am allerschärffesten: denn da unsere Völcker eines Morgens von den Feinden geschlagen und zerstreuet worden, kamen von den Unseringen viele um den Wagen herum, worin die Fürstin und die kleine Printzessin fassen, die ich auf meinem Schoosse und in meinen Armen hatte, welche uns insgesamt warneten, ja nicht weiter zu fahren, woferne wir nicht ein Raub der Feinde sein wolten, die gleich hinter ihnen wären; gaben anbei den Rat, dass wir lieber aussteigen, und uns in dem dicken Gebüsche verbergen sollten. Die erschrockene und beängstigte Fürstin, nachdem sie auf ihr fragen: ob ihr Gemahl noch lebte, berichtet worden, dass er noch gesund sei, und sich dem Feinde immer noch tapfer wiedersetzte, fassete den jählingen Schluss, aus dem Wagen zu steigen, und sich in das dicke Gebüsche zu begeben. Indem sie nun ausstieg, befahl sie mir, ihr mit dem kind auf dem fuss nachzufolgen, auch eine Flasche Wein, nebst der eingepackten kalten Küche und etwas Confect hinter ihr herzutragen, indem sie recht sehr durstig und hungrig wäre. Ich machte mich sogleich fertig, ihr zu folgen, und traff die gute Fürstin auf einem grossen Steine unter einem grünen Strauche sitzend an, gab ihr ihre liebe Tochter in die arme, welche sie sogleich an ihre Brust legte, ich aber liess mich unter dem Steine zu ihren Füssen vieder, und legte mein Haupt in ihren Schooss. Kaum war dieses geschehen, da ein schneller Pfeil aus dem gegen über stehenden Gebüsche heraus geflogen kam, und accurat über meinem haupt in der Fürstin schöne Brust fuhr, so, dass ich fast vom haupt bis zu den Füssen mit ihrem Fürsten-Blute gefärbt, ja recht eingetränckt wurde, denn sie war ein sehr vollblütiges Frauenzimmer.
Das allerjämmerlichste Spectacul, dergleichen ich Zeit meines Lebens niemals mit Augen gesehen, und wobei mir selbsten das Hertz im leib recht blutete, fiel mir dergestalt empfindlich, dass ich von einer würcklichen Ohnmacht befallen wurde, zumahlen, da ich, indem ich meine Augen noch in etwas empor hub, beobachtete, dass die kleine ebenfalls mit Blut befärbte Mirzamanda mit beiden Händen, und zwar aus äusersten Kräfften, beschäfftiget war, den Pfeil aus ihrer Mutter Brust heraus zu reissen, weswegen ich denn vollends in eine so starcke Ohnmacht geriet, dass ich von meinen Sinnen nicht wuste, und weder sehen noch horen konte.
Jedoch nach Verlauff etwa einer halben Stunde, begunten sich meine Geister in etwas wieder zu ermuntern, da ich denn gewahr wurde, dass nicht allein der Fürstin, sondern auch meine, ja so gar der kleinen Printzessin Kleider ausgesucht, jedoch aber, wieder hingeworffen wurden. Ihrer 4. von den Feinden aber hatten die besondere gefälligkeit, den schönen körper der Fürstin auf etliche mit ihren Säbeln abgehauene grüne Reiser auf ein grünes Plätzgen zu legen, und denselben mit noch mehr grünen Laub-Reisern zu bedecken, und zwar sehr stark. Dieses gefiel mir in so weit ganz wohl, da aber einer von den Feinden kam, und mir das Kind aus den Armen riss, auch mit demselben davon eilete, folgte ich ihm auf dem fuss nach; Es begegneten mir zwar einige feindliche Soldaten, welche sich über meinen seltsamen blutigen Habit verwunderten, jedoch mich ohngehindert gehen liessen, so, dass ich beobachten konte, in welche Hütte das Kind getragen wurde. So bald ich demnach dieses gewahr worden, machte ich mich ganz dreuste in die Hütte hinnein, indem ich mich darauf verliess, dass ich noch ungemeine kostbare Kleinodien, Diamanten, und andere Edelgesteine, oben in dem Neste meiner Haare, unter der Haube, verborgen hatte, als worauf sich vermutlich unsere Plünderer nicht mochten besonnen haben. Wie ich nun die Sache weiter untersuchte, so befand es sich, dass meine Printzessin in die Hütte einer feindlichen Officiers-Frau geraten, deren Mann von mittelmässigem Range war, so bald mich aber das kleine Ding nur zu sehen bekam, hörete es nicht auf zu ruffen: Ah, mi Anna! Ah, mi Anna! Die Leute verwunderten sich ungemein über den Verstand dieses Kindes, wolten also unter der Hand von mir erforschen, wem dieses Kind zugehörete; jedoch, da ich in vielen Tagen nicht vom Hinterteile einer Henne gespeiset hatte, müste mich ein törichter Geist regiert haben, wenn ich gesagt hätte: dass diss die eintzige Printzessin des Fürsten von Candahar wäre. Nein! das tat Frau Anna nicht, sondern, weilen ich befürchtete, dass man vielleicht ein etwa allzu starckes Löse-Geld vor diese kleine Printzessin fordern möchte, so sagte ich, sie wäre die Tochter eines Obristen von der Reuterei, welcher, wie ich schon vernommen, im letzteren Treffen geblieben, ihre Mutter aber nachher durch einen unvermuteten Pfeil-Schuss getödet worden.
Zu meinem Glück liess sich ein Jude im Lager erblicken, da ich denn bei Nachts-Zeit mein Nest aufmachte, und 3. Diamanten von ziemlichem Wert heraus langte, diese 3. Diamanten nehete ich sogleich in meinen lincken Ermel, trennete hernach in Gegenwart aller Anwesenden und des Juden dieselben wieder heraus, und sagte: Dieses ist es alles, was ich und mein Kind von der Plünderung übrig behalten haben; der Jude aber verliebte sich sogleich in die Diamanten, und bezahlete mir dieselben noch so ziemlich, dergestalt, dass ich nicht allein von selbigem Gelde unsere Zehrungs-Kosten bei der Officiers-Frau, sondern auch diejenigen voraus bezahlen konte, die mich von da an bis Candahar zu begleiten, sich von selbsten