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zu sich genommen hatte, da ihm denn die Fürstin die Schaale noch einmal voll schenckte, woraus er sich erst dicke und satt soff, hernachmahls zum andernmahle badete, sodann auf der Fürstin weiss gemachtes Bette zuflog, und dasselbe ziemlicher massen verunreinigte; allein die Fürstin nahm sogleich ihren weissen Stab klopffte damit 3. mahl auf den Tisch, da denn der Papagoy sogleich, wie eine Taube zum Fenster hinaus flog, weiln er zumahlen vielleicht mein Husten hinter den Tapeten mochte vernommen haben.

Wie gefiel euch diese Begebenheit? (fragte mich die Fürstin) Ich konte nun nicht anders sagen, als dass ich über den Papagoy und dessen Aufführung hätte hertzlich lachen müssen. Ihr habt wohl recht, (redete ihn wohl einiger massen züchtigen sollen, allein es mag ihm vor diesesmahl geschenckt sein, doch Morgen Nachmittags sollet ihr eure Lust sehen, wie ich die geilen Böcke und brünstigen Hirsche züchtigen kan und will: Denn es haben so wohl der Jazzan, als der Arab-Ogli, als welche ihr alle beide wohl kennet, mich daher fast täglich mit unkeuschen Briefen gequälet, und verlangt, dass ich ihnen einen geheimen Zutritt und gehorsamste Aufwartung bei mir zu machen vergönnen möchte. Um nun diese geilen EhrenDiebe los zu werden, so habe sie auf Morgen beide zu einer gewissen Stunde in das im grossen Garten befindliche Lust-Haus bestellet, als in welchem ich mich zu einer bestimmter Stunde wolte antreffen lassen, es weiss aber keiner von des andern Suchen und Verlangen, ungeachtet sie beide auf einerlei Schand-Wegen gehen. Wenn sie nun kommen, so sollet ihr, meine liebe Anna, eure Lust sehen, wie ich diese Bösewichter bezahlen will.

Demnach begab sich die Fürstin des andern Tages gleich nach der Mittags-Mahlzeit in das Lust-Haus des grossen Baum-Gartens, und lockte zugleich 12. bis 16. grosse, mittelmässige und kleine Hunde hinter sich her, die sie alle zusammen in das unterste grosse Zimmer des Lust-Hauses einsperrete, die Fürstin aber ging mit mir höher hinauf, wo wir denn einige herAnkunfft der Herren Liebhaber abwarten wolten, ihnen auch unter vielen Schertz-Worten beständig entgegen sahen. Wie nun der Fürstin die Zeit etwas zu lang zu werden begunte, so ging sie selbsten hin, und machte die grosse Hinter-Tür des Baum-Gartens auf, wobei ich bemerckte, dass sie viele kleine Pflöckgen schnitzte, und dieselben nicht allein bei der Tür-Swelle, sonden auch hie und da in die Erde einschlug.

Endlich kam sie zu mir in das obere Zimmer herauf zurück, befahl, dass Caffée vor sie zubereitet werden sollte; wie nun dieses aber schon geschehen war, so tranck sie etliche Tassen, und gab unterdessen beständig achtung auf die Tür, worauf wir denn gar bald einen ungemein grossen Hirsch, der ein vortreffliches Geweihe auf seinem kopf trug, eintreten sahen. Sehet, liebe Anna! sagte die Fürstin, das ist der ArabOgli; aber lasset ihn nur näher kommen, bis der Bock Jazzan auch eingetreten ist. Dieses geschahe nun nach Verlauff ewta einer Stunde, da den Jazzan, so bald er nur die Tür-Schwelle überschritte, sich sogleich in einen Stein-Bock verwandelte. Beide Tiere machten sich einander entgegen, u. es schien mir nicht anders, als ob sie ordentlicher Weise mit einander Sprache hielten. Jedoch die Fürstin vergönnete ihnen nicht lange Zeit, sondern ging hinunter in das unterste Zimmer, wo die Hunde eingesperret waren, tipfte jeden Hund mit ihrem weissen Stabe auf den Kopf, und liess nachher die Hunde auf einmal alle heraus, da denn im Garten eine solche Kater-Jagt entstunde, dass ich, die ich oben an einem kleinen Gatter-Fenster sass, mich fast hätte mögen zum Narren lachen. Diese Jagd währete fast über 2. Stunden, bis so wohl der Hirsch und der Stein-Bock, als die Hunde ganz abgemattet und ermüdet auf dem platz liegen blieben. Endlich aber, nachdem so wohl der Hirsch, als der Stein-Bock ihren Rückweg genommen, kamen auch die Hunde, nachdem ihnen die Fürstin ein Zeichen mit einem Jagd-Hörnlein gegeben, ganz unbeschädigt zurück, so wohl wie ihr gesagtes wild denn ebenfalls unverletzt geblieben, und sich auf ihre Strassen begeben hatte.

Diese Jagd mag ich wohl den Haupt-Spas nennen, welchen ich jemahls in meiner ganzen Lebens-Zeit gehabt, ja, ich hatte mich würcklich über das Springen des Hirsches und des Stein-Bocks dergestalt zu Schande gelacht, dass ich es nachher fast in 8. Tagen nicht verwinden konte.

Dergleichen lustige Streiche spielete die Fürstin in nachfolgenden Tagen und zeiten noch viel mehrere, die ich aber vorjetzo eben nicht auf das Tapet bringen will, weilen meine Geschichts Erzehlung sonsten gar zu weitläufftig werden möchte; da ich sie aber eines Abends in gröster Andacht bei der Bibel und andern christlichen Büchern sitzend antraff, und die Fürstin mich fragte: "Nun, meine liebe Anna! wie hat euch meine bisherige Aufführung gefallen?" so gab ich ihr zur Antwort: Ungemein wohl, gnädigste Fürstin, allein wie stimmer Christus und Belial zusammen? Sie wollen eine getauffte Christin sein, und heissen, und treiben doch so viele Wercke, woran der Satan den grössten teil hat, das Christentum aber Gefahr läufft. Ich schlug ihr hier auch das Capitel in der Bibel auf, worin gemeldter Spruch, benebst der ganzen geschichte zu lesen ist, und hielt ihr dabei eine kleine Buss- und