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fast meinen, dass wir in gewissen Stücken weit mehrere Kostbarkeiten und Schätze, und zwar mit eben so grosser, ja wohl noch weit grösserer Lebens-Gefahr erobert hätten, als unsere Vorgänger.

Jedoch ich will alles dieses vorjetzo bei Seite gestellet sein lassen, und nur so viel melden, dass, nachdem wir mit den Portugiesen, sonderlich aber mit dem Vincentio, zur Nachts-Zeit ein ganz geheimes Gespräch gehalten, Morgens frühe, mit voller Ladung von ihnen abruderten, unter dem Versprechen, sie alle wohl zu bedencken, und binnen 6. oder 8. Tagen unsere bei ihnen zurücklassenden Landes-Leute, deren 20. an der Zahl waren, wieder abzulösen. Es waren diese 20 Mann, die wir also dazumahl auf der Insul Klein-Felsen burg zurück liessen, mit wenig Worten zu sagen: Leute, von vollkommener Hertzhafftigkeit; und uns geleitete der Himmel nebst der Persianischen Printzessin, ihrer Frau Anna und dem Löwen, glücklich bis auf die Insul Gross-Felsenburg.

Was da abermals vor ein aufsehen entstunde, davon will gar nicht viel reden; Die mitgebrachten Sachen aber machten bei den Manns-Personen noch lange nicht so viel Wunder, als bei unserm Frauenzimmer die 2. auf eine so seltsame Art gekleidete Weibs-Personen, der Löwe aber brachte zu Anfangs in allen Augen so wohl Verwunderung, als Schrecken zu Wege, welches letztere aber binnen wenig Tagen gänzlich verschwunde, indem die Insulaner des Löwens gar bald gewohnt wurden, als welchen die Printzessin zuweilen frei herum spatziren liess, zu andern zeiten aber, auch hie oder da anbunde, da denn auch so gar die Kinder, so kaum lauffen konnten, sich um den Löwen herum versammleten, welcher auf das allerpossierlichste mit ihnen spielete, und ihnen die Gesichter, hände und Füsse leckte.

Unser Frauenzimmer war vor allererst dahin besorgt gewesen, die angekommenen beiden Gäste in reinliche Kleidung und Wäsche zu werffen, hatten denenselben also verschiedenes von dergleichen Sachen vorgelegt; da aber Anna zu vernehmen gegeben, wie sie dergleichen schöne Sachen nicht eher anlegen würden, als bis sie sich alle beide in den Abend-Stunden in dem nächst vorbei fliessenden Flusse würden gebadet und gewaschen haben, so machten unser Frauenzimmer gleich andere Anstalten, indem sie eine Bad-stube heitzen liessen, da denn die Printzessin nebst der Anna hinein geführt wurden, um ihre Bequemlichkeit in der Wärme mit warmen wasser und andern Zubehör darinnen zu finden und zu gebrauchen. Demnach kam die Printzessin gleich des andern Morgens in einem Felsenburgischen Festtäglichen Frauenzimmer-Habite aufgezogen, und ihre darunter hervor leuchtende ganz besondere Schönheit wurde von jedermänniglich bewundert, ungeachtet sie aber etwas hohes nicht allein in ihren Kohl-Pechschwartzen Augen, sondern auch in allen ihren Minen und Geberden an sich hatte, und man aus allen ihren Gesichts Zügen und ganzem Wesen sogleich urteilen konte, dass sie von hoher Herkunfft sein müsse, so muste man sich dennoch auch über ihre Gelassenheit, Sanfftmut und stilles Wesen, welches sich bei verschiedenen begebenheiten zeigte, ungemein verwundern; jedoch bei lustigen begebenheiten wuste sie ihre Rolle auch zu spielen, und sich nicht etwa mürrisch, sauertöpffisch oder einfältig aufzuführen, so, wie viele schwartzen, braunen und weissen Frauenzimmer, sonderlich in Deutschland sich zu vielenmahlen belachens-würdig und hässlich vergalloppiren, wenn ihnen nicht alles sogleich nach ihren Köpfen gehet, eben, als wenn an einer person allein so gar allzu viel gelegen wäre etc.

Allein, wie gesagt, in allen diesen Stücken zeigte Mirzamanda eine ganz andere Aufführung, die ich wohl mit Recht Fürstlich nennen kan, und hiermit erwarb sie sich in der Geschwindigkeit die Liebe aller Insulaner, vom grössten bis zum Kleinesten, beiderlei Geschlechts, zumahlen, da man sah, dass der Regente, als ein dem hunderten Jahre entgegen reisender Mann, diese Printzessin in besonderen Ehren hielt, da dieselbe an seiner Taffel ihm allezeit zur rechten Hand sitzen muste, zu seiner lincken aber sass mehrenteils die Frau Mag. Schmeltzerin Sen. jedoch in diesem Stücke, um eine die andere etwa nicht verdriesslich zu machen, wechselten die lieben Weibergen gar öffters mit einander um.

Von nun an aber war die Haupt-Sache diese, dass so wohl die Mirzamanda, als ihre Anna zum wahrhafften Christentume unterrichtet und angeführet wurden, weswegen sich denn die Herren Geistlichen Tag vor Tag hierzu mit gröstem Ernste und Eifer bereit und willig finden liessen, so, dass so wohl die Mirzamanda, als ihre Anna binnen 3. bis 4. WochenZeit Verlauf dahin gebracht wurden, dass man ihnen das Hochwürdige heilige Abendmahl ohne Bedencken und mit gutem Gewissen reichen konte, welches sie denn auch des nechsten Sonntags empfiengen.

Wie nun unser Frauenzimmer zu dieser beider fremden Sünder Bekehrung ein nicht geringes beigetragen, indem sie beständig geistliche und christliche gespräche mit ihnen führeten, so lerneten bei solcher gelegenheit eine so wohl, als die andere, binnen einer fast unglaublichen kurtzen Frist, nicht allein unsere Felsenburgische Sprache vollkommen verstehen, sondern auch ziemlicher massen reden; jedoch, was das letztere anbelangete, so muste man der alten Anna vor dissmahl in diesem Stücke den Preiss zuerkennen, dass sie viel deutlicher, geschwinder und hurtiger ausreden konte, als die Printzessin, der, weilen sie zugleich in etwas schnarrete und lispelte, welches doch sonsten ganz angenehm zu hören war, unsere Sprache anfänglich etwas schwer fallen wolte, nunmehr aber redet sie dieselbe so deutlich und gut, als eine gebohrne und gezogene Felsenburgerin nur immer tun kan.

Hierbei aber muss ich zu melden nicht vergessen, dass ich nach