auswendigen Seite muste ich mich aber viel grösserer Gefahr unterwerffen, weil daselbst die Felsen weit steiler, und an vielen Orten gar nicht zu beklettern waren, weswegen ich an drei Orten in die Felsen-Ritzen Pfähle einschlagen, ein langes Seil dran binden und mich 3. mal 8. 10. biss 12. Elen tief, an selbigen herunter lassen muste. Solchergestalt gelangete ich endlich zu meines lieben Herrn van Leuvens jämmerlich zerschmetterten körper, der, weil ihm das Gesicht sehr mit Blut unterlauffen war, seine vorige Gestalt gänzlich verlohren hatte, und allbereit wegen der grossen Hitze, einen üblen Geruch von sich gab, jedoch ich hielt mich nicht lange dabei auf, sondern wickelte ihn eiligst in das bei mir habende Tuch, bewunde dasselbe mit Stricken, band ein Seil daran, und zohe diese Last nach und nach hinauff. Zu meinem Glücke hatte ich in die vom Felsen herab hangenden Seile, verschiedener Weite nach, Knoten gebunden, sonst wäre fast unmöglich gewesen wieder hinauff zu kommen, doch der Himmel bewahrete mich in dieser besonderen Gefahr vor allem Unfall, und ich gelangte nach etwa 6. oder 7. Stunden verlauff, ohnbeschadet, doch sehr schwer beladen und ermüdet, wiederum bei Concordien an. Durch vielles Bitten und vernünfftige Vorstellungen, erhielt ich endlich so viel von selbiger, dass sie sonst nichts als ihres seel. Ehe-Mannes gesicht und die Hand, woran er annoch seinen SiegelRing stecken hatte, zu sehen begehrte. Sie wusch beides mehr mit Tränen, als mit wasser aus dem vorbei rinnenden Bächlein ab, und küssete ihn ungeachtet des übeln Aussehens und Geruchs vielfältige mal, zohe den Ring von seinem Finger, und liess endlich unter hefftigen Jammer-Klagen geschehen, dass ich den körper wieder einwickelte, und auf vorige Art umwunde.
Sie halff mir denselben biss in unsere unterirrdische Höle tragen, woselbst er, weil ich nicht allein sehr ermüdet, sondern es auch allbereit ziemlich spät war, liegen blieb, und von uns beiden bewacht wurde. Mit anbrechenden Tage machte ich ein Grab neben des Don Cyrillo seinem, worein wir diesen lieben verunglückten Freund, unter vergiessung häuffiger Tränen, begruben.
Lemelie, der unserer Arbeit von ferne zugesehen hatte, kam erstlich des folgenden Tages wieder zu uns, und Bemühete sich mit Erzehlung allerhand lustiger geschichte, der Concordia Kummer zu vertreiben. Doch dieselbe sagte ihm ins Gesicht: Dass sie lieber mit dergleichen Zeitvertreibe verschonet bleiben möchte, indem ihr Gemüte nicht so leichtsinnig geartet, dergleichen höchst empfindlichen Verlust solchergestalt zu verschmertzen. deswegen führte er zwar nachher etwas vernünfftigere Reden, doch Concordia, die bisshero fast so wenig als nichts geruhet, verfiel darüber in einen tieffen Schlaf, weswegen Lemelie und ich uns gleichfalls in einer andern Ecke der Höle, zur Ruhe legten. Jedoch es schien, als ob dieser Mensch ganz besondere Anfechtungen hätte, indem er so wohl diese, als viele folgende Nachte, fast keine Stunde nach einander ruhig liegen konte. Er fuhr sehr öffters mit ängstlichen Geschrei aus dem schlafe auf, und wenn ich ihn desswegen befragte, klagte er über sonst nichts, als schwere Träume, wiewol man ihn nach und nach sehr abgemattet, und fast an allen Gliedern ein starckes Zittern verspürete, jedoch binnen 2. oder 3. Wochen erholete er sich ziemlich, so, dass er nebst mir, unserer künfftigen Nahrung wegen, sehr fleissig arbeiten konte.
Bei dem allen aber, lebten wir 3. von ganz unterschiedenen Gemüts-Regungen eingenommene Personen, in einer vollkommenen Verwirrung, da es zumal das gäntzliche Ansehen hatte, als ob alle unsere vorige Gedult, ja unser völliges Vergnügen, mit dem van Leuven begraben wäre. Wir sassen öffters etliche Stunden beisammen, ohne ein Wort mit einander zu sprechen, doch schien es als ob immer eines des andern gedanken aus den Augen lesen wolte, und dennoch hatte niemand das Hertze, der andern und dritten person Hertzens-Meinung auszufragen. Endlich aber da nach des van Leuvens Beerdigung etwa 4. Wochen verlauffen waren, hatte sich Lemelie bei ersehener gelegenheit die Freiheit genommen, der Concordia in Geheim folgende Erklärung zu tun: Madame! sagt er ungefähr: Ihr und ich haben bisshero das unglückliche Verhängniss eures seel. Ehe-Mannes zur gnüge betrauret. Was ist nunmehr zu tun? Wir sehen kein ander Mittel, als vielleicht noch lange Zeit unserm Schicksal auf dieser Insul Gehorsam zu leisten. Ihr seid eine Wittbe und dazu hoch schwanger, zu euren Eltern zurück zu kehren, ist so unmöglich als schändlich, einen Mann müsset ihr haben, der euch bei Ehren erhält, niemand ist sonsten vor euch da als ich und Albert, doch weil ich nicht zweiffele, dass ihr mich, als einen Edelmann, diesem jungen Lecker, der zumal nur eine privat-person ist, vorziehen werdet; So bitte ich um eures eigenen Bestens willen, mir zu erlauben, dass ich die erledigte Stelle eines Gemahls bei euch ersetzen darff, so werden wir nicht allein allhier unser Schicksal mit Gedult ertragen, sondern in Zukunfft höchst vergnügt leben können, wenn wir das Glück haben, dass uns vielleicht ein Schiff von hier ab, und zu mehrerer menschlicher Gesellschafft führen wird. Albert, sagt er ferner, wird sich nicht einmal die hochmütigen gedanken einkommen lassen, unserer beider Verbindung zu widerstreben, deswegen bedencket euer Bestes in der Kürtze, weil ich binnen 3. Nachten als Ehe-Mann mit euch zu Bette zu gehen entschlossen, und zugleich eure tragende LeibesFrucht, so gut als die Meinige zu achten