Zeit nur noch verstümmelt redete, zum öfftern sehr liebreich zu vernehmen gab, so nahm mir vor, es zu wagen, ihr einen besonderen Vortrag zu tun.
Demnach stämmete ich einstmahls, als ich ganz alleine bei ihr im Zimmer war, einen Arm unter den Kopf, und liess etliche Tränen aus meinen Augen fallen, denn sie hatte mir vorher ganz offenhertzig viel von ihren Glücks- und Unglücks-Fallen erzehlet. Wie nun die Fürstin mich fragte: warum ich Tränen vergösse? und wer mir etwas zu Leide getan hätte? gab ich sogleich zur Antwort: mir hat niemand das geringste zu Leide getan, diese Tränen aber, die ich jetzt fallen lasse, fliessen aus einem Jammer-vollen herzen und mitleidenden Augen, beklage anbei nichts mehr, als dieses, dass Ew. Durchl. nicht das Glück haben, eine Christin zu sein, da sich denn Dieselben in vielen Stücken weit besser fassen und trösten würden.
Was? (fuhr hierauf die Fürstin als halb erzürnt auf) wer hat euch gesagt, dass ich keine Christin wäre? fraget den Jacob, den Keller-Meister, der wird mir zeugnis geben, dass ich eine getauffte Christin bin, und das heilige Abendmahl von einem Holländischen Protestantischen schiffes-Prediger schon dreimahl empfangen habe, nach der Zeit aber haben sich meine Umstände dergestalt verändert, dass ich dieser grossen Glückseligkeit bis hieher nicht wieder teilhafftig werden können.
Ich fiel demnach vor der Fürstin nieder auf die Knie, küssete vor Freuden den Saum ihres Kleides, und weinete dabei recht bitterlich, worauf sie mich in die Höhe hub, und mir mehr als 10. Küsse gab, aber dabei befahl, dass ich gleich von Stunde an zu dem Keller-Meister Jacob (den sie meinen Landesmann hiess, weil er ihr Dollmetscher in Holländischer und andern Sprachen war) hingehen, und ihres christentum wegen mich weiter bei ihm erkundigen, diese folgende Nacht aber bei ihr in ihrem Zimmer bleiben sollte.
Dieser Jacob erzehlete mir nun, nachdem ich ihm den Befehl von unserer Fürstin überbracht, rechte Wunder-Dinge von dieser Fürstin, welche ich nachzusagen mich zwar wohl im stand befinde, allein es möchte vielleicht die geschichte dadurch allzu weitMunde nur kürtzlich so viel melden, dass diese Fürstin, als eine Printzessin eines benachbarten grossen Fürsten, zwar als eine Heidin gebohren, und als eine Anbeterin des Feuers erzogen worden, allein der Himmel hätte sie durch besondere Wege, da sie ohngefehr 12. bis 13. Jahr alt gewesen, auf ein Holländisches Schiff geführt, welches sie, aller Persianer Art nach, so wohl von aussen als von innen mit gröster Verwunderung beschauet, und sich auf das alleräuserste darüber vergnügt, jedoch über alles weiter nichts mehr, als über den andächtigen Gottesdienst der Christen, weswegen sie denn gleich gebeten, dass man die Güte haben, und sie mit nach Holland nehmen mochte, und war ganz heimlich, weiln sie Gold und Juwelen zu Bezahlung ihrer Reise-Kosten zur billigen Genüge herbei bringen wolte; Allein, da man ihr die Gefahr vorgestellet, welche aus dieser Sache, wenn man ihr gleich sonsten gern willfahren wolte, entstehen könnte, indem es vielleicht aller auf dem Schiffe befindlicher Menschen Leben auser dem Verlust der Güter kosten könnte, so hätte sie sich nur ausgebeten, dass man sie zu einer Christin machen möchte. Wie nun der Prediger ihr gemeldet, dass dieses eine Sache, die so leicht nicht anginge, indem sie erstlich getaufft, hernach in den Christlichen Glaubens-Articuln unterrichtet werden müste, so wäre sie zwar davon gegangen, jedoch, nachdem sie sich bei ihren getreuen Wald-Leuten etliche Tage verborgen aufgehalten, wieder zurück auf das Schiff gekommen, wo sie die heilige Tauffe und nach hinlänglichem Unterricht wegen der Christlichen Glaubens-Articul, auch zum erstenmahle das heilige Abendmahl, selbiges auch nach der Zeit noch 2. mahl empfangen, indem sich das Schiff noch etliche Monate in selbigem Hafen aufgehalten, jedoch, weiln vielleicht eine Verräterei bei der ganzen Sache vorgegangen, indem die Printzessin nach der Zeit nicht wieder zum Vorscheine gekommen wäre, welches aber seine andern ganz besonderen Ursachen gehabt hätte, so wären die Holländer zwar in gröster Gefahr gewesen, unglücklich gemacht zu werden, allein die Sache hätte sich endlich noch verschlichen, nachdem auf allen ausländischen Schiffen die schärffste Visitation der Printzessin wegen geschehen, welche Printzessin denn von ihrem damaligen Liebsten, als dem jetzigen Fürsten von Candahar, gewisser Ursachen wegen, wäre auf die Seite gebracht, und auf ein bestes Schloss in Verwahrung gesetzt worden.
Jacob erzehlete mir binnen wenig Stunden noch viele seltsame begebenheiten dieser Fürstin wegen, die ich aber vorjetzo verschweigen, und nur dieses melden will, dass die Fürstin, nachdem sie ihren Gemahl schon geheiratet, ihm, dem Jacob, zum öfftern im Vertrauen gesagt, wie sie sich auf dieser Welt nichts mehr wünschte: als nur noch ein eintzigmahl getaufft zu werden, und auch das heilige Abendmahl nur noch ein eintzigmahl zu geniessen, worauf sie gern und willig sterben, und ihre Seele dem gecreutzigten Christo anbefehlen wolte, weilen ihr Zeit ihres Lebens nicht besser zu Mute und ums Hertze gewesen, als da sie getaufft worden und das heilige Abendmahl empfangen hätte. In diesem Stücke nun hätte er, nämlich der Jacob, seinem wenigen verstand nach, zwar ihr vielen Unterricht gegeben, was nicht allein vor ein Unterscheid zwischen den beiden Sacramenten, nämlich der heiligen Tauffe und des heiligen Abendmahls wäre, indem die Christen nur ein eintzigmahl getaufft zu werden brauchten, nachher aber