die Knie darinnen baden mussten. Mein Rat war, umzukehren, und uns viellieber wieder in den dicken Wald zu begeben, wo wir doch einige frische wasser Bächlein, ingleichen gute Kräuter und Wurtzeln zu unserer Nahrung antreffen könnten, indem unsere Lebens-Mittel auf die Neige gehen wolten; Allein Mirzamanda war nicht zurück zu bringen, sondern badete immer im Sande fort, bis wir endlich die Haut von unsern Schenckeln dergestalt abziehen konnten, als ob dieselbe mit siedenden wasser verbrandt wäre. Ja, wir konnten bei tages-Zeit auf dem Sande, wegen grosser Hitze, weder stehend noch liegend, die geringste Rast noch Ruhe geniessen, bis wir endlich, nachdem wir wohl gezehlet, dass es seit unserer Abreise schon 12. mahl Nacht worden, und die Sonne darauf wieder hervor gekommen war, in diesem SandMeere auf eine kleine so genannte Insul gerieten, die uns nicht allein ein halb verwelcktes grünes Gras, sondern auch eine hell- und klare wasser-Quelle vor Augen stellte, als mit welchem letzteren uns am allermeisten gedienet war, weilen der Durst fast noch unerträglicher, als der Hunger werden wolte; ja sich muss es nur bekennen, dass wir zu dreien verschiedenen mahlen, ehe wir gänzlich verschmachten wolten, eine jede ihr eigenes wasser aus einer bei uns habenden güldenen Schaale getruncken. Wir hielten auf dieser kleinen Insul, nach meiner Rechnung, über zwei mahl 24. Stunden Rast, labten uns aus der Quelle, und zogen hernach die dicksten Gras-Stauden aus der Erde, bissen die Wurtzeln mit gröstem Appetite davon ab, und fülleten damit unsere beiden hungrigen Magen, legten uns hierauf bei eintreten der Nacht zur Ruhe, und schlieffen bis zu Aufgang der Sonnen dergestalt vergnügt und unbesorgt, als ob wir uns in einem fürstlichen Zimmer und in den allerschönsten Betten befänden, auch von einer getreuen Wache wohl verwahret würden.
Da wir nur solcher Gestalt wohl ausgeruhet, und uns recht erquickt und gelabet hatten, brachten wir noch einen halben Tag zu, um die besten Wurtzeln und grünen Stauden, die uns wegen ihrer Unschädlichkeit wohl bekannt waren, auszuziehen, und dieselben in Vorsorge wegen des etwa künfftig herannahenden Hungers zu verwahren. Auch fülleten wir jede von den zwei ledigen Flaschen, worin vor der Zeit Wein gewesen war, vorjetzo mit wasser, aus der schönen klaren Quelle, begaben uns also mit diesem Proviant von neuen auf die Reise nach dem Gebürge zu.
Vier ganzer Tage mussten wir noch im Sande baden, ehe unsere Füsse ein vestes Land finden konnten, und mittlerweile kam uns unser Proviant an Kräutern, Wurtzeln und wasser recht herrlich wohl zu statten, indem wir sonsten wegen der fast unerträglichen Hitze unfehlbar hätten verschmachten müssen. So bald wir aber am Abende des 4ten Tages ein vestes Land gefunden, erblicktē wir auch auf einer berges-Höhe ein hellbrennendes Feuer: weswegen wir, der uns gemachten Beschreibung nach, dieses Werck nicht etwa vor ein Heidnisches Feuer, sondern als die Einsiedlerei des frommen Einsiedlers Urbani einbildeten, und in gedanken vorstelleten; welche letzteren uns denn, wie wir hernach erfahren, auch nicht betrogen hatten; Allein es war uns der grossen Mattigkeit wegen ganz unmöglich, die Höhe des berges, auf welchem das Feuer noch immerfort brandte, zu erklettern, weswegen wir denn an der Mitte desselben liegen blieben, in einen tieffen Schlaf verfielen, und nicht ehe, als durch den Anblick der aufgehenden Sonne ermuntert wurden. Demnach kletterten wir beide matte und ermüdete Personen mit Händen und Füssen den Berg vollends hinauf, sahen das angemachte Feuer annoch brennen, fanden aber in der Clause oder Hütte weder Hund, noch Menschen, bis wir um die Clause herum gingen, und einen Mann mit einem grossen weissen Barte (der ihm fast bis an die Gürtel-Stätte reichte) antraffen, welcher beschäfftigt war, mit einer Schauffel und Hacke ein tieffes Grab in die Erde zu machen.
Wir beteten zu GOtt, creutzigten und segneten uns alle beide, gingen hierauf ganz dreuste auf den alten Greiss zu, und fragten ihn: warum er es sich so sauer werden liesse, ein solches tieffes Loch in die Erde zu graben, indem wir wohl sähen, dass er sehr bei solcher Arbeit schwitzte, dieser Berg aber vielleicht wohl zu hoch sei, um etwa einen Brunnen zum WasserSchöpffen darauf, einzugraben.
Hierauf öffnete der alte Greiss seinen Mund, und sagte zu mir: Liebe Schwester in Christo, dem Welt Heilande, erzeige mir den Gefallen, und wische mir den Schweiss von meinem Angesichte ab, sodann will ich ferner mit euch reden, weiln ich wohl weiss, dass deine Gefertin die Printzessin Mirzamanda von Candahar, und du ihre Pflege-Mutter bist.
Ich erstaunete ziemlicher massen über die Worte dieses Mannes, jedoch, da er den Nahmen Christi nur einmal genennet, hielt ich ihn dennoch vor keinen Heiden oder Anbeter des Feuers und anderer Götzen; machte mir deswegen kein Gewissen, ihm den Schweiss aus seinem Angesichte mit einem reinen weissen Tüchlein abzuwischen; Mirzamanda aber ging inzwischen etwas auf die Seite, kam jedoch bald wieder zurück, da sich denn der Greiss auf eine grüne Grase-Banck niederliess, und also zu uns redete: "Ihr glaubt, meine lieben Kinder! dass ich etwa einen Brunnen graben will, um jederzeit frisches wasser zu haben, allein dieses fehlet mir nicht, weiln etwa nur 20 bis 30 Schritte hinter dieser meiner Clause das allervortrefflichste wasser aus einem kieselharten Felsen mir entgegen gesprungen kommt, Ich will euch aber dieses sagen, dass das Loch