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dem Verlauff auf der den Klein-Felsenburgern bestimmten 8. Tage, mich abermals mit verschiedenen vertrauten Freunden, worunter sonderlich Herr Mag. Schmeltzer Jun. befindlich, auch 60. Mann der resolutesten Felsenburger, so wohl Männer als Junggesellen, in 3. Booten auf die Insul Klein-Felsenburg verfügte, und unsern daselbst zurück gelassenen Freunden nicht nur Lebens-Mittel im Uberflusse, sondern auch die allerbesten Erfrischungen zuführete, welche guten Freunde uns denn mit einem ausserordentlichen Vergnügen bewillkommeten: erstlich ihre Arbeit vorzeigten, die sie binnen der Zeit verrichtet hatten, welche in etliche 1000. Centnern der allerkostbarsten ausgehauenen Ertz-Stuffen bestunden, die alle von nicht geringer, sondern fast solcher erstaunlicher Grösse, so, dass wir zu zweiffeln begunten, ob es auch würde möglich sein, dieselben in die Boote zu bringen; allein es ging durch saure Bemühung endlich, da es zum Treffen kam, doch an. Ohngeachter aber der Freude, welche die Unserigen so wohl, als die Portugiesen über untere glückliche Zurückkunfft bezeugten, wolten sie sich doch von ihrer Arbeit nicht abhalten lassen, sondern waren dergestalt erpicht darauf, als ob der Himmel und die Seligkeit damit zu verdienen wäre. Wie nun dieses Herr Mag. Schmeltzer Jun. merckte, so war er zwar so neubegierig, das grosse Gebürge, wie auch den grossen Berg, und den darinnen befindlichen uralten Heiden-Tempel mit zu untersuchen und eigentlich zu betrachten; allein eben dieses verleitete ihn dahin, dass er uns allen, so viel nur unserer waren, alle Morgen, bei Aufgange der Sonnen Mittags und Abends aber nach der genossenen Mahlzeit eine andächtige Betstunde hielte, so, dass wir jedes Tages 3. Betstunden abzuwarten hatten, woran sich die 5. Portugiesen dergestalt ergötzten, dass sie wünschten, unserer Religion zu sein, indem sie durch des Herrn Mag. Schmeltzers hertzbrechende Worte und hauptsächlich durch die Krafft des Heiligen Geistes inniglich gerühret wurden.

Da diese 5. Mann nun eine brennende Begierde gegen Herrn Mag. Schmeltzern spüren liessen, um, sie in unsern Glaubens-Articuln des christentum vollkommen zu unterrichten, als nahm er sich nicht allein in denen darauf folgenden Tagen die grosse Mühe, etliche Stunden in dieser Arbeit mit ihnen im Sitzen zu zubringen, sondern er ging auch sehr öffters mit ihnen spaziren; brachte ihnen also binnen kurtzer Frist die Glaubens-Articul unserer Felsenburgischen Protestantischen Religion dergestalt bei dass ihnen, nach ihrem hefftigen Verlangen, auf beschehene beichte und Absolution, das Hochwurdige Abendmahl gereicht wurde, als wobei sich keiner andächtiger zeigte, als der gute Vincentius, dessen Augen man fast niemals ohne Tränen sah; wie ich aber noch bis diese Stunde vernommen, so erkennet Herr Mag. Schmeltzer den Vincentium vor einen bekehrten Sünder und aufrichtigen guten Christen, indem er denselben, sonderlich seiner Künste wegen, anfänglich zwar recht sehr scharff zugesetzt, endlich aber befunden, dass die meisten derselben erlaubte und in der vernünfftigen Philosophie ganz wohl gegründete Sachen wären, die dem Christentume, wenn sonsten keine Bosheit darbei wäre, keinen Schaden tun könnten.

Binnen der Zeit nun, die wir uns selbst bestimt hat ten, auf Klein-Felsenburg zu verharren, schickten uns unsere Freunde von Gross-Felsenburg zu dreien mahlen überflüssige Lebens–Mittel zu, und die Mannschafft lösete einander ohne Befehl, sondern recht gutwilliger Weise ab. Also konnten wir recht vergnügt leben, zumahlen, da wir unsern Seelen-Sorger, als offtgemeldten Herrn Mag. Schmeltzern, so zu sagen, als einen Feld-Prediger bei uns hatten. Mittlerweile aber begab sich ein wunderlicher Streich, denn da dreien dreusten Felsenburgern, welche mit dabei gewesen, die Hadscha zurück zu holen, die unordentliche Lust angekommen, um zu sehen, ob deren körper annoch auf selbiger Stelle läge, oder ob der Satan denselben etwa anders wohin geführt hätte, so sahen sie (ihrem Berichte nach) den körper noch auf derselben Stelle liegen, wo sie denselben zum letztenmahle liegen sehen, wurden aber gewahr, dass 5. oder 6. Kohlschwartze Vögel, fast in der Grösse einer Gans, auf demselben sassen, und ihm die Kleider vom Gerippe abrissen; diese schwartzen Vögel bissen sich selbsten unter einander, indem sie die KleidungsStücke abrissen, und einander aus den Mäulern zerreten, wenn nun aber einer oder der andere ein gut Kleidungs-Stück, oder Lappen erhascht, schwung er sich damit in die Lufft, da denn die andern gleich aufflogen, und ihn so lange verfolgten, bis er den Lappen wieder zur Erden muste fallen lassen. Wir, (sagten unsere Reverenten ferner) bekamen zwar einen ziemlichen Abscheu vor diesem schändlichen Schauspiele, jedoch, da einer von uns im währenden Gehen auf einen solchen Lappen, und zwar ganz von ohngefehr, trat, den ein Vogel aus der Lufft hatte fallen lassen, so fühlete er unter seinen Schuhsolen etwas hartes, weswegen er weiter nachsuchte, und ein ganzes Bündlein der vortrefflichsten Diamanten und anderer Edelgesteine darinnen fand, welche man, weiln es noch heller-lichter Tag war, mehr als zu genau erkennen konte, zumahlen uns dergleichen Sachen nicht so gar unbekannt sind; Wie wir aber sahen, dass immer ein Vogel nach dem andern seinen Lappen wegen Verfolgung seiner Mit-Brüder herunter auf die Erde muste fallen lassen, so gaben wir etwas besser achtung auf die Vögel, sonderlich aber auf die Lappen, so herunter fielen, da wir denn einen jeglichen mit Diamanten und Edelgesteinen beschweret befanden. Dieses reitzte uns an, zurück zu dem körper zu gehen, ungeachtet derselbe schon einen