Uber diesen Bericht nun hatte ein jedes seine besondere gedanken, Mons. van Leuven aber unterbrach dieselben, indem er sich um den Lemelie bekümmerte, und gern wissen mochte, wo sich dieser aufhielte. Meine Mutmassungen waren, dass er vielleicht noch vor uns, durch den Schrecken, aus der Höle gejagt worden, und sich etwa hier oder da auf der Insul befände; Allein, nachdem wir den übrigen teil der Nacht ohne fernern Schlaff hingebracht, und nunmehr das Sonnen-Licht mit Freuden wieder empor kommen sahen, kam auch Lemelie unverhofft aus der Höle heraus gegangen.
Dieser bekannte auf unser Befragen so gleich, dass er weder etwas gesehen, noch vielweniger gehöret habe, und verwunderte sich ziemlich, da wir ihm von allen begebenheiten voriger Nacht ausführliche Nachricht gaben. Wir hielten ihn also vor glücklicher als uns, stunden aber auf, und besichtigten nicht allein die Höle, sondern auch den ganzen Hügel, fanden jedoch nicht das geringste Versehr, Ritze oder Spalte, sondern alles in unveränderten guten stand. Lemelie sagte deswegen: Glaubet mir sicher, meine Freunde! es ist alles ein pures Gauckel-Spiel, der im Fegefeuer sitzenden Seele des Don Cyrillo de Valaro. Ach, wie gern wolte ich einem Römisch-Catolischen Priester 100. Creutz-Taler Seel-Mess-Gelder zahlen, um dieselbe daraus zu erlösen, wenn er nur gegenwärtig wäre, und uns in vollkommene Ruhe setzen könnte.
Van Leuven und ich hielten nicht vor ratsam, diesem einfältigen Tropffen zu widersprechen, liessen ihn deswegen bei seinen 5. Augen, beschlossen aber dennoch, etliche Nacht in unsern grünen Hütten zu schlaffen, biss man sähe, was sich ferner wegen des vermeintlichen Erdbebens zeigen, und die dessfalls bei uns entstandene Furcht nach und nach verschwunden sein würde, welches auch dem Lemelie ganz vernünfftig vorkam.
Allein der ehrliche van Leuven schlieff nur noch 2. Nachte bei seiner liebsten Ehe-Frauen in der LauberHütte. Denn am 11. Novembr. ging er, etwa 2. Stunden, nachdem die Sonne aufgegangen war, mit einer Flinte fort, um ein oder zwei grosse wohlschmeckende Vogel, welche sich gemeiniglich auf den obersten Klippen sehen liessen, herunter zu schiessen, die wir selbigen Abend an statt der Martins-Gänse braten und verzehren wolten. Lemelie war etwa eine Stunde vorher ebenfalls darauf ausgegangen, ich aber blieb bei der Concordia, um ihr beim Kochen mit Holtz-Spalten und andern Handreichungen die Arbeit zu erleichtern.
Zwei Stunden über Mittag kam Lemelie mit zwei schönen grossen Vogeln zurücke, über welche wir uns sogleich hermachten, und dieselben reinigten. Mittlerweile fragte Lemelie Concordien, wo ihr Mann hingegangen? und erhielt von selbiger zur Antwort, dass er gleichergestalt auf solch Wildpret ausgegangen sei, wobei sie sich erkundigte, ob sie einander nicht angetroffen. Lemelie antwortet mit Nein. Doch habe er auf jener Seite des Gebürges einen Schuss vernomen, woraus er gemutmasset, dass sich gewiss einer von uns daselbst aufhalten würde.
Concordia machte noch einen Spaass hierbei, indem sie sagte: Wenn nun mein Carl Franz kommt, mag er seine geschossene Martins Gänse biss auf Morgen aufheben. Allein, da die Sonne bereits unterging, und unsere beiden Braten zum speisen tüchtig waren, stellte sich dem ungeachtet unser guter van Leuven noch nicht ein, wir warteten noch ein paar Stunden, da er aber nicht kam, verzehreten wir den einen Vogel mit guten Appetit, und spareten den andern vor ihn und Concordien. Allein, die Nacht brach endlich auch ein, und van Leuven blieb immer aussen. Concordien begunte das Hertze schwer zu werden, indem sie genug zu tun hatte, die Tränen zurück zu halten, ich aber tröstete sie, so gut ich konte, und meinete, weil es heller Monden-Schein, würde ihr Ehe-Schatz schon noch zurücke kommen. Sie aber versetzte: Ach, es ist ja wider alle seine gewöhnliche Art, was wird ihm der Monden-Schein helffen? Und wie kan er zurücke kommen, wenn er vielleicht Unglück genommen hat? Ja, ja, fuhr sie fort, mein Hertze sagt es mir, mein Liebster ist entweder tot, oder dem tod sehr nahe, denn jetzt fällt mir mein Traum auf einmal wieder in die gedanken, den ich in der SchreckensNacht, seit dem aber gänzlich vergessen gehabt. Diese ihre Worte wurden mit einer gewaltsamen Tränen Flut begleitet, Lemelie aber trat auf, und sagte: Madame! verfallet doch nicht so gleich auf die ärgsten gedanken, es kan ihn ja vielleicht eine besonders glückliche Begebenheit, oder Neugierigkeit, etwa hier oder dar aufhalten. Stehet auf, wir wollen ihm alle drei entgegen gehen, und zwar um die Gegend, wo ich heute von ferne feinen Schuss gehöret, wir wollen schreien, ruffen und schiessen, was gilts? er wird sich bald melden, und uns zum wenigsten mit einem Schuss oder laut antworten. Concordia weinete dem ungeachtet immer noch hefftiger, und sagte: Ach, wie kan er schiessen oder antworten, wenn er tot ist? Doch da wir beide, ihr ferner zuzureden, nicht unterliessen, stunde sie endlich auf, und folgte nebst mir dem Lemelie, wo er uns hinführete.
Es wurde die ganze Nacht hindurch an fleissigem Suchen, Schreien und Schiessen nichts gesparet, die Soñe ging zwar darüber auf, doch van Leuven wolte mit selbiger dennoch nicht zum Vorscheine kommen. Wir kehreten zurück in unsere Lauber-Hütten und unter-irrdische wohnung, fanden aber nicht die geringste Spur,