nicht erlaubt, auch den geringsten Götzen-Dienst zu begehen, vielweniger den Götzen zu opfern, oder von der dieserwegen von den Heiden angestelleten Mahlzeit etwas zu geniessen, wie mich denn die heilige Schrifft dieses lehret, zumahlen, da ich in meiner heiligen Tauffe durch den Mund und Zungen meiner 3. Tauff-Zeugen, dem Teufel so wohl, als allen seinem Werck und Wesen gänzlich abgesagt, anbei mich verbindlich gemacht, weiter an nichts zu glauben als an die hochheilige Dreifaltigkeit, nämlich, Vater, Sohn und heiligen Geist; ferner aber meine Lebens-Art so einzurichten, wie sie mir in der heiligen Bibel, als dem wahren Worte GOttes, vorgeschrieben ist.
So bist du denn schon getaufft? (fragte der erzürnte Fürst weiter:) Ja, mein Fürst und Vater! (versetzte ihm die Printzessin) ich bin getaufft im Nahmen der Hochheiligen Dreifaltigkeit, anbei auf CHristi Blut und Gerechtigkeit. Wer hat dich getaufft? (fragte der Fürst noch ferner) Das hat Jacob getan, und zwar auf ausdrücklichem Befehl meiner seligen Mutter (erwiderte die Printzessin) und eben dieser Jacob, nebst seiner Frauen, und meiner Anna, als meiner Pflege-Mutter, die mir bis hieher viel Gutes erwiesen, sind die Zeugen meiner christlichen heiligen Tauffe. Uber diese verwegenen und dreusten Reden wurde der Fürst dergestalt verdriesslich, dass er abermals ganz zornig von seinem Sofa aufsprung, weiter kein Wort sagte, sondern stillschweigend davon ging. Da uns aber des andern Tages die Mittags-Mahlzeit, welche in einer Schüssel voll mit wasser gekochtem Reiss und etwas Brod und wasser bestunde, durch die Bedienten herbei gebracht wurde, erfuhren wir von ihnen, dass der Fürst gestern Abend noch ganz spät den Jacob und seine Frau in Ketten und Banden schliessen, auch in ein wohl verwahrtes gefängnis legen lassen. Bei so gestalten Sachen hatten ich und meine Mirzamanda keine besonders geruhige Nacht, zumahlen die Abend-Mahlzeit eben nicht besser, als die Mittags-Mahlzeit gewesen war; jedoch es fanden sich unter den Bedienten noch etliche Getreue, welche uns nicht allein alles, was wir bedurfften, und zwar auf mancherlei listige Art zuschafften, sondern auch von allem dem, was bei hof vorging, Nachricht brachten.
Des Fürsten Zorn, da er seine eintzige Tochter, so zu sagen, mit blosem wasser und Brod gespeiset, verschwand aber binnen 3. Tagen, da er denn ganz freundlich kam, und sie zu einem neuen Schach-Spiele mit ihm zu spielen nötigte; von den alten Geschichten und begebenheiten gedachte er gar nichts, endlich aber fragte er, wo denn die Anna wäre? wie nun die Printzessin antwortete: dass dieselbe in einem Neben-Zimmer vielleicht schon schlieffe, so fing er abermals an, seine Gemüts-Regungen bei der favorablen Nacht-Zeit zu Tage zu legen, und die Printzessin dahin zu verleiten, seinen geilen Begierden Gehör zu geben, um sogleich seinen Willen zu erfüllen; Allein, die hertzhaffte Printzessin stunde auch diesen Kampf mit himmlischer Hülffe ritterlich aus, bis er sie nach noch vielen gebrauchten Schmeicheleien endlich mit gröstem Ungestüm beängstigte, und das, was er in Güte nicht erhalten konte, nunmehr mit stürmender Faust zu erobern trachtete. Der Printzessin Hülffe-ruffen war vergebens, indem ich mich scheuete, ihr, wegen der vor unserer Tür stehenden Wache, zu Hülffe zu kommen; deswegen hörete ich nur noch dieses, dass die Printzessin sagte: Wäre es doch kein Wunder, wenn sich der körper meiner seligen Mutter noch in der Erden umwendete, und ein Donner-Wetter erregte, welches einen so gottlosen Vater und mich unschuldige Tochter sogleich im Augenblicke verderbete! die ich durchaus keine Hure, vielweniger eine Blutschänderin werden, sondern lieber als eine Christin leben und sterben will.
Kaum hatta Mirzamanda diese Worte (bei deren Anhörung mir die Haare fast zu Berge stunden) ausgeredet, da sogleich ein entsetzlicher Donnerschlag geschahe, und 2. Donner-Keile in unserm Zimmer aus einem Winckel und Ecke in die andere lieffen, auch dergestalt im Zimmer herum schwärmeten, dass wir insgesamt gedachten, dieses wäre die letzte Stunde unseres Lebens. Als aber nach Verlauff etwa einer haben Stunde, Blitz Donner, Hagel, Regen und ein grausamer Sturm-Wind sich nicht mehr hören, sehen, noch spüren liessen, wurden wir zwar einiger massen wieder lebendig, befanden aber, dass der Fürst auf dem Faul-Bettgen ohnmächtig ausgestreckt lag, dessen Leib-Hund aber, welcher unter dem Tische lag, war dergestalt von den herum schweiffenden DonnerKeilen verletzt worden, dass er nicht auf den Beinen stehen konte, sondern so zugerichtet, dass er hinweg getragen werden muste, wie denn dieser sein LeibHund auch wenige Stunden nach dieser Begebenheit verreckte. Der Fürst hingegen wurde, nachdem wir ihn mit starcken Gewässern und Balsamen wieder zu sich selber gebracht, auf eigenes Verlangen in sein Schlaf-Gemach geführt.
Mir war gleich nicht wohl bei der Sache, indem ich gedachte, dass der ohne dem zornige und erschrockene Fürst uns das Bad würde austragen lassen; da wir aber gedachten, dass er vielleicht so bald nicht wiederkommen würde, kam er sogleich des zweiten Vormittags darauf, und brachte den Jacob nebst seiner Frauen mit, da er denn zu seiner Tochter sagte: "Siehe! diese habe ich noch deinetwegen begnadigt, du solt mir aber durchaus keine Christin bleiben, weilen ich etwas ganz anderes zu meinem und deinem Nutzen mit dir vorhabe, und wenn du mir nicht folgen wilst, so kostet