darauf, ob derselbe nicht, ehe es Morgen Mittag wird, in eben der Gestalt, als ihr ihn jetzt sehen werdet, vor euren Augen erscheinen soll, denn ich will noch 3. Characters mehr dazu machen, damit er mir nicht über die Mittags-Stunde aussen bleiben darff. Habt Acht! ob mein Frantz nicht kommen, und mich besorgen wird, denn ich habe ihn, ungeachtet er taub und stumm ist, dennoch dem heiligen Francisco zu Ehren getaufft, ihm auch durch Zeichen sehr viele christliche Lehren und Einbildungen vom Christentume beigebracht, und also ist dieser mein getreuer Frantz kein Heide, sondern ein guter Christ."
Wie nun Mirzamanda und ich durch die grosse Crystalle sahen, dass sich an der weissen Wand ein Mann zeigte, welcher einen ziemlich grossen Korb auf dem rücken trug, über welchen auch ein langer Queer-Sack gelegt war, und er auser dem noch in der einen Hand einen ledernen Schlauch, in der andern aber ein fisch-Netz hatte, worin sich lebendige Fische und Krebse befanden, so wurden wir über diesen Mann, der ein graues Kleid und einen schönen Persianischen Hut auf seinem Hauptem blicken liess, fast zum hertzlichen lachen bewogen.
Da nun Urbanus dieses gewahr wurde, fing er, als ein ganz freundlicher Mann, den sein silberfarbener Bart ganz und gar nicht verstellete, indem die hochroten Wangen sehr fein darunter hervor schimmerten, selbsten mit zu lachen an, und sagte: Sehet, meine lieben Schwestern! dieses ist die Gestalt meines Frantzens, in welcher er sich Morgen bei guter Zeit darstellen wird. Ihr aber werdet diesen Abend bei einer Flasche Wein mit kalter Küche mit mir vorlieb nehmen müssen, weilen ich heute keine warmen speisen habe kochen können.
Ohne ferneres Reden stieg er abermals auf einer andern Treppe in die Tieffe hinunter, und brachte nach und nach das schönste Brat-Werck von allerlei Fleisch und Fischen, anbei Citronen, Capern, Limonien und andere eingemachte Sachen an statt des Zugemüses und Salats herauf, hiernächst 4. solche vortreffliche Cocos-Nüsse, dergleichen ich von Grösse Zeit meines Lebens nie gesehen habe, und woran wir beide uns ungemein labten. Urbanus bezeigte sein Vergnügen auf vielerlei Art, da er sah, dass wir uns seine Tractamenten so wohl schmecken liessen, langete deswegen 3. Flaschen von dem allerangenehmsten Palmen-Sect herbei, und nötigte uns jederzeit auf das allerhefftigste, ihm Bescheid im Trincken zu tun. Wir führeten uns aber hierbei sehr behutsam auf, weiln uns dieser Wein etwas stärcker, als andere geringere Weine zu sein, vorkommen wolte. Wie wir uns aber mit speisen und Geträncken genugsam gesättiget hatten, räumete Urbanus selbsten alles vom Tische ab, brachte hergegen das Bild des gecreutzigten Heilandes nebst noch mehr als 12. bis 16. andern Bildern, die alle wie kleine Statuen von lautern Golde gegossen waren, setzte diese Statuen alle nach ihrer Ordnung auf den Tisch, fiel nieder auf die Knie, und verrichtete sein christliches Tisch- und Abend-Gebet in Persianischer Sprache. Da wir nun höreten und verstunden, dass er lauter heilige, andächtige und christliche Worte vorbrachte, liessen wir uns gleichfalls neben ihn auf die Knie nieder, und beteten zu GOtt, eine jede nach ihres Hertzens-Andacht und Anliegen. Nach Verlauff etwa einer guten Stunde richtete sich Urbanus und auch wir beiden wieder in die Höhe, er aber sagte: "Nun, meine Schwestern! will ich euch ein Stück meines Lebens-Wandels erzehlen."
Er tat dieses, und weiln weder die Prinzessin, noch ich, so gar besondere Lust zum Schlaffe hatten: als höreten wir ihm mit Vergnügen zu, indem er, so zu sagen, rechte Wunder-geschichte vorbrachte, bis der Tag fast anzubrechen schien, denn weiln er uns etliche Persianische Decken und Polster aufgebreitet hatte, so schlieffen wir bei ihm weit ruhiger als auf der Sand-Insul.
Kaum war die Sonne aufgegangen, da Urbanus, wie wir mit unsern noch halb schläffrigen Augen gewahr wurden, alle seine güldenen Bilder um den gecreutzigten Heiland herum setzte, sich mit dem heiligen Creutze vielmahl segnete, und hernach sein Morgen-Gebet kniend verrichtete, dergleichen auch wir beide nach unserer Art und Andacht zugleich mit taten. Als dieses geschehen, ging Urbanus zur Clause hinaus, blieb über eine gute Stunde lang aussen, und brachte endlich einen ziemlich grossen Kessel voll gekochten Caffee nebst einem hut Zucker unter seinem arme herein getragen. Wie genossen ein vieles von diesem edlen Geträncke, und zwar mit gröstem Appetite, aus güldenen Schalen, worauf er uns ein anderes starckes Geträncke darreichte, um das Caffee-wasser, seinem Sagen nach, damit nieder zu schlagen, welches er selbsten erstlich etliche mahl credentzete. Nachdem wir nun auch von diesem etwas zu uns genommen, ging Urbanus an sein Schau-Fenster, rief Mirzamanden und mich, und sagte zu uns: "Gucket mir zur Liebe doch alle beide hinaus, ob ihr etwa die person besser mit euren jungen, als ich mit meinen alten Augen erkennen möchtet, welche auf meine Clause daher zugegangen kommt!" Als wir nun beiderseits hinaus guckten, sahen wir gleich, dass es der Frantz in Leibs- und Lebens-Grösse, auch in allen Stücken so beschaffen war, wie er sich gestern im Kleinen an der weissen Wand dargestellet hatte. deswegen rieffen die Prinzessin und ich fast zu gleicher Zeit: Lieber Vater, diese person ist unfehlbar euer Frantz. "Ja! er ist es," (