gab Urbanus zur Antwort) "aber lasset ihn näher kommen." Wenige Minuten hernach kam also der Frantz, welchen Urbanus erstlich in die untersten Keller führte, wo er seine Sachen abpacken, und ihm von allen Dingen durch Zeichen seinen Bericht abstatten muste. Wir sahen dieses alles wohl mit an, konnten aber aus ihrer beider Zeichen-Sprache nicht das geringste verstehen, wurden jedoch gewahr, dass Frantz in seinem Korbe das beste und schönste Fleisch von allerlei Art, nebst Fischen, Krebsen und noch viel mehreren Lebens-Mitteln mitbrachte, auch jegliches an gehörigen Ort und Stelle zu schaffen wuste.
Demnach hatten wir folgendes Abends eine recht Fürstliche Mahlzeit zu verzehren. Nach deren Einnehmung verrichtete Urbanus abermahl seinen Gottesdienst, und erzehlete hernach der Prinzessin und mir noch ein Stück von seinem Lebens-Lauffe, welches alles ich dergestalt in mein Gedächtnis gefasset, dass ich es ihm, so zu sagen, von Punct zu Puncte nach erzehlen wolte, wenn es anders die Zeit litte.
Andern Tages meldete uns Urbanus, dass er seinen Frantz nochmahls fortgeschickt, und dieser würde erstlich in 6 Tagen zurück kommen; mittlerweile aber, da er eine abermahlige himmlische Offenbahrung gehabt, wolten wir uns zu unserer Reise nach der Insul Ceilon geschickt machen, indem wir, laut der himmlischen Offenbahrung, wenige Zeit zu versäumen hätten, wenn wir unser Glück daselbst machen, und auf einem christlichen Schiffe nach Europa oder in die Christenheit wolten gebracht werden. Wir bezeigten uns willig und bereit dazu, mussten ihm aber alle Tage fleissig kochen, sieden und braten helffen, welche Arbeit wir denn mit Lust verrichteten, indem hiermit etwas Guts in unsere ausgehungerte Magen kam, auch die vortrefflichsten Weine, dergleichen Frantz einen ganzen Korb voll Flaschen mit gebracht hatte, unsere Glieder erqvickten.
Solchergestalt liessen wir es uns bei diesem Einsiedler, der gewisser maassen besser, als mancher grosser Fürst lebte, ungemein wohl gefallen, indem wir gut Essen und Trincken hatten, auch uns keiner besonderen Gefahr besorgen durfften, anbei einer stillen Gemüts-Ruhe genossen, und zwar zu Besänfftigung der Angst und Quaal, die wir beiderseits seit einiger Zeit ausgestanden hatten.
Frantz kam am Abende des 6ten Tages fast noch stärcker, als vormahls, recht wie ein Esel beladen, wieder zurücke, und brachte auser den vielen LebensMitteln 2 ganz neue Pilgrims-Kleider mit, nämlich eins vor sich und eins vor Urbanum. Hierauf führte uns Urbanus bei Nachts-Zeit in seine unterirrdischen Gewölber, da wir denn einen erstaunlichen Vorrat von allerhand schönen Sachen, nebst vielen güldenen und silbernen Geschirren, auch eine ziemliche Menge Diamanten und Kleinodien antraffen, welche letzteren er mir und der Prinzessin darreichte, um dieselben, so wie er selbsten tat, in unsere Pilgrims-Kleider einzunähen.
Wie nun dieses geschehen, und unsere Kleider, in welchen ohne dem viel dergleichen Zeug schon stack, ziemlich beschweret worden, mussten wir beide ihm die güldenen und silbernen Geschirre so wohl, als das Uberbleibsel von Kostbarkeiten und andern teuren Sachen, ingleichen das gemüntzte Gold- und SilberGeld bis an sein gemachtes Grab tragen helffen; welches alles von ihm in das Grab geworffen, und dasselbe mit unserer Behülffe, zugescharret, und der Erden gleich gemacht wurde.
Als dieses vollbracht, ging er dreimahl um den Platz des zugescharreten Grabes im Creise herum, murmelte viele Worte und Sprüche her, die wir nicht verstehen konnten, mit dem spitzigen Stabe aber, den er in der Hand hatte, zeichnete er 9. Characters oder Buchstaben, die uns unbekannt waren, in die Erde, sprung hernach viele mahl auf dem zugescharreten grab herum, und bat uns, dass wir dergleichen tun sollten, worin wir ihm denn auch Folge leisteten, also recht tapffer auf dem grab herum sprungen. Hierauf befahl er uns, noch etwas zu verrichten, welches ich aus Schamhaftigkeit eben nicht melden will; Allein wir erfülleten auch in diesem Stücke seinen Willen, worauf er uns denn zurück in seine Clause führte, und nachdem wir unser Nacht-Gebet ordentlicher Weise zu GOtt verrichtet, sich dieser Worte vernehmen liess: "Nun habe ich mit eurer Beihülffe einen solchen Talisman gemacht, den mir gewiss kein Heidnischer Wahrsager, Zeichen-Deuter, Schatz-Gräber, oder, er sei auch, wer er nur immer sei, auflösen wird, und wenn er gleich die 3. obersten höllischen Geister zu seiner Beihülffe anruffte: denn der Kasten, worinn die Kleinodien, wie auch die güldenen und silbernen Münzen befindlich, ist mit dem wahrhafften Siegel des allerweisesten Königes Salomonis versiegelt, als vor welchen alle bösen Geister erzittern, und sich schleunig zurück begeben müssen. Es soll aber, (sprach er ferner) dieser Schatz, welcher, wie ihr gesehen habt, eines ziemlich starcken Wertes ist, vor euch Prinzessin Mirzamanda verwahrt und aufgehoben sein, weiln ich den Heiden diese Kostbarkeiten (worunter sich kein Stäublein ungerechtes, sondern alles auf redliche Art und Weise erworbenen Guts befindet) durchaus nicht gönnen will: Wenn ihr denselben nicht braucht, so bin ich damit sehr wohl zufrieden, denn ich lese an eurer Stirne geschrieben, dass ihr längstens binnen 2 oder 3 Jahren auf dieser Welt euren vollkommenen Glücks- und Ruhe-Stand finden werdet. Nehmet hin aus meiner Hand diesen Schlüssel, welchen ihr auf das aller behutsamste zu verwahren habt, so bald dieser Schlüssel von euch oder von einem durch euch Abgeordneten, nur auf das Grab gelegt wird, soll sich solches von selbsten auftun, und alle Kostbarkeiten in die Höhe heben.
Nach