recht unvergleichlich zu nennen, indem er von allerlei Arten der Farben, durchwachsen und recht bewunderns würdig geflammet, so wie manche Sorten von Marmor-Steinen sich zu finden pflegen. Dieses Steins Grösse, Dicke und Breite trifft mit des erst gemeldten in allen Stücken überein. Es ist aber derselbe Stein ohne Gemählde, Zierraten, Characters, oder Buchstaben, und stehet von dem ersten 6. Fuss ab. Demnach ist der ganze Inbegriff von dieser Grab-Städte 36. Fuss.
Hinter diesem Steine stehet eine in Stein gehauene Lampe mit einer brennenden Materie, ohne, dass weiter etwas darf hinein getan werden, doch scheinet der Docht jederzeit, als ob er voller Oel wäre. etwa 4. oder 5. deutscher Meilen von dar liegt noch ein sehr hoher spitziger Berg, der dem Ansehen nach einem spitzigen Turme gleichet, auf dessen Gipffel ist eine kleine Ebene, und auf selbigem platz siehet man eine Fussstapffe, deren Länge andertalb Fuss. Die Einwohner sagen hierbei, es solle Adam seinen Fuss auf dieser Stelle eingedruckt haben; jedoch eben diese Einwohner sind in diesem Stücke nicht einerlei Glaubens, weilen einige wollen, es sei einer von ihren Heidnischen Priestern, Bourdau genannt, von ihren Vorfahren zum Könige über sie erwählet worden; und gemeldter Bourdau wäre gewohnt gewesen, sein Gebet auf diesem Brrge zu verrichten, worauf er eines Tages lebendig gegen Himmel gefahren, oder von den Göttern hinauf gezogen worden. Bei solcher Aufziehung nun habe er diese Fussstapffen zu seinem Angedenken zurück gelassen. Der Christen Glaube bei dieser geschichte ist aber ganz anders beschaffen, als welche davor halten, und aus alten Uhrkunden versichern wollen: es habe der Teuffel diesen Bourdau, als einen Ertz-verfluchten Götzen-Knecht, leibhafftiger Weise gehohlet, und von der allerhöchsten FelsenKlippe herunter gestürtzt, da denn seine Cameraden, nämlich die andern Götzen-Knechte und Priester, gar leicht eine solche Fussstapffen einarbeiten, nachher aber dem einfältigen Volcke vorschwatzen können, als ob Bourdau lebendig gegen Himmel gefahren wäre, und dieses Wahrzeichen zurück gelassen hätte, denn die Ceilonier sind, meines Erachtens, ein sehr tummes Volck, sonderlich aber in Glaubens-Sachen.
Unterdessen aber sind sie doch von ihren GötzenPriestern noch ferner in so weit verführet oder verblendet worden, dass sie gewiss glauben: dieser gegen Himmel gefahrne Bourdau wolle und könne auch ihre Seelen in den Himmel nach sich ziehen, und dieselben zur ewigen Seligkeit bringen. Ja! sie beten ihn mit der grössten Andacht an, und halten diesen Teufels-Braten recht vor ihren Halb-Gott; wie denn ihm zu Ehren alljährlich, nach der Christen Zeit-Rechnung, den 9. Tag des Monats Aprilis ein grosses fest, mit dem sie zugleich ihr neues Jahr anfangen, angestellet wird, welches fest Mirzamanda und ich etliche Tage lang in gröster Stille und Behutsamkeit mit abgewartet haben.
Es finden sich bei diesem Feste unter andern Arten von Heiden auch viele Mohren zusammen, welche alle den gegen Himmel gefahrnen König Bourdau anbeten, und ihm ihre Opffer bringen. Sonsten aber wird dieser Berg die Adams-Pagua genennet, und ist unter demselben eine grosse fürchterliche Höhle, worin sich ihrem Vorgeben nach, noch viele Heiligtümer befinden sollen; es wird aber kein Fremder leichtlich in diese Höhle gelassen, wenn er nicht einen sehr guten Freund unter den Götzen-Priestern zu seinem Führer hat, welche pfaffen sich aber durch wenige Gold-Stücke gar bald erkauffen lassen, alle belachenswürdige Geheimnisse zu zeigen, welche in der Höhle befindlich sind.
Sonsten muss ich noch dieses vorbringen, wie ich zwar die Persianer vor sehr grobe Heiden und Abgötter erkenne; allein es werden dieselben von den Einwohnern der Insul Ceilon noch um ein vieles übertroffen, indem, wie ich davor halte, dieselben von ihren Götzen-Priestern gewaltig verblendet, vielleicht auch wohl gar bezaubert sind. Denn sie glauben endlich wohl, dass ein GOtt sein müsse, der Himmel und Erden erschaffen hätte, auch den Menschen auf der Welt viel Gutes angedeihen liesse; diesen aber anzubeten, wollen sie sich nicht die geringste Mühe geben. Im Gegenteil beten sie den Teufel täglich an, und sagen, dass, wenn sie diesen, von dem alles Böse käme, nicht allezeit demütig entgegen gingen, würde er sie insgesammt bald vertilgen und umbringen. Und dieses ist der Glaube dieser verblendeten, betörten und vielleicht bezauberten Menschen, weswegen Mirzamanda und ich dem allmächtigen GOtt auf den Knien danckten, als uns die Zeit unserer Abfährt von dem Juden angekündiget wurde.
Hiermit aber will ich, (redete die Anna noch weiter) vor dieses mahl den Bericht von dem bisherigen Lebens-Lauffe meiner Prinzessin und meines selbst eigenen beschliessen, indem ich doch die Haupt-Sachen vorgebracht, die andern Neben-Dinge aber, worin sich noch viele Merckwürdigkeiten, befinden, benebst der Erzehlung des Persianischen schweren Krieges, werde bis auf eine andere Zeit versparen, weilen doch mir so wohl, als meiner Prinzessin das Glück angeboten worden, dass wir bis zu fernerer Verfügung des himmels auf dieser glückseeligen Insul Gross-Felsenburg bleiben, und in sicherer Ruhe leben sollten. Wir dancken demnach, da wir bei so vielen frommen, guttätigen, lieben Leuten, so zu sagen, den Himmel auf Erden gefunden, der gnädigen Vorsorge des Allerhöchsten, und wünschen weiter nichts mehr, als dass wir nur noch eine eintzige Reise auf das MogulischPersische Sand-Gebürge tun möchten, um des Urbani Grab zu eröffnen, die darinnen befindlichen Schätze heraus zu nehmen, und dieselben anhero zu bringen.