Unterdessen muss ich doch glauben, dass Urbanus, ungeachtet er mit vielen verborgenen Künsten und Wissenschafften umgegangen, auch dieselben jederzeit bis an sein unglückseliges Ende glücklich durchgeführet, ein besonders guter Christ und heiliger Mann gewesen sein müsse, weilen sein Seegen und seine Propheceiung solcher gestalt wider unser Hoffen und Vermuten, ja nach unserer herzen Wünschen, so glücklich gewürckt und eingetroffen hat.
Mir Eberhard Julio wurde von den Geistlichen und Aeltesten anbefohlen, der Prinzessin Mirzamanda, die wir nunmehr aber auf unserer ganzen Insul bloss Prinzessin Christiana nennen, dieses zu melden: wie sie sich weder um den Mogul, noch um den zukünfftigen Schach in Persien ganz und gar nichts mehr zu bekümmern hätten, und die gedanken wegen ihrer verborgenen Schätze nur aus dem Sinne schlagen sollten, weilen wir dergleichen Plunder im grössten Uberflusse besässen; unterdessen könnte doch mit der Zeit wohl Rat dazu werden, dieselben mit guter Manier abzuhohlen. Mittlerweilen aber sollten sie alle beide in sicherer Gemüts-Ruhe so lange bei uns bleiben, auch vor nichts sorgen, bis uns der Himmel insgesammt verderbte, welches doch nicht zu hoffen stünde, wenn wir als fromme Christen ihm vertraueten, und fleissig beteten. Wie ich nun diese aus der Frau Anna Holländischem mund getane Geschichts-Erzehlung, so zu sagen, vom mund aus, in deutsche Ubersetzung gebracht, beruhigten sich alle beide dergestalt, dass wir alle insgesammt sonderlich unsere Freude über ihren andächtigen Gottesdienst und frommen, stillen, christlichen Lebens-Wandel haben mussten. Ja, ich glaube, (jedoch dieses anheute noch im Vertrauen gesprochen) dass unser Regente, Albertus Julius II. dem der Tod vor etlichen Wochen seine liebwerteste Ehegemahlin geraubt hat, vielleicht aus dieser schönen Prinzessin, dem Beispiel des Königs David zu Folge, eine Abisag von Sunem machen werde, wovon im 1. Capitel des 1. buches von den Königen gleich zu Anfange desselben im 1. 2. 3. und 4. Versicul ein mehreres zu lesen ist. Unterdessen, wenn es ja dahin kommen sollte, so weiss ich gewiss, dass auf der ganzen Insul sich keine lebendige Seele finden wird, die hierwider etwas einzuwenden hätte, weilen der Prinzessin Christiana holdseelige und liebreiche Aufführung, derselben die Gunst und Gewogenheit auch so gar der kleinesten Kinder zu Wege gebracht. Mit dem Regenten aber kan sie bereits dergestalt vertraulich und schmeichelhafft umgehen, dass er sich seinen alten grauen Bart von niemanden lieber auskämmen und zu rechte machen läst, als von der Christiana, die ihm dieses am allerbesten zu Dancke machen kan, und es auch recht mit Lust tut.
Von unsern Haupt-Geschichten aber noch ferner etwas zu melden, so ist zu wissen, dass wir um selbige Zeit in jeder Pflantzstadt eine kleine neue Kirche, wie auch ein Schul-haus vor die Jugend zu erbauen den Anfang machten. Demnach wurden auch die hierzu behörigen Priester ordinirt, und die Schul-Diener wohl bestellet, und zwar alle von unsern eingebohrnen Felsenburgern, welches in Wahrheit Leute sind, die manchen Europæischen so genannten Geistlichen oder Teologis, was Glauben, Lehre und Leben anbelanget, keiner Haare breit nachgeben, sondern vielmehr vielen die Spitze bieten sollen, ungeachtet sie niemals auf eine so genannte Universität gekommen, sondern nur von unsern 3. Geistlichen, hernach auch von uns andern in diesen und jenen Künsten und Wissenschafften, sonderlich aber in allerlei Sprachen unterrichtet worden; Allein, hierbei habe ich hauptsächlich bemerckt, was ein unermüdeter Fleiss in Lesung guter Bücher, und über dieses alles die Gabe des heiligen Geistes würcken und ausrichten kan. Unterdessen ist unsere Haupt-Kirche auf dem platz unter der Alberts-Burg, wie ihr mein lieber kapitän Horn sehet, annoch in ihren vorigen Ehren und Würden, ja noch in weit besserm stand, als ihr dieselbe vor eurer Abreise gesehen, und es wird der G o t t e s d i e n s t so wohl Sonn- als fest-tages, nach wie vor, darinnen gehalten, auch jederzeit das Signal mit einem Cartaunen-Schusse und Läutung der Glocken gegeben, da sich denn ein jedes nach seinem Belieben einstellen kan. Denen Krancken, Müden und Matten aber wird gar nicht verarget, wenn sie zu haus bleiben, und den Gottesdienst in ihrer Pflantzstadts-Kirche abwarten.
Hierbei muss ich gedencken, dass ich nunmehr unsere Pflantzstädte, mit gröstem Rechte, Städte nennen kan: denn ihr, mein lieber Bruder Horn! habet dieselben nur noch als kleine Dörffer verlassen; aber gebt euch einmal die Mühe, dieselben nunmehr recht genau zu betrachten, so werdet ihr mir Beifall geben, dass es lauter schöne Städte sind, indem sich die Einwohner derselben, binnen eurer Abwesenheit, die Auferbauung der saubersten und bequemlichsten Häuser auf das allerfleissigste so wohl bei Tage, als bei Nachts-Zeit dergestalt angelegen sein lassen, dass wir zum öfftern die gröste Mühe gehabt, sie davon zu verhindern, um den Feld-Wein- und Garten-Bau solcher gestalt nicht in Vergessenheit gestellet zu sehen.
Jedoch unsere lieben Brüder, Schwestern und Freunde liessen sich, als recht vernünfftige Leute, dergestalt weisen, dass auch hieran nichts versäumet wurde; weswegen denn auch her allmächtige GOtt so barmhertzig und gnädig war, dass er uns ein solches fruchtbares Jahr beschehrete, dergleichen unsere Vorfahren, seit dem GOtt selbst den Grund-Stein zu dieser Insul geleget, und ihnen ihren Aufentalt darauf vergönnet, so lange als sie auf selbiger gelebt, noch niemals gehabt. Wie wir denn solches aus den JahrBüchern, Zeit-Rechnungen