eine grosse Gallerie steigen, und uns aus den vielen Fenstern weit und breit umsehen, mitin frische Lufft schöffen könnten. Aufer dieser oben hinaus lauffenden Treppe, wurde noch eins andere in die Tieffe angelegt, wobei er uns die Freiheit gab, so offt als es uns nur immer gefällig wäre, hinunter in den grossen Baum- und Lust-Garten zu steigen, in welchem Garten denn auch verschiedene wilde Tiere, als Löwen, Leoparden, Tygertiere und dergleichen andere wilde Bestien mehr in ordentlichen vor sie erbaueten Gehäusen aufbehalten wurden, ohne diese unbeschreibliche Menge der grossen und kleinen Vögel von allerhand Arten. Zuweilen, wenn Arab-Ogli selbsten in das Lust-Haus kam, worin sich die Printzessin befand, liess sich in etwas von ferne bald eine sanffte, bald aber eine starcke Musique hören. An den herrlichsten Erfrischungen war kein Mangel, vielmehr der gröste Uberfluss, und mit wenig Worten zu sagen, so suchte sich Arab-Ogli der Printzessin auf alle nur ersinnliche Art dergestallt gefällig zu machen, dass sie ihm ihr Hertz schencken, und zu ihrem zukünfftigen Ehe-Gemahl erwehlen sollte; Allein die Printzessin wurde bei allen seinen Liebkosungen und Schmeicheleien von einer Zeit zur andern immer unempfindlicher, ja, sie konte den Arab-Ogli fast nicht mehr vor ihren Augen sehen. Endlich besonne sich dieser noch auf ein Mittel, um sie zur Liebe zu reitzen, indem er die besten Comœdianten bestellete, welche auf der Gallerie die verliebtesten Schau-Spiele spielen mussten, da denn nicht allein die Printzessin, sondern auch ich, ohne von jemanden gesehen zu werden, alles was vorgestellet wurde, beobachten konte. Da aber auch dieses nichts bei der Printzessin verfangen wolte, im Gegenteil sie diese Narrens-Possen nach wenig Tagen gar nicht mehr anzusehen würdigte, wurde Arab-Ogli endlich verdriesslich, ja, so zu sagen, gänzlich in den Harnisch gejagt, weswegen er der Mirzamanda nachher, so offt er sie besuchte, nicht halb so freundlich begegnete, als vorher. Bald darauf legte er derselben einige Briefschafften vor, welche ihr Vater, als der Fürst von Candahar, (seinem Sagen nach) eigenhändig sollte geschrieben haben, und in welchen Briefen Mirzamanden von ihrem Vater anbefohlen wurde, das Beilager mit dem Arab-Ogli, als seinem neuen werten Freunde, und liebsten Schwieger-Sohne, auf das allereiligste zu vollziehen, indem er bald selbsten kommen und sie besuchen wolte; Allein Mirzamanda merckte den Betrug und die List, weilen sie ihres Vaters Hand und Siegel besser kannte; weswegen sie sich gegen den Arab-Ogli nochmahls weigerte, dem väterlichen Befehle zu gehorsamen, sondern es so lange anstehen zu lassen versprach, bis ihr Vater selbsten käme, und ihr das Wort in den Mund gäbe.
Hiermit war dem Fasse der Boden eingestossen, denn Arab-Ogli ging nur nach der tür des Zimmers, und murmelte viele Worte mit der davor stehenden Wache, welche wir aber nicht alle vernehmen konnten, bis endlich etwa eine Stunde hernach der Fürst von Candahar, als der Printzessin Vater, in unser Zimmer herein gebracht wurde; jedoch in einer sehr jämmerlichen Gestalt, und über dieses alles noch, dass er eiserne Ketten und Banden an Armen und Beinen trug. Hier sollte nun die Ehe-Stifftung geschlossen werden; allein, nachdem die Prinssessin eine kleine Ohnmacht überstanden, sagte sie so wohl zu ihrem Vater, als dem Arab-Ogli, dass sie viel lieber des allerbittersten Todes sterben, als des Arab-Ogli Gemahlin werden wolte.
Der Fürst, ihr Vater, versetzte hierauf: "Siehe, meine Tochter! wir sind unter die hände unserer Feinde geraten, ob uns die Götter wieder daraus erretten wollen, solches müssen wir abwarten; ich aber, als Vater, zwinge dich zu keiner unanständigen Heirat, sondern überlasse dir dessfalls deinen eigenen Willen, weilen ich versichert bin, dass es dir am verstand nicht fehlet."
Arab-Ogli mochte sich zwar über diese Worte nicht wenig ärgern, allein er ging nochmahls zum Zimmer hinaus, und redete mit der darvor stehenden Wache, kam auch bald wieder zurück, und etwa eine 4tel Stunde hernach wurde der Fürst von der Wache mit seinen tragenden Ketten abgefordert und zurück geführt. In den Mitternachts-Stunden kam Ogli abermals in der Printzessin Zimmer, und suchte dieselbe mit den allerglättesten Worten zu seiner Liebe zu bewegen; da aber dieses geschehen, zumahlen, da sie ihren Vater in Ketten und Banden gehen und hinweg führen sehen, so war sie fast in eine kleine Raserei geraten, dergestalt, dass sie dem Arab Ogli die schändlichsten Reden anzuhören gab. Dieser, ungeachtet man meinen sollen, er würde sich zur Ruhe begeben, und Mirzamanden auf dissmahl zu Frieden lassen, unterstunde sich dennoch derselben auf das allerhefftigste zuzusetzen, ja! seine Geilheit trieb ihn so weit, sie mit Gewalt dazu zu zwingen, auch alle Kräffte daran streckte, seinen verfluchten Zweck zu erreichen, allein Mirzamanda wehrete sich auch dergestalt, dass ich mich nur verwundern muste, wo sie die Stärcke und Kräffte herbekam, sich diesem starcken mann zu widersetzen. Endlich ruffte sie mich um Hülffe an, allein ich war kaum durch die halb eröffnete Tür in ihr Zimmer hinein getreten, als mich Arab-Ogli mit gröster Gewalt zu Boden warff, so, dass ich die Beine in die Höhe kehren muste, und mich weiter fast nicht besinnen konte; doch hörete ich noch so viel, dass er zur Printzessin sagte: "Siehe! weil du meinen