übrigen war diese Kopff-Machine mit Reiher- und andern Federn, auch Bändern von allerhand Farben, dergestalt ausgezieret, dass man sich billig über diesen Aufsatz verwundern, ich auch selbst bekennen muste, dass er recht niedlich war, und dem fräulein ungemein wohl anstunde. Die Fürstin aber, so bald sie das fräulein in einem solchen Aufputze sah, hätte sogleich vor Gifft und Galle bersten mogen, ja sie biss nicht selten recht die Zähne aus Bosheit zusammen, weilen sie sich wegen der Stroh Crone und den bunten Federn und Bändern eine ganz wiederwärtige und verdriessliche Vorstellung in ihren gedanken machte, zumahlen, da sie eine ungemein eifersüchtige Dame war.
Mittlerweile erschien das fräulein N. mit diesem ihrem Haupt-Putze bei der Taffel, und der Fürst liess sich durch Stellungen und Worte so viel vernehmen, dass ihm noch niemals, weil er gelebt, ein Aufputz eines Frauenzimmers besser gefallen und vergnügt hätte, als dieser, weswegen er denn sogleich nach aufgehobener Taffel der fräulein ein kostbares mit Jubelen besetztes Hals-Band, ingleichen ein paar dergleichen Arm-Bänder und einen Diamantenen Ring von grossem Werte verehrete.
Nun ist leicht zu erachten, dass dergleichen Beginnen bei der Fürstin eben kein besonderes gutes Geblüte müsse verursacht haben; Allein sie wuste ihre Gemüts-Bewegungen, um die Lust des Fürsten und aller seiner Bedienten nicht zu stöhren, vor diesesmahl dergestalt klüglich zu verbergen, dass man dei ihr eben keine sonderliche Veränderung merckte.
Es begab sich aber an eben diesem Tage noch etwas ganz besonderes, denn da wir alle, so viel unserer nur bei hof waren, durch eine lange Allée spazierten, an deren Ende eine von Marmor-Steinen erbauete Capelle befindlich, in welcher die Andacht verrichtet, und vor das fernere Glück und Leben des Fürsten geopfert werden sollte; so führte der Fürst zu erst seine Gemahlin an der Hand, der Ober-Hofmeister aber die fräulein von N. und das andere Frauenzimmer wurde dem stand nach von Cavaliers oder Personen ihres gleichen der Capelle zugeführet, so, dass alles Paar-weise ging. Wie wir aber das Ende der Allée erreicht, auf einem grossen grünen platz, etwa eine Viertel-Stunde stehen blieben, und erwarteten, bis uns von, den Dervis der Eintritt angekündiget werden sollte, sahen wir in der Lufft über uns einen grossen Geier daher geflogen kommen, welcher sich erstlich etliche Minuten in der Lufft herum schwenkkte, nachher aber, wie ein Blitz, hernieder fuhr, und der fräulein von N. den Feder-Hut zusamt der StrohCrone vom haupt riss, auch selbige in gröster Geschwindigkeit in die Lufft führte, seinen Flug aber nach dem Indianischen Meere zu nahm, mitin gar bald aus unsern Augen verschwand.
ungeachtet nun das fräulein sich über diesen Possen sehr bestürtzt und verdrüsslich erzeigte, indem sie mit blosem haupt in die Capelle gehen und opffern muste, so hätte doch dieser Possen noch hingehen mögen, und leicht verschmertzt werden können, wenn nicht ein anderer noch weit hässlicherer Possen darauf erfolget wäre; denn da sie aus der Capelle auf dem Rückwege begriffen war, senckte sich ein fürchterlicher Drache fast bis zu ihrem haupt hernieder, und besalbete sie mit Kuh-Miste dergestalt, dass sie nicht aus den Augen sehen konte, wie denn auch ihr Führer nicht verschonet blieb, sondern einen ziemlichen teil Küh-Mist auf seinem haupt und Kleidern aufzuweisen hatte.
Diese Begebenheit hatte sich die gute fräulein dergestalt zu Gemüte gezogen, dass sie in eine tödliche Kranckheit verfiel, so, dass an ihrem Aufkommen gezweiffelt wurde, jedoch nach Verkauff einiger Wochen liess sie sich zwar wieder öffentlich sehen, begab sich aber bald auf die Reise nach ihren Eltern, da man denn nach der Zeit die Fürstin noch einmal so vergnügt als vorher sah, ungeachtet der Fürst, unter dem Vorwande den bevorstehenden den Feldzug gegen den Myriwegs besorgen zu helffen, ebenfalls eine Reise, wie er sagte, nach Ispahan antrat, und zu baldiger Zurückkunfft schlechte hoffnung machte.
So bald als nun der Fürst fort war, zog die Fürstin, als eine sehr kluge und vernünfftige Frau, ihre Hofhaltung fast bis über die Helffte in die Enge, danckte auch viele Bedienten ab, denen sie eben nicht sonderlich gewogen war, was aber sonsten ihren KleiderStaat, die Taffel und das übrige anbelangete, so kam dennoch alles Fürstlich heraus, denn sie lebte propre und delicat, liess auch ihren Bedienten nichts ermangeln, sondern gab denenselben zum öfftern fast überflüssig, was sie vonnöten hatten. Sonsten aber hatte sie wenigen Zuspruch von hohen Personen, als welches ihr denn eben nicht ungelegen war, unterdessen kam doch bisweilen ein fest-Tag, da sie sich mit ihren Cavaliers und Dames vergnügte, sonsten aber war ihr Haupt-Vergnügen der Garten-Bau und dann und wann die Tagd, auser diesen aber lebte sie in ihrem schloss sehr stille und ruhig, und war mehr und öffterer in ihren Zimmern, als auser demselben anzutreffen.
Bei solcher gelegenheit hatte ich zum öfftern das Glück, ganze halbe Tage bei ihr zu zubringen, und zwar ganz allein in ihrem Zimmer, da wir denn die Zeit mit allerlei nützlichen Gesprächen zubrachten. Wie ich aber mich versichert sah, dass sie eine ganz besondere Gunst und Gnade vor vielen andern, auch so gar vor ihren Landes-Leuten, auf mich geworffen, und gerne sah, wenn ich dreuste und offenhertzig mir ihr redete, mir auch niemals etwas übel nahm, wie sie mir denn dieses alles in Holländischer Sprache, welche sie zu der