es dir dein Leben."
Als er dieses gesagt, muste sogleich ein Scheerer herein in das Zimmer treten, welcher der Printzessin alle ihre schönen schwartzen Haare von dem haupt abschneiden und abscheeren muste. Sie hielt gedultig stille, wie ein Lamm, da aber dieses geschehen, trat eine verfluchte alte Persianische Schwartzkünstlerin, die ich sehr wohl kannte, in das Zimmer herein, welche in jeder Hand ein Bügel-Eisen hatte, welche alle beide fast halb glüend zu sein schienen.
Demnach sagte der Fürst zu seiner Tochter: Siehe! weil du wider mein Wissen und Willen mir wasser getaufft bist, so will ich dich nunmehr zu meinem Vergnügen mit Feuer tauffen lassen. Hierauf gab er der alten verfluchten Bestie einen Winck, und sagte öffentlich, dass sie ihr Amt redlich verrichten, sich an nichts kehren, und seine Tochter gar im geringsten nicht verschonen sollte. Demnach fing das verfluchte Weib der Printzessin Kopf dergestalt mit dem halb glüenden Eisen zu bügeln an, dass ich fast darüber in Ohnmacht gesuncken wäre, zumahlen, da die Printzessin unter währenden Bügeln 3. laute Schreie tat. Jedoch, weil sie einen recht heldenmütigen Geist hatte, so erhohlete sie sich bald wieder, wir aber sahen in der Kürtze auf dem kopf verschiedene ziemlich grosse Brand-Blasen auflauffen, weswegen wir ihr denn ihre Haube aufsetzen wolten; allein, sie wolte es durchaus nicht leiden, sondern stunde im blosen kopf auf, ging auf ihren Herrn Vater zu, und küssete ihm die Hand. Dieser sprach zu ihr: Siehe, meine Tochter! nun bist du mit Feuer getaufft, und diese Feuer-Tauffe, ob sie dir gleich etwas schmertzlich gewesen, soll dir doch wohl besser geraten und nutzen, als die schlechte wasser-Tauffe. Hierauf versetzte die hertzhaffte Printzessin: Ich habe die Hoffnung zu meinem Erlöser, JEsu CHristo, dass mir diese marterhaffte Feuer-Tauffe an meiner Seelen-Seligkeit nicht schaden, sondern er mich, vermöge seines Wortes, durch die wasser-Tauffe und den wahren Glauben an ihn, den ich in meinem herzen hege, nach meinem tod zu sich in sein Paradiess nehmen werde.
Man sah es dem Fürsten an seinen Augen an, dass er über diese Antwort seiner Tochter vor Zorn, Gifft und Galle fast hätte platzen und bersten mögen, jedoch er ging ganz stillschweigend fort, und wie wir aus den Fenstern sehen konnten, in dem Blumen-Garten in tieffen gedanken spatziren herum.
Wenige Stunden nach dieser Begebenheit, da meine Augen noch lange nicht trocken waren, wurden uns beiden so viel der besten speisen und Wein zugebracht, dass sich mehr als 10. Personen damit sättigen können. Wir verschmäheten dieselben nicht, sondern gaben alles unsern Aufwärtern und der Wache-Preiss, da aber ein Artzt ankam, und sich meldete, die Printzessin an ihrem Brand-Schaden zu verbinden, wiese sie denselben mit den Worten ab: diese Tauffe, wenn sie nicht ganz und gar vom Teufel wäre, müste wohl von sich selbst den zurückgelassenen Schaden heilen; sie wuste aber wohl, dass ich noch eine ziemliche grosse Büchse voll Brand-Salbe stehen hatte, welche ich übrig behalten, da ich mir kurz vorher mit heissem wasser den ganzen Schenckel verbrandt.
In nachfolgenden Tagen wurden uns ebenfalls die besten speisen und Geträncke zugeschickt, wobei wir erfuhren, dass der Fürst abermals eine weite Reise, (ohne Zweifel aus Gewissens-Angst) angetreten, jedoch hinterlassen hätte, uns Zeit seiner Abwesenheit auf das allerschärffste zu bewachen, bis er nach seiner Zurückkunfft andere Mittel ausfinden würde.
Die Printzessin war froh, da sie erfuhr, dass ihr tyrannischer Vater weggereiset wäre, noch weit vergnügter aber wurde sie, als eines Abends der getreue Jacob nebst seiner Frauen in unser Zimmer eingetreten kamen, als welche die Schild-Wächter mit Gelde so wohl, als mit Wein-Flaschen bestochen hatten. Wir hielten insgesamt ein vertrauliches Gespräch mit einander, da er sich denn gegen uns erklärete, dass, weilen in dem Haupt-Hafen dieses Reichs einige Holländische Schiffe vor Ancker lägen, er seine Baarschafften zusammen nehmen, und nebst seiner Frau nach Europa überschiffen wolte, indem er schon einige Anstalten dazu gemacht, wären nun wir zum mitreisen geneigt, so wolte ersehen, dass er uns mit fortelffen könnte: denn er merckte wohl, dass es so wohl vor die Printzessin, als vor mich höchst gefährlich wäre, länger allhier zu bleiben, vorjetzo aber könne er uns als ein Wein-Händler wohl fortelffen. Man sagt sonsten im gemeinen Sprichworte: Wer gerne tantzt, dem ist leichte gepfiffen, und dieses traff bei mir ein, denn ich kan nicht läugnen, dass ich mich hertzlich nach Europa sehnete, und vielleicht wieder in mein Vaterland zu kommen verhoffte, indem ich einen ziemlichen Schatz an Kleinodien, Diamanten und andern kostbaren Edelgesteinen gesammlet, welchen ich meistenteils der Freigebigkeit meiner seligen Fürsten zu dancken hatte. Wie nun die Printzessin diesen meinen Entschluss gewahr wurde, fiel sie mir zu Füssen, und bat mich mit heissen Tränen, sie mit nach Europa unter die Christen zu nehmen, denn sie wolte sich und mich mit Kostbarkeiten dergestalt beladen, dass wir alle beide schwer und sauer genug daran zu tragen haben sollten. ungeachtet ich nun dieses Vornehmen der Printzessin als ein allerhöchst gefährliches Werck vorstellete, indem es erstlich sehr schwer halten würde, durch die Wachen zu kommen, vor das andere, wenn man uns auf der Flucht ertappte, unser Leben in der allergrösten Gefahr stünde, so liess