohne fernern Anstand mit seiner auf hiesiger Insul verlobten Braut Hochzeit machen wolle. Da wir nun merckten, dass dieses sein harter Ernst wäre, so wurden sogleich Anstalten dazu gemacht, und dem jüngern kapitän Horn so wohl, als seinen Leuten angekündiget, dass sie sich zur Rück-Reise fertig machen möchten. Es ging dieses dem jüngern kapitän Horn sehr nahe, indem ihm, nachdem er unsere Lebens-Art und ganzes Wesen betrachtet, vielleicht gereuen mochte, dass er seinem Protestantischen Glauben abgeschworen, und hergegen die Römisch-Catolische Religion erwehlet hatte, wie er denn gegen seinen ältern Bruder sich nicht undeutlich erkläret, dass er wieder umsatteln und zurücke kehren wolte. Da aber dieses der ältere kapitän Horn mit unsern Herren Geistlichen wohl überlegte, fiel endlich der Schluss da hinaus, dass man mit diesem wanckenden Rohre in solchem Stücke nichts weiter zu tun haben wolte; sondern man solle ihm nur so viel beibringen, dass er bei seinem neuerwehlten wahren christlichen Glauben bleiben, fromm und gottesfürchtig leben, niemanden mutwilliger Weise beleidigen möchte, und sich dergestalt der ewigen Seeligkeit versichern könnte; Wir aber wolten ihm eine honorable mit vielen Reichtümern begleitete Abfertigung geben, jedoch hinführo nichts weiter mit ihm zu tun haben.
Wie dieses der kapitän Horn Jun. hörete, so war es nicht anders, als ob er von einem Schlag-Flusse gerühret würde, da aber der kapitän Wolfgang denselben in ein besonderes Zimmer führte, ihm zum Geschenck 3. Centner Gold, 6. Centner Silber, 12. Centner Kupffer-Platten, ingleichen ein ziemliches Maas voll Perlen, nebst einigen kostbaren Kleinodien, vor seine unsertwegen gehabte Mühe, anwiese und darreichte, setzte sich dieser gute Mensch in eine weit bessere Verfassung, und machte etwas freundlichere Geberden, zumahlen, da ihm sein älterer Bruder seinen ganzen Anteil von allem dem, was auf dem Schiffe befindlich, es möchte Nahmen haben, wie es wolte, erb- und eigentümlich schenckte; als vor welche Freigebigkeit der kapitän Horn Jun. dennoch so höflich war, seinem ältern Bruder die Hand zu küssen