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sehr geschickte Marck-Scheider unter uns, allein, worzu dienet uns dieses alles weiter, als, wie schon gesagt, nur zur blossen Augenweide, und dass wir die Wunder GOttes dabei betrachten; dieses aber können wir bei so vielen 1000. Blumen, Weinstöcken, Garten- und Feld-Früchten ebenfalls weit geruhiger tun, und ohne besonderen Schweiss und Mühe die Wunder GOttes daran bemercken. Denn da wir insgesammt bis diese Stunde noch nicht gesonnen sind, mit fremden Nationen einen ordentlichen Handel, Wandel und Verkehr aufzurichten, so hilfft uns ja alles Metall, Perlen und anderes kostbares Zeug ganz und gar nichts.

Das aber ist unsere Freude und Vergnügen:

1.) Dass unser GOttes-Kirchen- und Schul-Dienst, so wohl als das Haus- Wesen auf das allervernünftigste und christlichste bestellet und eingerichtet ist.

2.) Dass der allmächtige GOtt unsern Feld-Weinund Garten-Bau jederzeit sehr reichlich, ja öffters fast überflüssig segnet.

3.) Dass uns GOtt von der Hand unserer Feinde errettet, und seine Flügel über uns gebreitet, weswegen denn von den Obern beliebt worden, dass wir hinführo nebst unsern Nachkommen jedesmahl um die Zeit des Jahrs, so lange als die Belagerung gewähret, mit mässigem Fasten und desto fleissigern Beten zubringen wollen. nach seiner Gnade alle lebendig erhalten, so dass auch kein Hund oder anderes Stück Vieh dabei verunglückke ist, weswegen denn auch alle Jahre auf diesen Tag noch ein besonderer grosser Buss-Bet- und Fast-Tag angestellet worden.

5.) Dass GOtt das wild in den Wäldern, ingleichen die wilden Ziegen, hauptsächlich aber die aus Europa angekommenen Tiere von allerhand Arten, so wohl vierfüssige als geflügelte, dergestalt wohl gedeihen lässt, dass wir uns darüber verwundern müssen, wie sich denn binnen etlichen Jahren daher alles gar gewaltig vermehret hat: Denn ihr werdet wohl schwerlich einen Haus-Wirt finden, der nicht seine Ställe über und über voll Rind-Schaaf- und Schweine-Viehe hätte. Von Flügel-Werck, als Türckischen- und Europæischen Haus-Hühnern, Schwanen, Gänsen, Endten, Tauben und dergleichen zahmen Flügelwerck will ich nicht einmal etwas sagen: denn dasselbe hat sich dergestalt erstaunlich vermehrt, dass die meisten ihr Glück und Ruhe nicht erkennen können, sondern sich, ungeachtet sie volles Futter haben, aus blossem Frevel zu Feldflüchtern machen. Aus den Gänsen werden wilde Gänse, und die Endten muss man sehr wohl hüten, wenn sie nicht durch die wasser-Fälle in See gehen sollen. Eben also verhält es sich mit dem Rindund Schweine-Vieh: denn man darf denselben nur eine scheele Mine machen, so laufft es gleich darvon, und sucht seine vermeintliche Besserung in der Wildniss, weswegen unser Tier-Garten bei Simons-Raum dergestalt voll angelauffen ist, dass wir fast alle Woche ertödtete Tiere darinnen finden, die von ihrem stärckern Gegenteil ermordet worden, welche denn von den Einwohnern, sobald diese solches gewahr werden, in den Ausfluss der kleinen See geschmissen werden. Die Pferde, Esel und Cameele, deren letzteren Gattung wir nach eurer Zeit 3. Stück bekommen, nämlich, 1. Männlein und 2. Weiblein, haben haben sich zu unsrer Lust und Nutzen auch schon unvergleichlich vermehret, demnach fehlet uns weiter nichts, als ein Paar Elephanten, wovon wir gern Zucht haben möchten, der Löwe, den die Prinzessin Christiana mit sich gebracht, wird seines gleichen vermutlich schon in dem Roberts-Raumer ungeheuer dicken wald gefunden haben; wie wir denn ganz genau angemerckt, dass sich in diesem wald nicht allein Löwen, sondern auch Leoparden, Tieger-Tiere, Bären und andere reissende Tiere aufhalten; welche wir aber lieber vertilgen, als zugeben wollen, dass sie sich vermehren möchten, es sei denn, dass sich einige zu unserer Lust so gewöhnen liessen, wie die Prinzessin Christiana ihren Löwen gewöhnet hat, welches denn, wie ich glaube, durch Vorsicht, Geschicklichkeit und Kunst eine ganz natürliche Sache sein kan, und ohne alle Zauberei zugehen wird. Das Affen-Geschlecht haben wir bei nahe ganz und gar vertilget, bis auf einige, die uns als Knechte und Mägde dienen, und sich ziemlich getreu und redlich aufführen; jedoch spüren wir, dass sich dennoch einige dieses Affen-Geschlechts in den wilden Wäldern, und sonderlich bei den Cocos-Bäumen aufhalten, welche aber Vogelfrei gemacht sind, so dass sie von einem jeden, der sie antrifft, auf die Köpffe geschossen werden, indem sie uns allzu vielen Schaden an den Feld- und BaumFrüchten tun.

Nun sollte ich zwar, mein wertester Herr Bruder und kapitän Horn! eine ausführliche Beschreibung von unsern Künstlern und Handwercks-Leuten machen; da ich aber nicht zweifele, ihr werdet dieselben nicht verschmähen, sondern einem jeden die besondere Ehre geben, ihn in seiner Behausung und Werkkstätte selbst zu besuchen, als möchte dieses wohl überflüssig sein. deswegen will nur so viel sagen: dass ihr bei einem jeden alles weit verbesserter finden werdet, als ihr denselben verlassen habt. Unsere Buchdruckerei gehet recht galant, mit 6. Pressen und dazu gehörigen Leuten, indem nicht allein die Herrn Geistlichen, sondern auch einige andere unter uns, vornemlich der Jugend zum Besten, von Zeit zu Zeit viele gute Bücher und kleine Tractätlein darinnen drucken lassen, worüber sich denn, zumahlen, da alles Jungen erfreuen. Man hat dieserwegen vor ratsam befunden, noch eine neue Pappier Mühle anzurichten, welche so wohl, als die erste in sehr