Willen nicht erfüllen wilt, so will ich deinen Vater vor deinen Augen erwürgen lassen."
Mit Endigung dieser Worte ergriff er die Printzessin in der Mitte des Leibes, stiess die Tür auf, so auf den grossen Saal ging, und trug dieselbe dadurch hinaus. Ich war einiger massen wieder zu mich selbst gekommen, deswegen folgte ich ihnen auf dem fuss nach, bis auf den grossen Saal, da ich denn so viel vernahm, dass Arab-Ogli denen daselbst befindlichen Wächtern befahl, dass sie seinen Befehl, ohne einen Augenblick zu versäumen, ausrichten sollten.
Demnach wurde sogleich der gute Fürst herbei gebracht, ihm in der Geschwindigkeit eine Schnur um den Hals geworffen, und er damit erdrosselt, so, dass er sich auf dem Boden, ohne einen laut von sich zu geben, zu tod zappeln muste. Hergegen machte Mirzamanda ein desto grösser Geschrei, hielt sich aber auf diesem unglückseligen platz nicht lange auf, sondern eilete in ihr Zimmer zurück. Was halff aber dieses? denn Arab-Ogli folgte ihr auf dem fuss nach, warff sie abermals mit der grössten Gewalt nieder, drohete ihr auch mit einem entblöseten Dolche, sie damit zu erstechen, woferne sie sich nur im allergeringsten ferner wiedersetzen würde. Jedoch die behertzte Mirzamanda runge dem Ehren-Schänder den Dolch glücklich aus den Händen heraus, und versetzte ihm in gröster Geschwindigkeit 8. bis 10. Stiche in die Brust und in den Unterleib, so, dass er gar bald darnieder sanck, und seinen Geist aufgab.
Ich hätte sogleich in Ohnmacht sincken mögen, da ich durch mein Gucke-Loch diese jämmerliche MordGeschichte mit ansahe, allein der Printzessin erstaunliches Zeter- und Mord-Geschrei trieb nicht allein diese zurück, sondern lockte auch etliche Mann von der Wache herbei, welche sogleich die Tür eintraten, um zu sehen, was vorginge. Wie nun diese Mannschafft sah, welchergestalt sich ihr Herr auf dem Boden in seinem Blute herum weltzete, lieffen sogleich einige derselben zurück, um diese Begebenheit der Schwester des Arab-Ogli zu berichten: denn es hatte dieser geile Herr weder Frau, noch Kinder, sondern sich schon eine lange Zeit daher mit Huren beholffen. Gemeldte Schwester des Arab-Ogli blieb erstlich eine lange Weile stehen, als ob sie versteinert wäre, nachdem sie dieses Spectacul erblickt hatte; endlich aber tat sie ihren Mund auf, und sagte: "Printzessin Mirzamanda! welcher böse Geist hat euch verleitet, diesen meinen Bruder, als einen regierenden Fürsten, auf so grausame Art zu ermorden? Mirzamanda gab hierauf zur Antwort: Ich habe einen vermaledeieten Nachsteller und Räuber meiner Ehre, welche aber der Himmel mir bis hieher dennoch erhalten hat, mit seinem eigenen Dolche ermordet, und zwar ohne andere Beihülffe, mit meiner eigenen Faust; ob er ein regierender Fürst, oder euer Bruder sei, darum bekümmere ich mich wenig, weilen ich, als eine gebohrne Printzessin wegen dieser meiner begangenen Tat hauptsächlich niemanden anders, als dem Dreieinigen GOtte, und zwar als eine getauffte Christin, Rede und Antwort zu geben, mich schuldig zu sein, versichert halte."
Die Schwester des Arab-Ogli erholete sich einiger massen wieder von dem gehabten Schrecken, führte sich, nachdem sie etwas Wein und Confect zu sich genommen hatte, ungemein liebreich und artig gegen Mirzamanden auf, ersuchte auch dieselbe, ihr noch in ein ander Neben-Zimmer zu folgen. Diese tat es, und ich hörete, dass beide in Geheim bis zu Aufgang der Sonnen ein recht vertrauliches Gespräch unter einander führeten; So bald aber solchergestalt der Tag angebrochen war, kamen viele Männer mit Gewehr in unser Zimmer herein getreten, die Mirzamanden und mich in eiserne Ketten und Banden schliessen liessen, hernachmahls in ein wohlverwahrtes Gewölbe brachten, welches gleich unter unserm Zimmer und unter der Treppe war, durch welche wir in den Garten hinab steigen konnten. So bald wir in diesem seltsamen Behältnisse angelanget, sprach ich zu meiner Printzessin: nunmehr wird uns wohl unser letzteres Brod schon gebacken sein; Diese aber gab ganz freimütig zur Antwort: Glaubet es nicht, meine liebe Anna! wir werden nicht sterben, sondern leben bleiben müssen, um des HErrn Werck zu verkündigen.
Mittlerweile liess uns die Schwester des Arab-Ogli mit den allerbesten speisen und Geträncken versehen, welche allemahl credentzt wurden, damit wir uns nicht etwa einen Eckel oder gar die Einbildung machen möchten, als ob etwa Gifft darinnen befindlich wäre, ja, die Printzessin offenbarete mir das ganze Gespräch, welches sie mit der Schwester ihres Feindes gehalten, und weilen diese nunmehr die regierende Fürstin wäre, so wolten wir unverzagt und gutes Muts sein, zumahlen, da sie gewiss versichert worden, dass es nicht ihr Vater, sondern ein anderer Missetäter, von der Gestalt des Fürsten von Candahar gewesen sei, welchen Arab-Ogli bloss ihr, der Printzessin, zum Schrecken erdrosseln lassen. Ich liess mir vor meine person alles vorschwatzen, so viel sie nur immer wolte, unterdessen aber wurde wenige Tage hernach Mirzamanda vor ein peinliches Hals-Gerichte auf den grossen Saal gefordert, auf das allerschärffste ausgefragt und verhört; worauf ihr, als einer Mörderin des regierenden Fürsten, das Urteil dermassen ausgesprochen wurde: dass sie auf einem 12. Ellen hohen Scheiter-Hauffen lebendig verbrand werden sollte.
Nach angehörtem Urteil hielt Mirzamanda in Persianischer Sprache eine Rede, die bald eine Stunde lang währete: denn es waren mehr als 5. bis 600. Menschen auf dem saal versammlet, jedoch ging erstlich alles ganz