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Gesetz-Predigt, wie ich dieselbe von meinem lieben Amsterdamer Priester sehr öffters gehöret hatte, da sie denn auf einmal angelobte, diese Zauber-Possen hinführo bei Seite zu legen und die Schwartz-Künstlerinnen unter einem guten Vorwande, mit reichlichen Geschencken begabt, von sich zu schaffen. Dieses gelobte sie mir mit Tränen an, hielt auch ihr Wort, denn die Persianischen ZauberWeiber und Anbeterinnen des Feuers wurden mit guter Manier fortgeschickt, worauf sich denn die Fürstin zu meinem allergrösten Vergnügen angelegen sein liess, das Christentum auf das allerfleissigste auszuüben, nach der Zeit aber den Jacob nebst seiner Frau, die ebenfalls eine Protestantin war, und mich zu ihren Vertrauten erwehlete.

Demnach machten wir binnen wenig Wochen, unserer Einfalt nach, aus der Fürstin eine rechte gute Christin denn sie lebte dergestalt ordentlich und stille, dass an ihrem ganzen Lebens-Wandel nichts auszusetzen war. Ihr Vergnügen aber suchte sie zu gewissen zeiten auf der Jagd und bei dem Garten-Bau, als worin ich ihr zur Verbesserung desselben verschiedene Anweisungen gab, die ihr nicht allein sehr wohl gefielen, sondern sie spürete auch gar bald die Lust und den Nutzen davon.

Unvermutet kam der Fürst, ihr Gemahl, von Ispahan zurück, bezeigte sich ungemein vergnügt, seine Gemahlin in so gutem Wohlstande und besserer Verfassung anzutreffen, brachte auch derselben recht ungemein kostbare Geschencke mit; ja auch die allergeringsten Bedienten wurden von ihm sehr reichlich beschenckt. Er hielt sich damahls 2. ganzer Jahre in seiner Residentz bei seiner Gemahlin auf, und binnen dieser Zeit wurde gegenwärtige Printzessin Mirzamanda von meiner werten Fürstin zur Welt gebracht. Als nun jetzt gemeldter Fürstin die Geburts-Schmertzen ankamen, und zwar in einem mitten im wald gelegnen grossen Jagd-haus, verlangte sie mit aller Gewalt, dass ich bei ihr bleiben sollte; ob ich nun zwar vorschützte: wie ich eine Frau wäre, die wohl einen Mann, aber doch niemals ein Kind gehabt hätte, mich also zu dergleichen begebenheiten ganz und gar nicht schickte, so muste doch der Fürstin Wille erfüllet werden, und ich fast gezwungener Weise, um nicht etwa die Ungnade des Fürsten zu verdienen, bei der Fürstin bleiben, welche ganz heimlicher Weise nach dem Jacob und seiner Frau schickte, und dieselben zu sich beruffen liess. Nachdem nun Jacob nebst seiner Frauen in denen Mitternachts-Stunden sich bei ihr eingestellet, liess sie diese beiden sogleich zu sich in ihr Zimmer kommen als in welchem ich mich ganz allein zu ihrer Aufwartung befand, nahm das kaum vor 48. Stunden glücklich zur Welt gebohrne Kind aus der Wiege heraus, gab es mir auf die arme, und sprach: Ich beschwöre euch alle 3. Personen bei dem allmächtigen GOtte und der ganzen Hochheiligen Dreifaltigkeit, dass ihr drei Personen mir dieses mein neugebohrnes Kind, auf Christi Blut und Gerechtigkeit, nach Christlicher Art und Weise tauffen sollet, und dessen Tauff-Zeugen werden wollet, indem ich durchaus nicht haben will, dass diese meine Tochter als eine Anbeterin des Feuers, der Sonne, Mond, Sterne, oder anderer Getzen soll auferzogen werden.

Hierauf nahm ich die kleine Mirzamanda mit uns in ein kleines Neben-Zimmer, wo sie Jacob nach heiligem Gebrauche tauffte, und ihr den Nahmen Christiana beilegte, den Heiden zu Gefallen nenneten wir sie aber jedennoch immer noch Mirzamanda, und zwar aus Furcht.

Mitlerweile war keins von den Heiden das geringste von dieser Begebenheit gewahr worden, und die Fürstin beschenkte den Jacob und seine Frau ungemein reichlich, nachdem ich ihr meinen Bericht wegen der glücklich abgelauffenen Tauffe abgestattet hatte. Ich hatte das Glück, Kinder-Frau bei dieser jungen artigen Printzessin zu werden, und hatte 3. KinderMägde unter meinem Befehle, die das Kind nach meiner Verordnung auf das allerbeste und behutsamste warten und pflegen mussten.

Der Fürst hatte eine ungemeine Freude bei dem Anblicke dieser seiner schönen Tochter, allein er konte dieselbe nicht lange geniessen, indem er abermals nach Ispahan zu reisen sich gezwungen sah, da er denn länger aussen blieb, als wir gedachten, endlich aber plötzlich zurücke kam, und die unangenehme Zeitung mitbrachte: Was massen es alle Umstände nicht anders erforderten, als dass er selbstē mit zu feld, und dem Feinde entgegen gehen müste. Demnach wurde sein Feld- und krieges-Gerätschafft gleich in geschwinder Eille zu rechte gemacht; die Fürstin aber wolte damahls sich nicht aus dem Siñe reden lassen, ihrem Gemahle zu folgen, ungeachtet sie ihr säugendes Kind hatte, welches kaum ein und ein halb Jahr alt war, ihr Gemahl auch ihr selbsten aufs beweglichste zusprach, nur dissmal noch mit ihrem kind zu haus zu bleiben, weiln sie sich ganz und gar keiner Gefahr zu besorgē hätte; Allein, weiln sie so gesinnet war, dass ihr der Wille, der einmal in das Hertz und Kopf gestiegen war, durchaus erfüllet werden muste, so hatte sie ehe keine Ruhe, bis man ihre Feld-Reise-Gerätschafft auch zu rechte machte, da sie denn ihrem Gemahle, so zu sagen, auf dem fuss nachfolgte, ich aber benebst der kleinen Printzessin mussten auch mitreisen. Die Reise zwar war eben nicht allzu beschwerlich, indem wir abwechselten, und uns bald in Wagens, bald auf Camele oder Elephanten setzten, nach Gefallen aber in Sänfften konnten tragen lassen; allein es gefiel mir dennoch nicht, hergegen stellte sich die junge Printzessin dergestalt lustig und munter dabei an, als ob sie zum Reisen gebohren wäre. Es ging aber in diesem FeldZuge sehr scharff her, und vor uns