und den Löwen, als welcher Letztere zu unser allergrösten Verwunderung und Erstaunen, nachdem er, wie wir nicht anders vermuten konnten, sein Behältnis in Candahar durchbrochen, die Spur bis zu des Urbani Clause glücklich gefunden, (wobei wir nichts bedauerten, als dass er sich nicht eher bei uns eingestellet, da wir von des Arab-Ogli Jägern gefangen, und ferner auf dessen Schloss gebracht worden, da denn gewiss ein starckes Blutvergiessen und Zerreissung unserer Feinde würde entstanden sein) auf ein Holländisches Schiff verdunge. Der Jude bekam dabei eine nicht geringe Anzahl von Kleinodien und andern Edelgesteinen in seinen Juden-Beutel. Ehe wir noch zu Schiffe gingen, kam das Weibes-Stück Hadscha, welche vor Mirzamanden einen Fussfall tat, und dieselbe mit Tränen bat, sie mit sich zu führen. Ob nun schon Mirzamanda wuste, dass Hadscha eine Heidin, Anbeterin des Feuers und anderer Götzen war so liess sie sich durch ihre demütige Stellung doch dahin bewegen, dass sie dieses Mensch, welches ihr von Jugend auf, sonsten in andern Stücken, viele getreue Dienste getan, mit sich zu nehmen beschloss, und dieserwegen dem schiffes-Patrone einen schönen Diamantenen Ring gab, in Hoffnung, dieses liederliche WeibesStücke mit der Zeit und gelegenheit zum christlichen Glauben zu bringen; Allein, wir fanden bald bei ihr, dass sie die allerwenigste Lust zum Christentume hatte, um so viel desto mehr dauerte uns aber, dass der gute Frantz, welcher doch viele Merckmahle, ein Christ zu sein, von sich gab elendiglich an der SeeKranckheit sterben muste, weswegen er, nachdem wir seinen Pilger-Habit ihm ausgezogen und zu uns genommen, (als welcher mit Kleinodien und Edelgesteinen ziemlicher Maassen beschweret war) sein Begräbnis in der See finden muste. Uns aber trieb nachher ein stürmender Würbel-Wind immer aus einer Ecke in die andere, und schlug uns um viele kleine Insuln lincks und rechts herum, wir konnten aber niemals zu land kommen blieben hergegen zum öfftern auf Sand-Bäncken sitzen, und stiessen nicht selten an verborgene Klippen, bis wir endlich, nachdem wir viele Wochen herum geschwärmet, an einer unbekannten Insul, die, wie ich nunmehr weiss, Klein-Felsenburg genennet wird, mit Schiff und Geschirre zu scheitern gingen, da denn, weil es schon finster war fast der meiste teil unserer Mannschafft ersoffe; Mirzamanda aber, ich und die Hadscha waren doch so glücklich, das Ufer zu erlangen, ungeachtet uns die Kleider dieses mahl sehr beschwerlich fielen: denn wir halten der Hadscha des Frantzens Pilger-Kleid angezogen, welches eben so schwer war, als die unserigen. Jedoch nachdem wir nur erstlich einen grünen Platz gefunden, auch die Vorsorge des himmels uns eine ziemliche Menge von Lebens-Mitteln aus dem zerscheiterten Schiffe zuführete, so beschlossen wir gleich, der See nicht weiter zu trauen, und wenn auch das Schiff schon ausgebessert würde, sondern viel lieber an diesem schönen Orte von Kräutern, Wurtzeln und allerlei Baum-Früchten uns so lange zu ernähren, bis der Himmel sich unserer erbarmte, und gelegenheit zu einem bessern Zustande an die Hand gäbe.
Der Himmel hat uns nicht fallen lassen, denn wir fanden unvermuteter Weise die Felsen-Schlufft, durch welche wir alle 3. benebst dem Löwen auf Händen und Füssen hinauf krochen, weiter habe ich vorjetzo nichts zu sagen, denn die Herrn Felsenburger wissen ausser dem schon besser, wie? wann? wo? und welcher Gestalt sie uns angetroffen haben.
Dieses eintzige aber will ich nur noch melden, dass der ehrliche Jude Rabbi Moses, wie er sich nennete, mit seinem silberfarbenen ansehnlichen Barte, auch so wohl wie andere ohnbärtige zugleich mit ersauffen muste. Es ging so wohl Mirzamanden, als mir sein Unglück sehr nahe, weilen er uns auf der Reise viele Gefälligkeiten erwiesen, sonderlich aber auf der Insul Ceilon, denn er führte uns, weil wir des Urbani Reden nach, eine grosse Begierde bezeugten, des Adams Grab zu sehen, (welche Glückseligkeit aber der gute Urbanus nicht erleben können) an dem fuss eines berges welcher in der Landschafft Matura liegt. Hieselbst fanden wir ein in einem Felsen gehauenes Begräbnis, und in selbigem einen Leichen-Stein, auf welchem diese Characters, oder unbekannten Buchstaben, zu sehen, wie mir denn der Jude dieselben mit gröstem Fleiss vermittelst einer Reiss-Feder, sehr geschicklich abgezeichnet hat, und wovor ich ihm zur Gegengefälligkeit ein kleines Geschencke gab. Dessen Zeichnung ist also diese: Wir gingen also mit dem Abrisse dieser 25. Characters und unbekannten Buchstaben so wohl zu allen Christlichen, als Heidnischen Gelehrten, und boten ihnen Geschencke an, um unsere Begierden mit Auslegung derselben zu stillen, allein, unter allen, die sich damahls von beiderlei Art annoch auf dieser Insul aufhielten, befand sich keiner, der uns in diesem Stücke vergnügen wollen; sondern sie bekannten alle einmütig, dass die Bedeutung derselben bis auf diesen Tag nicht hätte können erforschet werden. Unterdessen sagen die Einwohner dieser Insul vor gewiss: dass der erste erschaffene Mensch Adam in diesem Begräbnisse begraben läge. Der Stein ist 14. Fuss lang, 5. Fuss breit u. andertalb Elle dicke, sehr glatt und dergestalt gläntzend, als ob er polirt wäre. Zur Seiten dieses Begräbnisses siehet man 5. steinerne Pfeiler. An dem Haupt-Ende des Leichen-Steins stehet ein anderer aufgerichteter Stein, jedoch nicht so schön und sein, sondern etwas gröber und sandiger, als der, den ich schon beschrieben, sein Ansehen ist