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und andern alten Uhrkunden, die sich so wohl von dem alten Don Cyrillo, als vom Alberto Julio I. herschreiben, wohl beobachten können.

kurz: ich will mit wenig Worten nur so viel sagen, dass der allmächtige GOTT in diesem Jahre so wohl bei dem Feld- als Wein- und Garten-Baue, ein Hundert in etliche Tausend verwandelte, dergestalt, dass wir recht darüber erstauneten, weilen wir nicht wusten, wo wir mit unserm Seegen überall hin sollten, und dieserwegen noch verschiedene Vorrats-Häuser aufbauen, auch noch viele Keller eingraben mussten, um den kostbaren Wein, dergleichen wir auf dieser Insul noch niemals gehabt, nicht verderben zu lassen; bei welcher gelegenheit denn die Fassbinder, deren so genannte Innung sich bereits stark vermehret, ein ziemlich Stückgen Arbeit bekamen.

Mittlerweile, da alles, was sich auf der Insul nur regen konte, vom grössten bis zum Kleinesten, mit der allerfleissigsten Arbeit beschäfftiget war, beredeten Mons. Plager, Litzberg, Cramer und ich, nebst andern guten Freunden uns unter einander, die Fahrten nach der Insul Klein-Felsenburg aufs neue fortzusetzen, um zu sehen, was unsere daselbst zurück gelassenen Brüder benebst den Portugiesen vor gut Garn spönnen.

Demnach traten wir diese Fahrten wöchentlich 2. bis 3. mahl an, brachten den dasigen allezeit die besten Lebens-Mittel mit, und traffen dieselben jedes mahl lustig und aufgeräumt, auch in der schönsten Ordnung an, indem sie von Zeit zu Zeit dermasen überflüssig zugeführt bekommen hatten, dass sie weder über Mangel, Not, noch Hunger klagen konnten. Vincentius schien vor Freuden ganz auser sich selbst zu sein, als er uns zum ersten mahle wieder erblickte, ja, er wuste seine Hochachtung gegen uns nicht gnugsam an den Tag zu legen, dergleichen seine Cameraden auch taten. Wie wir sie nun mit starckem Geträncke, so wohl von allerlei Weinen, als andern Sorten, recht ungemein gelabet hatten, sie uns hergegen viele niedliche speisen vorgesetzt, die wir mit dem grössten Appetite zu uns genommen, so führeten sie uns alle insgesammt heraus auf den Platz, und zeigten uns ihre Stücken-Arbeit, welche in etliche 150. Silber- und Goldhältigen Ertz-Stuffen bestund, da denn manche der grössten Stuffen über die 20. bis 30. Centner am Gewichte zu schätzen war, wobei uns denn jammerte, dass wir dieselben nachmahls zerschlagen, und in kleinere Stücken bringen sollten, weilen aber des Zeuges in der Menge da war, so machten wir uns auch daraus nicht eben allzu viel.

Wir wurden aber weiter geführt, und uns gezeiget, dass die Portugiesen mit Beihülffe unserer Felsenburger 2. grosse und 3. etwas kleinere wohl ausgearbeitete Fahrzeuge verfertiget, an welchen nichts fehlete, als hie und da ein und anderes eiserne Beschläge, ungeachtet alles mit blossem Holtz- und Pflöcker-Werck dergestalt bevestiget war, dass man fast keine eiserne Beschläge dabei vonnöten hatte, mitin diese Fahrzeuge vor rechte Kunst- und Meister-Stücke bei den Seefahrern erkennen muste. Hierbei aber bekam ich gegen die Portugiesen einen üblen Verdacht, konte auch denenselben nicht verbergen, sondern sagte ihnen frei in die Angesichter, dass dieses vielleicht die Fahrzeuge sein würden, mit welchen sie bei guter gelegenheit von hier abseegeln und uns verraten wolten. Aber es jammerte und gereuete mich bald, dass ich mein Hertz so geschwinde gegen sie offenbaret hatte: denn sie fielen, nachdem sie sich nur etliche Minuten lang mit einander unterredet hatten, sogleich auf ihre Knie vor uns nieder, da denn Vincentius das Wort führte, und also redete: "Meine Herren! ungeachtet alles vorhergegangenen verspüren wir doch, dass ihr uns vor Schelme, Diebe und Verräter erkennet, da wir doch die allerredlichsten Leute von der Welt sind, so lieber als eure Knechte, ja, so zu sagen, Sclaven sterben wollen, ehe wir gegen unsere Wohltäter eine neue Verräterei anzustifften gesinnet wären. Weil ihr uns demnach nicht trauet, so schiesset uns alle 5. lieber auf die Köpfe, oder in die herzen, damit ihr von euren Sorgen, wir 5. aber von allem Missvergnügen, welches uns etwa noch künfftig zustossen könnte, entlediget, sein."

Indem nun alle 5. ihre blossen Köpffe darzeigten, auch so gar die Kleider von den Ober-Leibern abrissen, kam mir ein solches Grauen an, dass ich fast in Ohnmacht gesuncken wäre; allein, weil ich an der ganzen Sache die meiste Schuld zu haben sehr wohl erkannte, und meine Ubereilung in Worten mir zu Gemüte zog, so hub ich erstlich den Vincentium, hernach seine andern Cameraden von der Erden auf, umarmete und küssete einen jeden, mit der Bedeutung, dass sie mir meine Reden, die ich teils aus Schertz, teils aus Ubereilung ausgesprochen, nicht gleich so übel hätten aufnehmen sollen. Worauf denn der Friede und das Vertrauen zwischen uns bei den Teilen binnen einer Stunde hergestellte wurde, zumahlen, da die Portugiesen, ohngefordert, ihre hände gegen Himmel huben, und der heiligen Dreifaltigkeit, nebst allen Heiligen und Engeln GOttes, einen leiblichen Eid zuschwuren: dass sie es treu, redlich und aufrichtig mit uns Felsenburgern meineten, auch weder Verräterei, Betrug, noch Dieberei im Sinne hätten. Demnach wurde von uns allen hoch geschmauset, und binnen 3. Tagen alle mühsame Arbeit bei Seite gesetzt, hergegen lebten wir in gröster Vertraulichkeit, lustig und guter Dinge. Als aber dieses Freuden-fest vorbei war, ging ein jeder wieder an seine beliebige Arbeit,