dahin, dass er seiner leiblichen Tochter Unzucht zumutete, derselben auch unter den grössten Schmeicheleien und grossen Versprechungen seine hefftige Liebe antrug, und um die Erfüllung seines Willens auf das allersehnlichste anhielt. Wie ich nun über diese Begebenheit recht erstaunete, so fand mich doch bald auf das allerkräfftigste getröstet, da ich vernahm (denn ich konte durch ein verborgenes Schau-Loch alles sehen und hören, was in der Printzessin Zimmer vorging) dass sie die Versuchungen ihres Vaters, vornemlich aber des Teufels, mit einem heldenmütigen geist von sich abschlug. Was massen sie den christlichen Glauben angenommen, bekennete sie freimütig und darbei dieses, dass sie niemand sonsten mehr und hefftiger dazu verleitet hätte, als ihre unglücklicher Weise verstorbene leibliche Mutter, und der auch noch in ihrem tod zu Gefallen wolte sie eine Christin bleiben, bis an ihr Ende, man möchte auch mit ihr machen, was man nur immer wolte, indem sie gewiss glaubte, dass ihre Mutter, die eines zwar schmertzlichen Todes gestorben, dennoch aber ganz gewiss in der seligen Ewigkeit sich befinden müsse; weilen dieselbe, so lange bis ihr der letzte Atem ausgegangen, immer die beiden Worte: JEsus! CHristus! ausgeruffen, und eben dieses wäre ja der Mann, der alle Menschen, die an ihn glaubten, selig machen könnte.
In diesem Stück beging die Printzessin keine Lügen, denn so bald der Pfeil der verstorbenen Fürstin in die Brust fuhr, rief sie gleich zu dreien mahlen JEsus! JEsus! Christus! und wiederhohlete diese Worte so lange, bis ihr der letzte Atem entging, daher ich diese Fürstin eben nicht gänzlich verdammen kan, zumahlen, da ihre übrige Lebens-Art in allen Stücken sehr wohl eingerichtet war, ausgenommen, was die Possen-Spielereien aus der SchwartzenKunst anbetrifft, weswegen, wenn ich ihr dann und wann wohl öffters das Gewissen rührete, sie mir aber zur Antwort gab: Ihr sehet ja, liebe Anna! das dieses nur ein Narren-Werck und Gauckel-Spielerei ist, womit ich zwar einen und den andern zuweilen am leib, jedoch niemals gefährlich, geschweige denn an der Seele beleidige, mitin, da das allermeiste von meinen Künsten und Wissenschafften natürlich zugehet, ich aber mit den bösen Geistern ganz und gar keine Gemeinschafft habe, so kan dieses eben nicht allzu sehr wider das Christentum streiten. Jedoch (sagte sie denn öffters im rechten Ernste) ich kan ja alle diese Narrens-Possen ohne besonderen HertzensZwang bleiben lassen.
Damit ich aber in meiner Geschichts-Erzehlung den Krebs-gang vermeide, und nicht wieder auf das schon vorhin gemeldete gerate, so will nur dieses weiter berichten; dass der Fürst über die tapfermütigen und hertzhafften Worte, die seine Tochter in gröstem Eifer vorbrachte, dergestalt in Zorn gebracht wurde, dass er plötzlich von seinem Sofa aufstund, und sich von dannen, nach seinem Zimmer begab, ohne, wie er sonsten zu tun pflegte, der Printzessin einen Kuss auf eine geruhige Nacht zugeben. Mir fing schon, ehe ich mich noch zu Bette legte, etwas Ubels zu träumen an, doch, da ich mich hingelegt hatte, kam die Printzessin, scharrete sich bei mir ein, und klagte mit weinenden Augen die nie erhörten Versuchungen ihres leiblichen Vaters, welchen sie zwar entgegen gesetzt, dass dieses, was er von ihr verlangte, eine so wohl bei Christen, Heiden, Juden, ja auch bei den allerungezogensten Völckern, eine verdamte und verfluchte Sache sei, allein, er bliebe immerzu auf diesem Vorurteile bestehen: "dass, wer den Baum gepflantzet hätte, der habe auch das Recht, die ersten Früchte davon zugeniessen etc." Wie ich nun aber vollkommen überzeugt wurde, dass die Printzessin einen recht gräulichen Abscheu vor diesem Laster, nämlich der Unzucht, hauptsächlich aber der Blutschande hatte, so stärckte ich dieselbe in ihrem Glauben, und zeigte ihr nach meiner Einfalt, dass dieses eine allen göttlichen, weltlichen und natürlichen Gesetzen und Rechten platterdings zuwider lauffende Sache sei. weswegen sie mir auch mit heissen Tränen angelobt, sich auf solche Art nimmermehr betören zu lassen, sondern in diesem Stück ihrem Vater jederzeit den alleräusersten Wiederstand zu tun, und wenn es auch ihr Leben kosten sollte.
Folgenden Morgens wurde Mirzamanda befehliget, sich in schneller Eile anzukleiden, und zu rechte zu machen, weilen sie mit dem Fürsten, ihrem Herrn Vater, ausfahren sollte. Sie gehorsamete, nahm Abschied von mir, und ihre Fahrt ging nach einem uralten Heiden-Tempel zu, bei welchem ein solenner Götterdienst und Opferung angestellet war, die Printzessin aber liess sich in keinem Stücke, weder durch gute, noch durch Droh-Worte des Fürsten, dahin bewegen, auch nur die geringste Ceremonie mit zu machen, sondern sie führte sich, so wie ich, ganz stille und gelassen darbei auf, wolte auch nicht einmal etwas von der Heidnischen Opfer-Mahlzeit geniessen, indem sie sich aus gewissen Ursachen ein Gewissen darüber machte.
Noch selbigen Abends, da der Fürst kaum nach haus gekommen war, kam er alsobald in der Printzessin Zimmer herauf gegangen, und stellte seine Tochter recht sehr scharff zur Rede, und zwar um dessentwegen, dass sie nicht alles mitgemacht, und sich so bezeigt, wie er selber getan hätte; Die Printzessin gab hierauf ganz freimütig zur Antwort: Mein Vater und Fürst! du wollest mir alles das, was ich des vergangenen Tages verfehlet, zu Gnaden halten, und mir dieserhalb Vergebung angedeihen lassen. Denn mir, als einer getaufften Christin, ist