1731_Schnabel_088_60.txt

, entschlossen bin.

Concordia, die sich aus seinen feurigen Augen, und erhitzten Gemüts-Bewegungen, nichts guts propheceiet, bittet ihn um GOTTES Barmhertzigkeit willen, ihr wenigstens eine halbjährige Frist zur Trauer- und Bedenck-Zeit zu verstatten, allein der erhitzte Liebhaber will hiervon nichts wissen, sondern spricht vielmehr mit gröster Vermessenheit: Er habe ihre Schönheit ohne würcklichen Genuss lange genug vergebens vor Augen gehabt, nunmehr aber, da ihn nichts als der elende Albert daran verhinderlich sein könnte; wäre er nicht gesonnen sich länger Gewalt anzutun, und kurz! wolte sie haben, dass er ihr selbst nicht Gewalt antun sollte, müste sie sich entschliessen, ihn ehe noch 3. Nächte verlieffen, als seine EheFrau beizuwohnen. Anbei tut er die vorsichtige Warnung, dass Concordia mir hiervon ja nichts in voraus offenbaren möchte, widrigenfalls er meine person bald aus dem Wege räumen wolle. Jedoch die Angst-volle Concordia stellet sich zwar, als ob sie seinen Drohungen ziemlich nachgäbe, so bald er aber etwas entfernet war, erfuhr ich das ganze geheimnis. Meine Erstaunung hierüber war unsäglich, doch, ich glaube eine besondere Krafft des himmels, stärckte mich augenblicklich dermassen, dass ich ihr den Rat gab, allen seinen Anfällen aufs äuserste zu widerstreben, im übrigen sich auf meinen Beistand gänzlich zu verlassen; weiln ich von nun an fleissig auf sie Acht haben, und ehe mich um mein Leben, als sie um ihre Ehre bringen lassen wolte.

Immittelst war Lemelie drei Tage nach einander lustig und guter Dinge, und ich richtete mich dermassen nach ihm, dass er in meine person gar kein böses Vertrauen setzen konte. Da aber die fatale Nacht herein brach, in welcher er sein gottloses Vorhaben vollbringen wolte; Befahl er mir auf eine recht Herrschafftliche Art, mich nun zur Ruhe zu legen, weiln er nebst mir auf morgenden Tag eine recht schwere Arbeit vorzunehmen gesonnen sei. Ich erzeigte ihm einen verstellten Knechtischen Gehorsam, wodurch er ziemlich sicher gemacht wurde, sich gegen Mitternacht mit Gewalt in der Concordia kammer eindrange, und mit Gewalt auf ihrem Lager Platz suchen wolte.

Kaum hatten meine aufmerckenden Ohren dieses gehöret, als ich sogleich in aller Stille aufstund, und unter beiden einen langen Wort-Streit anhörete, da aber Lemelie endlich allzu brünstig wurde, und weder der unschuldigen Frucht, noch der kläglich winselenden Mutter schonen, sondern die Letztere mit Gewalt notzüchtigen wolte; stiess ich, nachdem dieselbige abgeredter massen, GOTT und Menschen um Hülffe anrieff, die Tür ein, und suchte den ruchlosen Bösewicht mit vernünfftigen Vorstellungen auf bessere gedanken zu bringen. Doch der eingefleischte Teufel sprang auf, ergriff einen Säbel, und versetzte mir einen solchen Hieb über den Kopf, dass mir Augenblicklich das Blut über das gesicht herunter lieff. Ich eilete zurücke in meine kammer, weil er mich aber biss dahin verfolgen, und seinem Vorsatze nach gänzlich ertödten wolte, ergriff ich in der Angst meine Flinte mit dem aufgesteckten Stillet, hielt dieselbe ausgestreckt vor mich, und mein Mörder, der mir inzwischen noch einen Hieb in die lincke Schulter angebracht hatte, rannte sich im finstern selbst dergestalt hinein, dass er das Stillet in seinem leib steckend behielt, und darmit zu Boden stürtzte.

Auf sein erschreckliches Brüllen, kam die zitternde Concordia aus ihrer kammer mit dem Lichte gegangen, da wir denn gleich wahr namen, wie ihm das Stillet vorne unter der Brust hinein, und hinten zum Rükken wieder heraus gegangen war. Dem ungeachtet, suchte er, nachdem er solches selbst heraus gezogen, und in der lincken Hand behalten hatte, mit seinem Säbel, entweder der Concordia, oder mir einen tödtlichen Streich beizubringen. Jedoch ich nam die gelegenheit in acht, machte, indem ich ihm den einen Fuss auf die Kähle setzte, seine verfluchten hände wehrloss, und dieselben, nebst den Füssen, mit Stricken fest zusammen, und liess das Aas solchergestalt eine gute Zeitlang zappeln, nicht zweiffelnd, dass er sich bald eines andern besinnen würde. Allein es hatte fast das Ansehen, als ob er in eine würcklich Raserei verfallen wäre, denn als mir Concordia meine Wunden so gut sie konte, verbunden, und das hefftige Bluten ziemlich gestillet hatte, stiess er aus seinem verfluchten Rachen die entsetzlichsten Gotteslästerungen, und gegen uns beide die hesslichsten Schand-Reden aus, ruffte anbei unzehlige mal den Satan um Hülffe an, verschwur sich denselben auf ewig mit Leib und Seele zum Eigentume, woferne nur derselbe ihm die Freude machen, und seinen Tod an uns rächen wolte.

Ich hielt ihm hierauff eine ziemlich lange Predigt, mahlete sein verruchtes Leben mit lebendigen Farben ab, und stellte ihn sein unglückseeliges Verhängniss vor Augen, indem er, da er mich zu ermorden getrachtet, sein selbst eigener Mörder worden, ich aber von GOTTES Hand erhalten wäre. Concordia tat das ihrige auch mit grössten Eifer darbei, verwiese ihn aber letzlich auf wahre Busse und Erkäntniss seiner Sünden, vielleicht, sagte sie, liesse sich die Barmhertzigkeit GOTTES noch in seiner letzten Todes-Stunde erweichen, ihm Gnade und Vergebung wiederfahren zu lassen; Doch dieser Bösewicht drückte die Augen feste zu, knirschete mit den Zähnen, und kriegte die hefftigsten Anfälle von der schweren Not, so dass ihm ein gresslicher Schaum vor dem Maule stunde, worauff er biss zu anbrechenden Tage stille liegen blieb, nachher aber mit schwacher stimme etwas zu trincken foderte. Ich gab ihm einen Trunck von unsern besten Geträncke, welches der aus den Palm-Bäumen gelauffene Safft war. Er schluckte denselben