Endigung dieser Worte überreichte er Mirzamanden ein ungemein kostbares goldenes mit Diamanten, Rubinen und andern raren Edelgesteinen versetztes, sehr sauber ausgearbeitetes Crucifix, welches ganz bequemlich auf der Brust zu tragen war, wickelte dasselbe in ein Stücke Pergament, auf welches er vorher noch verschiedene Characters und Buchstaben mahlete, hüllete solches alles in weisses Wachs ein, und sagte nur noch dieses: Hier habt ihr, was ihr haben sollet, und was euch auf diessmahl von der Güte des himmels beschehret ist."
Demnach küssete Mirzamanda unserm Wohltäter die Hand, welches sie denn ihrem hohen stand ohnbeschadet, zumahlen in Betrachtung der grossen ererbten Schätze, ganz wohl tun konte. Immittelst war der getreue Frantz von allem dem, was vorgegangen war, ganz und gar nichts inne worden, und da wir nachher Urbanum fragten: wo denn sein Frantz hingekommen wäre, weilen wir denselben nicht sähen? so gab er uns zur Antwort: bekümmert euch nur um nichts! denn Frantz wird zu rechter Zeit nebst 2. mit Lebens-Mitteln beladenen Maul-Tieren bei uns erscheinen, inzwischen machet euch nur dergestalt fertig zur Reise, dass wir nicht mutwilliger Weise die edle Zeit versäumen, um an gehörigen Ort und Stelle zu kommen.
Wir leisteten ihm Gehorsam, und da Frantz am dritten Tage mit zweien wohl beladenen Maul-Tieren erschien, wurden die Sachen in gröster Geschwindigkeit umgepackt, und wir reiseten also, gleich bei Aufgange der Sonne, aus der Clause heraus, nämlich Urbanus, Mirzamanda, ich und Frantz, welcher die 2. stark bepackten Maul-Tiere leitete.
Unsere Strasse nahmen wir durch das Gross-Mogulsche Gebiete, nach dem äusersten Hafen zu, in welchem wir vielleicht ein Schiff anzutreffen verhofften, das nach Ceilon überseegelte, oder wenn alle Stricke rissen, ein solches Schiff vor Geld mieten könnten: denn wir hatten ja alle 3. so viel Kleinodien und Edelsteine bei uns, dass wir noch wohl ein eigenes Schiff hätten davon bezahlen können.
Unterdessen kamen wir, nach einer 2. monatlichen Reise zu Fuss, welche jedoch, da wir nach unserm Vergnügen reiseten, und die Tage-Reisen indem dieselben nach Belieben eingerichtet wurden, uns gar nicht beschwerlich fielen, endlich glücklich in der Stadt und dem Hafen Cambaja an. Wie wir nun unterwegs von niemanden den geringsten gefährlichen Anstoss gehabt, indem alle die, so uns begegneten, und gefragt: wo wir hin wolten? zur Antwort bekamen; dass wir heilige Pilger wären, und das Grab Adams auf der Insul Ceilon besuchen wolten; uns in Friede und Freundschafft fortwandern liessen, auch nicht einmal unsere Maul-Tiere antasteten, so waren wir desto freudiger. Hierbei bemerckten wir, dass alle Einwohner dieses Landes vor den alten graubärtigen Urbanum eine ganz besondere Hochachtung bezeigten; ob er sich nun dieselbe durch seine Künste und Wissenschafften zu Wege gebracht, oder ob es ordentlicher und natürlicher Weise zugegangen, davon kan ich eben so genau nicht Rede und Antwort geben. Unterdessen brachte uns der graue ansehnliche Bart vor diesesmahl glücklich durch, indem er bis in Cambaja hinein beständig vor uns herging.
In jetztgedachtem Cambaja traffen wir gleich in der ersten Herberge einen Mann an, der fast eben eben einen so langen Bart trug, als unser Urbanus. So bald nun dieser Mann unsern Urbanum kaum erblickt, kam er also gleich auf ihn zugegangen, umarmete und küssete ihn. Darauf gingen beide hinaus in den Garten spatzieren herum, und unterredeten sich wohl 2. gute Stunden ganz alleine mit einander. Endlich kam unser Urbanus wieder zu uns, liess eine gute Mahlzeit vor uns zubereiten, nach deren Genuss er die Prinzessin und mich auch in den Garten führte, und dieses sagte: "Meine Schwestern! es ist dieser Mann, von dem ihr gesehen, dass er mich gehertzet und geküsset hat, zwar ein Jude; aber glaubt mir dieses: ob er gleich ein Jude, mit dem ich schon seit etlichen 30. bis 40. Jahren gehandelt und zu schaffen gehabt, er dennoch, ungeachtet er nicht unseres christlichen Glaubens, ein uns von GOtt zugeschickter heiliger Engel ist, der uns glücklich auf die Insul Ceilon und noch weiter befördern wird."
Dem Urbano glaubten wir alles, was er uns vorsagte, und traueten seiner fernern Vorsorge, worin wir uns auch nicht im geringsten betrogen fanden: Denn eben dieser Jude, welchem Urbanus vielleicht etliche kostbare Kleinodien mochte zugesteckt haben; verschaffte uns allen, von dem Calif oder obersten Befehlshaber Frei-Pässe, so dass wir, nachdem wir uns noch etliche Wochen in Cambaja aufgehalten, ohngehindert auf einem Mogulschen Schiffe, in Begleitung des Juden, nach der Insul Ceilon abseegeln konnten.
Wir hatten eine rechte vergnügte Fahrt, und traffen daselbst viele christliche Schiffe an, weilen aber Urbanus auf dieser Insul viele seiner Glaubens-Brüder antraff, so liess er es sich mit deren Beihülffe auf das alleräuserste angelegen sein, die daselbstigen Heiden zum christlichen Glauben zu bereden; Sie waren auch anfänglich sehr glücklich, indem sich über 80. Heidnische Familien zum christlichen Glauben wendeten; Allein, die Sache kam bald heraus, deswegen wurden die Christen aufs grimmigste verfolgt, und deren mehr als 100. getödtet, wobei denn unser lieber Urbanus sein so hoch gebrachtes liebes Leben auch mit einbüssen muste. Mirzamanda so wohl, als ich haben seinen jämmerlichen Tod mit bittern Tränen beweinet, jedoch eine höhere Gewalt regierete des alten Juden Hertze dergestalt, dass er uns auch dasiges Orts nicht allein den kräfftigsten Schutz verschaffte, sondern auch Mirzamanden, mich, den Frantz